WEBVTT

00:00:00.140 --> 00:00:03.000
Ein Hoch auf die Erneuerbaren. Die nehmen in

00:00:03.000 --> 00:00:06.719
dieser Folge Klimanews am 30. März 2026 viel

00:00:06.719 --> 00:00:10.199
Raum ein. Einmal als Sparprojekt in Europa, als

00:00:10.199 --> 00:00:13.919
Feindbild für Merz und Co. und auch als Krisenbewältigerin

00:00:13.919 --> 00:00:17.039
in Kuba. Diese Folge wurde geschrieben von Emily

00:00:17.039 --> 00:00:19.899
Anoukar und Jonathan Auer und am Mikrofon hörst

00:00:19.899 --> 00:00:22.539
du mich, Anna Hutmann. Wir starten mit voller

00:00:22.539 --> 00:00:26.780
Energie. Im Angesicht der hohen Ölpreise werden

00:00:26.780 --> 00:00:30.000
momentan Stimmen laut, die sich für mehr Ölförderung

00:00:30.000 --> 00:00:33.520
in der Nordsee aussprechen. Aber eine jetzt veröffentlichte

00:00:33.520 --> 00:00:36.780
Studie der Universität Oxford zeigt, in Großbritannien

00:00:36.780 --> 00:00:38.780
würden Haushalte um ein Vielfaches mehr davon

00:00:38.780 --> 00:00:41.719
profitieren, wenn die UK nur noch erneuerbare

00:00:41.719 --> 00:00:43.899
Energien nutzen würde. Genauer gesagt spricht

00:00:43.899 --> 00:00:47.159
die Studie von 82 Pfund Einsparung pro Haushalt

00:00:47.159 --> 00:00:50.000
pro Jahr bei maximierter Ölförderung in der Nordsee.

00:00:50.429 --> 00:00:54.729
aber von ganzen 441 Pfund Einsparung, wenn Großbritannien

00:00:54.729 --> 00:00:57.770
nur noch grünen Strom nutzen würde. Ein aktuelles

00:00:57.770 --> 00:01:00.310
Hindernis vor Ort ist aber, wie eigentlich überall

00:01:00.310 --> 00:01:03.090
in Europa, das Stromnetz. Das ist nämlich nicht

00:01:03.090 --> 00:01:05.030
für die flexible und weitreichende Weiterleitung

00:01:05.030 --> 00:01:06.909
von erneuerbaren Energien entwickelt worden,

00:01:07.069 --> 00:01:10.269
sondern für die lokale Stromerzeugung und zentrale

00:01:10.269 --> 00:01:12.950
Stromverteilung aus Kohle - und Gaskraftwerken.

00:01:13.569 --> 00:01:15.709
Windparks zum Beispiel liegen aber oft weit draußen.

00:01:16.310 --> 00:01:18.890
Und bisher ermöglicht das Stromnetz nicht ausreichend

00:01:18.890 --> 00:01:21.629
die Weiterleitung des Stroms über lange Distanzen.

00:01:21.909 --> 00:01:24.790
Und so gehen große Mengen an grünem Strom verloren,

00:01:25.030 --> 00:01:27.010
einfach weil das Netz noch nicht ausreichend

00:01:27.010 --> 00:01:30.049
ausgebaut und erneuert wurde. In Deutschland

00:01:30.049 --> 00:01:32.370
hat das im letzten Jahr über 400 Millionen Euro

00:01:32.370 --> 00:01:36.409
gekostet, in der UK sogar 1 ,5 Milliarden. Jetzt

00:01:36.409 --> 00:01:38.469
soll aber in Großbritannien ein Pilotprojekt

00:01:38.469 --> 00:01:41.230
starten, statt Windräder bei akuter Überlastung

00:01:41.230 --> 00:01:43.629
der Netze kostenreich abzustellen, wie momentan

00:01:43.629 --> 00:01:46.980
üblich. Soll der überschüssige Strom haushaltennahe

