Franziska Hinteregger: Hallo und herzlich willkommen zum Podcast des Autismuszentrums Sonnenschein in St. Pölten. Die Idee dieses Podcastes ist Informationen rund um das Thema Autismus-Spektrum mit Eltern, autistischen Menschen, Fachpersonen, aber auch allen anderen Interessierten zu teilen. Da jedes Kind einzigartig und jede Situation sehr individuell zu betrachten ist, können und wollen wir mit dem Podcast natürlich keine Therapie ersetzen, sondern ein paar grundlegende Ideen und Tipps mit unterschiedlichen InterviewpartnerInnen besprechen. Wir sind uns dessen bewusst, dass das Thema Autismus ein sehr vielseitiges Themengebiet ist. Daher freuen wir uns darauf, verschiedene Meinungen zu dem Thema zu hören und zu besprechen. Denn nur so kann der Podcast und unser Wissen zu dem Thema weiter wachsen. Stell dir vor, du bist ein Kind und möchtest den Käse aus dem Kühlschrank. Aber du kannst deinen Eltern nicht verständlich machen, was genau du aus dem Kühlschrank willst. Sie reichen dir Milch, die Eier, das Joghurt, aber nicht den Käse. Oder angenommen ein Zahn tut weh und du kannst deinen Eltern nicht erklären, dass du deswegen gerade nichts essen kannst. Sie versuchen aber weiterhin, dich zum Essen zu überreden. Oder stell dir vor, deine Eltern erklären dir, dass ihr nun losfahren müsst, um die Großeltern zu besuchen, aber du kannst nicht begreifen, was sie sagen und verstehst nicht, warum sie plötzlich dein Spielzeug wegräumen und dich zum Auto ziehen. Deshalb beginnst du zu schreien und die Reaktion deiner Eltern ist, dass sie wütend sind und traurig und du weißt nicht mal wieso. Viele Kinder im Autismus-Spektrum haben Schwierigkeiten mit Sprache und Kommunikation. Manche können vielleicht nicht verstehen, was die Menschen in ihrem Umfeld sagen oder sogar ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht ausreichend zum Ausdruck bringen. Jedes Kind hat aber unterschiedliche sprachliche Fähigkeiten. Im Alltag von Familien mit Kindern im Autismus-Spektrum führen sprachliche Einschränkungen häufig zu schwierigen Situationen und können eine hohe Belastung sowohl für die Eltern als auch für die Kinder darstellen. In der Folge mit Dozent Dr. Holzinger haben wir uns begonnen, mit dem Thema Sprache im Autismus-Spektrum auseinanderzusetzen. In der heutigen Folge wollen wir uns nun darauf konzentrieren, wie es gelingen kann, Kinder im Autismus-Spektrum, die sehr wenig oder gar nicht brechen, in ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen. Dies machen wir gemeinsam mit unserer heutigen Interviewpartnerin Johanna Fasching. Sie ist Logopädin im Autismuszentrum Sonnenschein in St. Pölten und somit Expertin für sprachliche Entwicklung, insbesondere bei Kindern im Autismus-Spektrum. Sprache setzt sich eben aus ganz, ganz vielen relevanten Aspekten zusammen und Worte sind nur ein Baustein davon. Das Ansetzen am Interesse des Kindes und am Entwicklungsstand des Kindes, das heißt, dieses freudvolle Spielen ist ein ganz, ganz wichtiger Schlüssel. Und es geht darum, in der Lokopädie den Eltern und den Kindern diese Werkzeuge an die Hand zu geben, um besser miteinander kommunizieren zu können. Vielen Dank Frau Fasching, dass Sie heute zu uns gekommen sind, um mit uns über das Thema Sprache zu reden. Und da komme ich auch gleich zur ersten Frage. Warum ist denn dieses Thema im Alltag, sowie auch in der Therapie, Ihrer Meinung nach so wichtig? Johanna Fasching, MSc: Sprache ist ein ganz, ganz wichtiges Thema, schon von der Geburt an. Und Sprache begleitet uns einfach in allen Lebenslagen und in allen Situationen. Und für Eltern und Kinder ist Sprache im Alltag deshalb so wichtig, weil es darum geht, dass sich das Kind verständlich ausdrücken kann. Das heißt, dass es den Eltern sagen kann, was es gerne möchte, was es braucht, auch wie es ihm