WEBVTT

00:00:00.650 --> 00:00:03.569
Wir besprechen heute ausführlich einen neuen

00:00:03.569 --> 00:00:06.429
Bericht des Umweltbundesamtes, in dem deutlich

00:00:06.429 --> 00:00:09.310
wird, wie weit Deutschland von seinen Klimazielen

00:00:09.310 --> 00:00:14.490
für 2030 entfernt ist. Außerdem geht es um Extremwettereignisse

00:00:14.490 --> 00:00:17.989
in Brasilien, Kenia und Somalia. Mein Name ist

00:00:17.989 --> 00:00:20.109
Marie Frieling und ich begleite dich diese Woche

00:00:20.109 --> 00:00:22.550
am Mikrofon mit den wichtigsten Klima -News.

00:00:22.949 --> 00:00:25.469
Diese Folge wurde geschrieben von Emily Anoukar

00:00:25.469 --> 00:00:30.429
und Rafael Neuchäfer. Los geht's! Das Umweltbundesamt

00:00:30.429 --> 00:00:32.490
hat seinen jährlichen Bericht veröffentlicht,

00:00:32.630 --> 00:00:35.929
der zeigt, wie es um die deutschen Treibhausgasemissionen

00:00:35.929 --> 00:00:39.329
bestellt ist. Der Bericht soll dazu dienen, frühzeitige

00:00:39.329 --> 00:00:41.929
Korrekturen in der Klimapolitik zu ermöglichen,

00:00:42.170 --> 00:00:44.189
wenn gesetzlich festgeschriebene Einsparungen

00:00:44.189 --> 00:00:47.109
von Emissionen nicht eingehalten werden. Und

00:00:47.109 --> 00:00:51.109
– surprise – genau das ist der Fall. Aktuell

00:00:51.109 --> 00:00:54.189
rechnet das Umweltbundesamt bis 2030 mit einem

00:00:54.189 --> 00:00:58.820
Emissionsrückgang von 62 ,6 Prozent seit 1990.

00:00:59.439 --> 00:01:03.140
Zu den im Klimaschutzgesetz stehenden 65 Prozent

00:01:03.140 --> 00:01:06.060
fehlen laut dem Amt rund 30 Millionen Tonnen

00:01:06.060 --> 00:01:09.620
CO2 -Einsparungen. Das sind 5 Millionen Tonnen

00:01:09.620 --> 00:01:13.219
mehr, als bisher bei der Planung des neuen Klimaschutzprogramms

00:01:13.219 --> 00:01:16.239
berücksichtigt wurden. Der höhere Wert gefällt

00:01:16.239 --> 00:01:18.760
dem Umweltminister Carsten Schneider gar nicht.

00:01:19.280 --> 00:01:22.379
Er hält daher einfach an dem vorherigen Wert

00:01:22.379 --> 00:01:25.939
von 25 Millionen Tonnen fest, und will abwarten,

00:01:26.099 --> 00:01:28.480
bis die Zahlen wie üblich vom Expertenrat für

00:01:28.480 --> 00:01:31.439
Klimafragen geprüft werden. Das kann aber bis

00:01:31.439 --> 00:01:34.560
zu zwei Monate dauern. Die Bundesregierung muss

00:01:34.560 --> 00:01:37.000
jedoch schon bis Ende März ihr Klimaschutzprogramm

00:01:37.000 --> 00:01:40.180
vorlegen. Die neue Hochrechnung des Umweltbundesamtes

00:01:40.180 --> 00:01:44.000
wird dabei also einfach ignoriert werden. Was

00:01:44.000 --> 00:01:46.659
im Klimaschutzprogramm übrigens auch nicht berücksichtigt

00:01:46.659 --> 00:01:49.879
wird, ist die geplante Änderung des sogenannten

00:01:49.879 --> 00:01:52.480
Heizungsgesetzes, über die wir hier schon ausführlich

00:01:52.480 --> 00:01:55.390
berichtet haben. Die soll den Einbau von Gas

00:01:55.390 --> 00:01:58.230
- und Ölheizungen wieder ermöglichen und könnte

00:01:58.230 --> 00:02:01.450
laut einer Analyse des Ökoinstituts einen zusätzlichen

00:02:01.450 --> 00:02:05.230
Ausstoß von 5 bis 8 Millionen Tonnen CO2 erwirken.

00:02:05.909 --> 00:02:09.409
Es ist also völlig unklar, wie das neue Klimaschutzprogramm

00:02:09.409 --> 00:02:12.490
dafür sorgen soll, dass Deutschland irgendwelche

00:02:12.490 --> 00:02:16.389
Emissionsziele einhält. Und es kommt noch schlimmer.

00:02:16.710 --> 00:02:19.169
Der Bericht des Umweltbundesamtes zeigt nämlich

00:02:19.169 --> 00:02:21.810
auch, dass der Emissionsrückgang in Deutschland

00:02:22.030 --> 00:02:25.110
Quasi still steht. Letztes Jahr wurden im Vergleich

00:02:25.110 --> 00:02:30.050
zu 2024 nur noch 0 ,1 Prozent weniger Treibhausgase

00:02:30.050 --> 00:02:33.550
ausgestoßen. Und selbst diese lassen sich größtenteils

00:02:33.550 --> 00:02:36.310
auf eine kriselnde Wirtschaft und einen milden

00:02:36.310 --> 00:02:39.509
Winter zurückführen. Es sieht also düster aus

00:02:39.509 --> 00:02:44.830
in der deutschen Klimapolitik. Ähnlich düster

00:02:44.830 --> 00:02:47.409
sieht auch mein Morgen aus, wenn ich nicht mit

00:02:47.409 --> 00:02:50.680
einem Kaffee in den Tag starte. Um aber weiter

00:02:50.680 --> 00:02:53.120
den täglichen Koffeinkick zu bekommen, müssen

00:02:53.120 --> 00:02:56.219
wir dringend die Klimakrise bekämpfen. Die weltweite

00:02:56.219 --> 00:02:59.460
Kaffeeproduktion ist nämlich ordentlich in Gefahr.