00:01:46.980 --> 00:01:49.579
der Windparks sehr günstig oder auch umsonst

00:01:49.579 --> 00:01:56.319
zur Verfügung gestellt werden? In Deutschland

00:01:56.319 --> 00:01:58.900
dagegen bremst die Bundesregierung unaufhörlich

00:01:58.900 --> 00:02:01.640
die Bemühungen zur Klimaneutralität. Selbst der

00:02:01.640 --> 00:02:03.760
Umweltminister hat ja gerade ein Klimaschutzprogramm

00:02:03.760 --> 00:02:06.340
vorgestellt, das schon vor Veröffentlichung veraltet

00:02:06.340 --> 00:02:09.360
war. Fortgeführt wurde dieses Muster vergangenen

00:02:09.360 --> 00:02:11.939
Freitag. Da verkündete Merz auf einer Konferenz

00:02:11.939 --> 00:02:14.590
der FAZ das hier. Wir werden möglicherweise,

00:02:14.590 --> 00:02:16.469
wenn die Energiekrise sich fortsetzen sollte

00:02:16.469 --> 00:02:18.689
und tatsächlich eine Mangellage eintritt, wir

00:02:18.689 --> 00:02:20.949
werden möglicherweise sogar laufende Kohlekraftwerke

00:02:20.949 --> 00:02:23.050
länger am Netz lassen müssen. Wir müssen dieses

00:02:23.050 --> 00:02:26.129
Land mit Strom versorgen. Merz scheint es also

00:02:26.129 --> 00:02:29.389
nicht für sinnvoll zu halten, bis 2038 aus der

00:02:29.389 --> 00:02:32.189
Kohle auszusteigen. Er will zwar auch weiter

00:02:32.189 --> 00:02:35.490
erneuerbare Energien ausbauen, Wahnsinn, diese

00:02:35.490 --> 00:02:37.490
aber mit neuen Gaskraftwerken in Deutschland

00:02:37.490 --> 00:02:39.389
unterfüttern, wie er auf der Konferenz sagte.

00:02:39.789 --> 00:02:42.969
Und ja, du hast richtig gehört, mit neuen Gaskraftwerken.

00:02:43.550 --> 00:02:46.050
Ganz in Linie mit Energieministerin Katharina

00:02:46.050 --> 00:02:49.430
Reiche. Ihr Expertinnenrat rät momentan dazu,

00:02:49.650 --> 00:02:51.590
wieder selbst in Deutschland Gas zu fördern,

00:02:51.650 --> 00:02:55.050
um unabhängig von Gas importen zu sein. Um das

00:02:55.050 --> 00:02:57.509
jetzt wirklich effektiv zu ermöglichen, müsste

00:02:57.509 --> 00:02:59.889
aber Fracking betrieben werden, eine mit hohen

00:02:59.889 --> 00:03:02.009
Risiken verbundene Methode der Gasförderung.

00:03:02.129 --> 00:03:04.710
Es drohen dann etwa Grundwasserverschmutzung

00:03:04.710 --> 00:03:07.889
und sogar Erdbeben. Und aus diesen sehr guten

00:03:07.889 --> 00:03:10.490
Gründen ist Fracking auch seit 2016 in Deutschland

00:03:10.490 --> 00:03:13.800
rechtlich extrem eingeschränkt. Aber zurück zu

00:03:13.800 --> 00:03:16.280
Merz. Er hat sich zusätzlich noch dafür ausgesprochen,

00:03:16.280 --> 00:03:19.139
Geld in die Forschung an modularen Kernreaktoren

00:03:19.139 --> 00:03:21.379
zu investieren. Kleiner Tipp an der Stelle von

00:03:21.379 --> 00:03:23.639
uns. Wenn Deutschland stattdessen mehr in den

00:03:23.639 --> 00:03:25.860
Ausbau des Stromnetzes und die Entwicklung von

00:03:25.860 --> 00:03:28.419
Speichertechnologien investieren würde, gäbe

00:03:28.419 --> 00:03:30.419
es vielleicht bald keinen Grund mehr, sich über

00:03:30.419 --> 00:03:32.900
all diese fossilen Alternativen Gedanken zu machen.