geht, was es fühlt. Sich einfach mitteilen kann und umgekehrt auch die Eltern dem Kind verständlich machen, was sie von dem Kind möchten und brauchen. Und da merkt man schon, das Thema Sprachverständnis muss da unbedingt mitgedacht werden. Also das Verstehen von Sprache ist so wichtig. Ja, wenn das Kind eben nicht versteht, was die Eltern sagen, dann kann es auch nicht reagieren. Und da kommt es ganz häufig dann zu Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern und das führt zu ganz viel Frustration und auch Wut und Traurigkeit. Weil das Kind einfach nicht weiß, was es tun soll, um zu seinen Bedürfnissen zu kommen und auch die Eltern das nicht schaffen. Das heißt, es baut sich Druck auf, es kommt Verzweiflung auf und Frustration. Und auch in der Therapie ist Sprache so ein ganz, ganz relevantes Thema einerseits, um Eltern und Kindern in dieser Verzweiflung, in diesen Missverständnissen zu helfen und sie dabei zu unterstützen. Was da auch ganz, ganz wichtig ist, ist, dass Eltern Sprache oder das Fehlen der Sprache beim Kind ganz häufig zuallererst bemerken. Also wenn sich ein Kind nicht typisch entwickelt und eben keine Sprache entwickelt, dann fällt das Eltern oft sehr früh auf und sie merken, beim Geschwisterkind, da war das anders. Das hat im Alter von zwei Jahren schon erste Worte gesprochen. Ich glaube, ich muss da mal zum Kinderarzt und mir Unterstützung holen oder mal Informationen einholen. Und so kommen Eltern mit Kindern ganz häufig mit dem Thema Sprache in Verbindung mit Sprache und Kommunikation zum Kinderarzt und in Folge dessen auch zur Therapie. Und deswegen sind Logopäden und Logopäden oft so die erste Adresse oder die erste Anlaufstelle für Familien mit Kindern, die keine Sprache entwickeln. Wenn nun ein Kind nicht spricht, ist es natürlich der größte Wunsch der Eltern, dass es zu sprechen beginnt. Wenn diese Eltern nun zu Ihnen in die Logopädie kommen, beginnen sie dann gleich damit, dass die Kinder Worte oder Sätze sprechen lernen? Oder muss vor dem ersten Wort noch was anderes passieren? Genau, also Worte zu sprechen, das ist ein Aspekt von Sprache und der kommt viel, viel später dran. Also bevor ein Kind das erste Wort spricht, legt es schon viele eher unscheinbare Schritte zurück, um zu diesem ersten Wort zu kommen. Und Sprache setzt sich eben aus ganz, ganz vielen relevanten Aspekten zusammen und Worte sind nur ein Baustein davon. Also ich beschreibe das ganz oft als Sprachentwicklung ist wie eine Art Hausbau, also so als Metapher, um ein Haus zu bauen, das ist ein langer Prozess, da brauche ich auch ganz, ganz viele verschiedene Bauteile und es gibt viele verschiedene Bauphasen und es bringt eben nichts, schon an die Badezimmerfliesen zu denken, wenn da noch gar kein Fundament und keine Wände gebaut sind. Und so kann man sich auch vorstellen, dass Worte und Sätze so die Badezimmerfliesen sind eben später im Prozess und viel, viel früher müssen wir ein Fundament bauen. Und dieses Fundament, das fängt schon vor dem Sprechen an, also Kinder entwickeln vor dem Sprechen sogenannte Vorleiferfähigkeiten, die ihnen dabei helfen, die Wörter und Sätze, die sie aus der Umgebung hören, dann auch selber anzuwenden und selber auch in die Sprache zu kommen. Und welche Vorleiferfähigkeiten sind nun wichtig für das Kind zu lernen? Ein ganz, ganz wichtiger Bereich der Vorleiferfähigkeiten ist eben das Nachmachen. Man weiß, dass Kinder aus der Umgebung lernen, das heißt, sie hören Wörter, sie schauen die Mama an, wie sie das Wort Baum zum Beispiel sagt und können es dann selber auch nachsprechen. Und davor ist es aber wichtig, dass das Kind eben auch lernt, Dinge nachzumachen, Dinge sich abzuschauen und über diesen Prozess kommt es dann irgendwann eben auch dazu, Wörter nachzusprechen. In der Logopädie schauen wir eben ganz