00:02:59.800 --> 00:03:02.439
Denn massive Fluten in Brasilien führen gerade

00:03:02.439 --> 00:03:05.159
zu dramatischen Landrutschen, Todesfällen und

00:03:05.159 --> 00:03:07.360
der Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen.

00:03:08.180 --> 00:03:10.580
Die Lage vor Ort ist wirklich dramatisch und

00:03:10.580 --> 00:03:12.939
es wird wohl Jahre brauchen, um die Schäden zu

00:03:12.939 --> 00:03:16.659
reparieren. Auch wir in Europa werden die Auswirkungen

00:03:16.659 --> 00:03:19.810
spüren. Besonders betroffen sind nämlich Brasiliens

00:03:19.810 --> 00:03:23.710
Kaffeeanbaugebiete in Minas Gerais. WissenschaftlerInnen

00:03:23.710 --> 00:03:26.729
haben berechnet, dass starke Regenfälle in diesem

00:03:26.729 --> 00:03:29.270
Gebiet mit steigenden globalen Temperaturen bis

00:03:29.270 --> 00:03:32.930
zu 2 ,6 Grad Celsius um 7 Prozent wahrscheinlicher

00:03:32.930 --> 00:03:36.310
werden. Die Auswirkungen auf die Kosten von brasilianischem

00:03:36.310 --> 00:03:39.349
Kaffee, Gemüse und Obst werden global für uns

00:03:39.349 --> 00:03:42.289
alle spürbar sein und sind nur dann eindämmbar,

00:03:42.389 --> 00:03:44.409
wenn weiterhin ambitioniert daran gearbeitet

00:03:44.409 --> 00:03:50.210
wird, die Klimakrise abzuschwächen. Wie wir hier

00:03:50.210 --> 00:03:52.449
regelmäßig berichten, nehmen die Auswirkungen

00:03:52.449 --> 00:03:55.449
der Klimakrise ganz unterschiedliche Formen an.

00:03:55.789 --> 00:03:58.810
Fluten in Brasilien, wie in der vorherigen Meldung,

00:03:59.129 --> 00:04:02.150
oder stetig sinkende Grundwasserspiegel in Brandenburg.

00:04:03.030 --> 00:04:05.930
In Kenia und Somalia, die Nachbarländer sind,

00:04:06.389 --> 00:04:10.009
wird dieser Kontrast besonders deutlich. In Somalia

00:04:10.009 --> 00:04:12.810
herrscht seit Jahren extreme Dürre, was viele

00:04:12.810 --> 00:04:15.689
Familien zur Migration zwingt, weil es dort,

00:04:15.689 --> 00:04:18.870
wo sie gelebt haben, kein Wasser mehr gibt. Davon

00:04:18.870 --> 00:04:21.689
sind natürlich auch Nutztiere betroffen, eine

00:04:21.689 --> 00:04:24.050
weitere Lebensgrundlage vieler Menschen vor Ort.

00:04:24.610 --> 00:04:27.850
Nebenan in Kenia dagegen werden die Menschen

00:04:27.850 --> 00:04:30.709
aktuell von Starkregen und Überflutungen getroffen.

00:04:31.449 --> 00:04:35.050
Bisher wurden 66 Tote verzeichnet, die Hälfte

00:04:35.050 --> 00:04:38.529
davon in Kenias Hauptstadt Nairobi. Die unterschiedlichen

00:04:38.529 --> 00:04:41.389
Extremwettereignisse zeigen, wie sich die Klimakrise

00:04:41.389 --> 00:04:44.879
auf das ostafrikanische Klima auswirkt. Einerseits

00:04:44.879 --> 00:04:47.720
kann die Atmosphäre bei steigenden Temperaturen

00:04:47.720 --> 00:04:50.839
mehr Wasser aufnehmen, was Regenfälle verstärkt.

00:04:51.360 --> 00:04:54.000
Andererseits verstärkt sich auch die Verdunstung

00:04:54.000 --> 00:04:57.220
von Feuchtigkeit im Boden und damit die Gefahr

00:04:57.220 --> 00:05:00.319
einer Dürre. In beiden Fällen ist das Überleben

00:05:00.319 --> 00:05:05.060
der Menschen vor Ort bepferdet. Damit endet unsere

00:05:05.060 --> 00:05:07.579
heutige Folge KlimaNews. Wenn sie dir gefallen

00:05:07.579 --> 00:05:10.560
hat, freuen wir uns über eine positive Bewertung,

00:05:10.759 --> 00:05:13.860
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00:05:13.860 --> 00:05:16.920
empfiehst. Kritik und Anregungen kannst du uns

00:05:16.920 --> 00:05:20.319
wie immer gerne per Mail an redaktion -podcast

00:05:20.319 --> 00:05:23.379
.de schicken. Ich wünsche dir einen guten Start

00:05:23.379 --> 00:05:26.139
in die Woche und hoffe, dass wir uns am Mittwoch

00:05:26.139 --> 00:05:27.680
wiederhüpfen. Tschüss!