00:03:37.800 --> 00:03:40.240
Okay, genug europäische und deutsche Politik

00:03:40.240 --> 00:03:42.539
für eine Folge. Wir schauen jetzt in ein Land,

00:03:42.560 --> 00:03:44.500
das gerade leider auffällig wenig in den Medien

00:03:44.500 --> 00:03:47.819
vorkommt, nämlich Kuba. Mit dem militärischen

00:03:47.819 --> 00:03:50.979
Überfall der USA in Venezuela und der Entführung

00:03:50.979 --> 00:03:53.400
des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro

00:03:53.400 --> 00:03:57.000
hat Kuba seinen letzten und einzigen Ölimporteur

00:03:57.000 --> 00:03:59.639
verloren, der das Land trotz der US -Blockade

00:03:59.639 --> 00:04:01.439
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion weiter

00:04:01.439 --> 00:04:04.590
beliefert hat. Aktuell hat Kuba nach Aussage

00:04:04.590 --> 00:04:07.629
des Präsidenten seit drei Monaten kein Öl mehr

00:04:07.629 --> 00:04:10.370
erhalten und steckt deshalb in einer massiven

00:04:10.370 --> 00:04:13.590
Energiekrise. Und außerdem herrscht akut Lebensmittel

00:04:13.590 --> 00:04:16.509
- und Wasserknappheit. Ansatzweise abgefedert

00:04:16.509 --> 00:04:18.670
wird die ausfallende Stromversorgung durch Bemühungen

00:04:18.670 --> 00:04:21.269
der Regierung, den Ausbau von Solaranlagen zu

00:04:21.269 --> 00:04:24.990
stärken. Seit 2013 nimmt Solarenergie eine wichtige

00:04:24.990 --> 00:04:27.550
Stellung in den Regierungsplänen ein. Kredite

00:04:27.550 --> 00:04:30.620
und Solarmodule kamen bisher aus China. Daran

00:04:30.620 --> 00:04:32.579
anschließend hat in der letzten Woche das Projekt

00:04:32.579 --> 00:04:35.699
Nuestra America mit einer Flotilla die US -Blockade

00:04:35.699 --> 00:04:38.360
durchbrochen und Hilfsgüter auf dem Seeweg nach

00:04:38.360 --> 00:04:41.420
Kuba gebracht. Mit dabei auch Solarpanels, die

00:04:41.420 --> 00:04:43.500
zum Beispiel für die Versorgung von Krankenhäusern

00:04:43.500 --> 00:04:46.360
genutzt werden können. Einige europäische Länder,

00:04:46.459 --> 00:04:49.060
darunter Spanien, haben ebenfalls angekündigt,

00:04:49.060 --> 00:04:52.620
Solarpanels nach Kuba zu liefern. Die Erneuerbaren

00:04:52.620 --> 00:04:57.680
schlagen zurück. Das war's mit der heutigen Folge

00:04:57.680 --> 00:05:00.560
Klimanews. Wenn sie dir gefallen hat, lass uns

00:05:00.560 --> 00:05:03.279
gerne eine positive Bewertung da und teile die

00:05:03.279 --> 00:05:05.839
Folge mit deinen Freundinnen. Feedback bekommen

00:05:05.839 --> 00:05:09.160
wir gerne per Mail an redaktion .klimanews -podcast

00:05:09.160 --> 00:05:13.000
.de Wir hören uns hier Mittwoch wieder mit einer

00:05:13.000 --> 00:05:15.399
ganz besonderen Folge über die Energiewende in

00:05:15.399 --> 00:05:18.019
Chile. Die solltest du nicht verpassen. Bis dahin,

00:05:18.019 --> 00:05:20.139
hab eine schöne Woche. Ciao.