genau, wo das Kind steht. Bei typisch entwickelten Kindern hat man so verschiedene Meilensteine der Sprachentwicklung, die man schon ganz gut voraussehen kann, weil sie eben bei ganz, ganz vielen Kindern ungefähr zum gleichen Zeitpunkt auftreten, zum Beispiel der Meilenstein mit 24 Monaten ca. 50 Wörter zu sprechen. Das ist so ein ganz wichtiger Meilenstein, den wir in der Sprachentwicklung kennen. Und Kinder im Mautismus-Spektrum gehen eben oft einen anderen Weg oder die Sprachentwicklung läuft anders ab, in einem anderen Tempo, manchmal auch in einer anderen Reihenfolge. Anders als bei typisch entwickelten Kindern. Das heißt, die Aufgabe in der Logopädie ist es erst mal zu schauen, wo steht denn dieses Kind in seiner Sprachentwicklung? Wo setzen wir jetzt an, um dem Kind dann zu helfen, den nächsten Meilenstein zu erreichen? Wir gehen dann oft eben so vor, dass wir uns dieses Nachmachen, diese Imitation ganz genau anschauen und da wäre so der erste Schritt, orientiert sich das Kind schon an Gegenständen und macht etwas nach, was ich mit einem Gegenstand mache. Es ist nämlich so, dass Kinder im Mautismus-Spektrum häufig eher in der Dingwelt sich wohlfühlen, also sich Gegenstände ganz genau anschauen, sich Gegenständen zuwenden und die Personenwelt auf der anderen Seite, also das Interagieren mit anderen Personen, häufig noch nicht so gut kennengelernt haben und nicht so genau wissen, wie sie damit machen sollen. Deswegen eher in dieser Dingwelt verhaftet bleiben. Also wir schauen uns mal an, kann das Kind zum Beispiel schon, wenn ich mit einem Spielzug hin und her fahre, schaue das dann hin und macht vielleicht die gleiche Bewegung mit diesem Spielzug, fährt also auch hin und her, kann es das schon imitieren? Und der nächste Schritt wäre dann eine Körperimitation, also etwas nachzumachen, was ich mit meinem Körper mache. Wenn ich also zum Beispiel in die Hände klatsche, klatscht das Kind dann vielleicht auch mit oder ich springe auf und ab auf einem Trampolin und das Kind macht dann vielleicht auch mit. Dann die nächste Stufe wäre dann auch eine orale Imitation. Oral bedeutet, was mache ich mit meinem Mund? Also wenn ich zum Beispiel mit meinem Mund ein erstauntes Gesicht mache, schaue dann das Kind hin und mache das vielleicht auch nach, weil es das interessant findet oder vielleicht ein Pussy schicken oder an Krimassen schneiden, grinsen oder ja, was einem da halt einfällt. Der nächste Schritt wäre dann auch einen Laut nachzumachen. Also wenn ich, das Kind spielt zum Beispiel wieder mit dem Zug und fährt nur hin und her und ich mache dann einen Laut dazu, zum Beispiel, Findet das das Kind schon interessant und macht dann im Verlauf vielleicht auch dieses Geräusch nach oder hui, wenn der Zug von der Brücke runtersaust oder oh oh, wenn er umfällt, der Zug und einen Unfall baut. Das heißt, kommt das Kind schon in diese Lautimitation und erst dann ist das Kind bereit, auch ein Wort zu imitieren. Also wir spielen zum Beispiel wieder mit dem Zug und ich sage immer wieder, los geht's, der Zug fährt los und das Kind hört dieses Wort immer wieder und sagt dann irgendwann noch selbst, los geht's, wenn der Zug losfährt. Genau, also es ist ganz ganz wichtig, dass wir hier nicht springen, dass wir von dem Kind nicht verlangen, sofort los geht's oder Zug fahren nachzusprechen, sondern da anzusetzen, wo das Kind steht. Und wenn das Kind gerade noch in seiner Dingwelt ist und noch nicht auf Personen, in diese Personenwelt rüberkommen kann, also noch nicht bereit zu ist, dann macht es ganz ganz wenig Sinn, das Kind aufzufordern, das Wort Zug zu sagen, weil es das einfach noch nicht schafft. Das heißt, ganz wichtiges Credo in der Therapie und eben auch im Alltag zu Hause ist, das Kind da abzuholen, wo es gerade steht. Genau, und dann eine Brücke zu bauen in den nächsten Entwicklungsschritt. Viele Kinder im Autismus-Spektrum sprechen nur wenige Laute von sich aus, wie zum Beispiel eben dieses Ba Ba Ba oder Datsch Datsch Datsch. Diese Laute haben ja offenbar keine Bedeutung, sollte man Kinder daran hindern, dauernd die gleichen Laute zu sprechen und gleich die Verwendung von Worten üben. Oder ist es wichtig, dass die Kinder Laute sprechen, auch wenn diese keine Bedeutung haben und wenn warum? Also es ist ganz wichtig, dass die Kinder auch Laute sprechen, die keine Bedeutung haben. Das zeigt nämlich, dass sich die Kinder in der Sprachentwicklung genau an diesem Punkt befinden. Sie probieren jetzt gerade Laute aus und testen, wie bewegt sich mein Mund, wenn ich diesen Laut mache, wie fühlt sich das an in meinem Mund, wie hört sich das an in meinen Ohren. Und sie entwickeln dann eine Präferenz für manche Laute, weil die besonders gut gehen und weil die besonders gut klappen. Das heißt, das Kind fühlt sich selbstwirksam, fühlt sich toll, fühlt sich wohl, damit diese Laute zu produzieren. Und ja, die Sprache ist sozusagen in Entwicklung, das heißt sie haben schon einen Start hingelegt, das ist etwas sehr Positives. Sie haben schon begonnen, mit dem Mund zu experimentieren. Und deswegen sollten wir sie nicht daran hindern, diese Laute zu machen, sondern eben zu sehen, ach, mein Kind übt, mein Kind probiert Laute aus und hat Spaß und Freude daran oder beruhigt sich vielleicht dadurch und ich freue mich mit ihm. Und es ist sogar gut, das zu fördern. Das heißt, als Eltern können sie mit ihrem Kind damit einsteigen und diese Laute auch wieder imitieren, also nachmachen oder möglicherweise in ein Spiel einbauen. Also wenn ihr Kind zum Beispiel gerne mit dem Ball spielt, den Ball hin und her rollt und dabei lautiert, also zum Beispiel immer Ba ba ba ba ba macht, dann ist es natürlich schon sehr nahe als auch am Wort Ball. Und ich als erwachsene Person kann jetzt diesen Laut aufgreifen und kann sagen Ba ba ba ba Ball, bevor ich den Ball losrolle. Und das Kind erlebt diese Interaktion zwischen dem Elternteil und dem Kind als sehr positiv, weil es das Gefühl hat, wir machen hier was zusammen, wir machen sogar das gleiche Geräusch, wir haben hier gemeinsam Spaß, es ist etwas, was mir gefällt und was mich interessiert und ist dadurch sehr motiviert und sehr angeregt und freudvoll und ist deswegen auch ermutigt, diesen Laut immer mehr zu machen und auszuweiten und möglicherweise über diesen Weg auch zum Wort zu kommen. Wir bleiben noch kurz bei den Vorläuferfähigkeiten. Sie haben ja gerade auch angesprochen, dass das Experimentieren mit dem Mund sehr wichtig sein kann und es ist ja so, dass bei Kindern im Autismus-Spektrum die Wahrnehmung des Munde sowie die Mundmotorik beeinträchtigt sein kann, was zu Problemen beim Sprechen oder Essen führen kann. Oftmals werden dann Übungen für den Mund wie Pusten oder verschiedene Simulationen wie Eiswürfel in der Therapie wichtig. Also die Therapie bei Kindern im Autismus-Spektrum ist sehr individuell. Jedes Kind hat andere Schwierigkeiten oder Stolpersteine in der Sprachentwicklung und wir setzen immer da an, wo das jeweilige Kind Schwierigkeiten hat. Und die Mundmotorik oder die reduzierte Wahrnehmung im Mundbereich kann ein sehr wichtiges Thema sein, kann aber auch sein, dass es bei einem Kind im Autismus-Spektrum gar kein Problem ist und deswegen nicht vorkommt. Es ist sehr naheliegend für Eltern, dass ein Kind, das noch nicht spricht, durch Übungen mit Mund und Zunge, also die Bewegung der Muskeln und das Formen der Buchstaben, da über diesen Weg zur Sprache kommt und es kann auch sehr hilfreich sein, das zu üben, aber es gibt eben auch andere Bereiche der Sprache und des Sprechens, die genauso oder die vielleicht sogar wichtiger sind für das jeweilige Kind. Es ist eben zu unterscheiden zwischen dem Sprechen und der Sprache. Also das Sprechen ist eben die Ausformung der Buchstaben, wie forme ich ein Bö, ich muss meine Lippen zusammenpressen und dann platzen lassen, ich muss einen gewissen Luftstrom durch den Mund schicken, ich brauche meine Zunge und meine Lippen dazu, das ist das Sprechen, also wie forme ich das und auf der anderen Seite die Sprache, das ist so der Kontext, also wie verwende ich Worte, wann verwende ich sie, wie kombiniere ich sie und was drücke ich mit Sprache aus und wenn das Kind eben Sprechen lernt, also wenn ich dem Kind beibringe, das Wort blau zu sagen, ist das toll und schön, das Kind kann dann dieses Wort formen, aber es kann vielleicht mit diesem Wort noch überhaupt nichts anfangen und versteht gar nicht, was das bedeutet oder wie es dieses Wort einsetzen kann und das Ziel, was wir in der Logopädie verfolgen und was die Eltern eben auch verfolgen, sie wollen, dass ihr Kind sprechen lernt und Sprache verstehen lernt, das heißt wir wollen vielmehr, dass das Kind, zum Beispiel wenn die Mama sagt, welches T-Shirt magst du heute anziehen, dass das Kind sagen kann, das ist blau und dadurch eben der Alltag vereinfacht und besser wird, einfach das Kind sich wieder selbstwirksam fühlt und ausdrücken kann und die Eltern wissen, was das Kind möchte und braucht, also das ist so ganz ganz wichtig immer mitzudenken, wie kann denn das Kind die Wörter, die es lernt auch einsetzen? Das heißt verstehe ich das richtig, dass das Kind lernen muss, was der Sinn von Sprache ist? Ja genau, was ist der Sinn von Sprache und dass ich auch das Wort blau in verschiedenen Kontexten einsetzen kann, genau, also dass dieses Wort einen Sinn hat, der nicht nur auf das blaue T-Shirt in meinem Schrank zutrifft, sondern auf alles blaue, was ich so in meiner Umwelt sehe und ich kann dieses Wort dann immer wieder anwenden und so auch in verschiedenen Kontexten üben und verstehen. Sie haben ja bereits erwähnt, dass es beim Thema Sprache viel ums Miteinander geht, deshalb wollen wir uns nun dem Thema der Interaktion genauer zuwenden. Manchmal erscheint es uns als würden Kinder mit Autismus sprachlicher Äußerungen andere unangenehm empfinden oder als würden sie nicht sprechen wollen. Wie genau gestalten Sie die Kommunikation mit einem Kind, damit es Sprache als etwas Positives erlebt? Ja genau, also das ist ein ganz ganz wichtiger Punkt, wie erlebt das Kind Sprache als freudvoll und nicht als unangenehm oder ich kann gar nicht verstehen, was da los ist, ich kann das gar nicht so richtig wahrnehmen und auch für die Eltern. Wie kann ich Eltern begreifbar machen, jetzt für mich als Therapeutin, dass es nicht darum geht, dass das Kind nicht will und Sprache als unangenehm wahrnimmt, sondern dass es nur noch nicht den Zugang gefunden hat. Also ich agiere da in der Therapie häufig so ein bisschen als Übersetzerin. Eltern beschreiben mir das so, dass das so eine Lücke ist zwischen Kind und Eltern. Irgendwie kommen sie da nicht aneinander ran. Also die Eltern merken, das Kind zieht sich zurück, reagiert vielleicht gar nicht auf den Namen, wenn sie es rufen oder lassen die Eltern irgendwie nicht mitspielen, bewegt dann Sachen hin und her und die Eltern wissen nicht, wie sie an das Kind rankommen und ich versuche ihnen dann immer zu zeigen, wie sie in dieses Spiel einsteigen können, damit sie diese Beziehung wieder annähern können, Eltern und Kind. Und das passiert eben über das Ansetzen am Interesse des Kindes und am Entwicklungsstand des Kindes. Das heißt, dieses freudvolle Spielen ist ein ganz ganz wichtiger Schlüssel, um Eltern und Kind wieder zusammenzubringen oder sich wieder besser annähern zu können. Das heißt, in der Therapie arbeiten wir ganz viel im interaktiven Spiel, also im gemeinsamen Spiel. Ich bin auch ein ganz großer Fan davon, dass die Eltern dabei sind, damit sie das auch erleben sehen können und mit dabei sein können. Das heißt, ich stelle mal fest, wo steht das Kind in seiner Sprachentwicklung und passe dann mein Verhalten diesem Stand an und folge sozusagen dem Kind. Also ich sehe, das Kind interessiert sich zum Beispiel sehr für die Autos im Therapieraum und fährt mit denen hin und her. Das heißt, ich beobachte erstmal, okay, das Kind hat schon eine Vorstellung davon, was man mit einem Auto machen kann. Man kann damit hin und her fahren und steige damit ein. Ich nehme mir selber auch ein Auto und fahre damit auch hin und her und weiß dann schon, okay, das Kind ist gerade mit dem Fokus beim Auto. Das gefällt ihm, es hat Spaß dran, macht ihm Freude. Es ist sehr motiviert, da weiterzumachen. Es bleibt dabei. Es hat die Aufmerksamkeit ganz da. Und jetzt versuche ich mit einzusteigen und die Aufmerksamkeit über dieses Auto hin und her schieben, was wir da gemeinsam machen, auch auf die Personenwelt rüber zu bringen, also diese Brücke zu schlagen. Das Kind sieht, oh, die macht genau das Gleiche wie ich. Das ist irgendwie cool. Das ist witzig. Ich kann nämlich einfach so weitermachen wie bisher. Ich bin nicht überfordert, aber ich bin jetzt auch nicht mehr alleine. Da ist jetzt noch jemand und ich bringe dann neue Ideen ein als Therapeutin. Also ich habe vielleicht dann ein Geräusch dazu, Brrr, wenn das Auto hin und her fährt, was das Kind toll finden könnte. Oder ich schicke dieses Auto dann durch eine Röhre und es saust ganz schnell durch und das Kind sieht das, findet es toll und versucht dann da auch wieder mitzumachen. Also natürlich ist es immer so ein Ausprobieren, aber wir versuchen immer, am Interesse des Kindes anzusetzen und eben der Führung des Kindes zu folgen. Das heißt, Sie versuchen herauszufinden, welche Interessen das Kind hat und dann versuchen Sie Sprache in das gemeinsame Spiel mit einzubringen? Ja genau. Das ist immer so die Brücke, also dieses Interesse des Kindes, ist die Brücke dazu, es auch dazu zu motivieren, Sprache zu lernen. Und genau deswegen baue ich Sprache mit ein. Aber wie schon gesagt, immer auf dem Stand, wo das Kind ist. Das heißt, es könnte sein, dass ich erstmal nur mit Lauten einsteige und eben mit Lauten begleite, was das Kind macht. Also mit diesem Hui zum Beispiel ist schon ein erster Laut dabei. Es muss noch gar nicht irgendwie das Auto fährt durch die Röhre oder schau mal, wo das Auto jetzt fährt sein. Genau. Also ist es wichtig, mit Kindern zu sprechen, auch wenn diese nicht sprechen? Häufig ist es für die Eltern im Alltag sehr schwierig, wenn das Kind eben nicht spricht und sehr für sich ist und sehr viel alleine spielt, trotzdem motiviert zu bleiben, mit dem Kind in Interaktion zu treten. Also es passiert häufig, dass sich die Eltern zurückziehen, eher verstummen, eher stiller werden, weil eben vom Kind wenig zurückkommt. Und das Kind an sich ist eben auch stiller und zurückgezogener. Das heißt, es entsteht auf beiden Seiten so ein Rückzug. Aber es ist ganz, ganz wichtig, dass Eltern eben aktiv bleiben und dem Kind trotzdem diesen Input, also diese Sprache im Alltag anbieten. Und wir empfehlen da besonders Dinge, die das Kind macht, die Bewegungen, die das Kind macht, zu kommentieren und zu beschreiben auf einem sehr einfachen Level, also besonders langsam, wenig und einfach und sehr betont. Und eben darf alles sein von Lauten, einzelnen Wörtern, Tiergeräuschen, was auch immer einem einfällt, aber trotzdem das Angebot zu machen. Schau mal, Sprache ist spannend und kann das Spiel noch lustiger und toller machen. Sie haben ja schon erwähnt, dass es bei Ihnen wichtig ist, die Eltern in die Therapie mit einzubeziehen. Wie kann ich mir das vorstellen und warum ist das so relevant? Ja, die Anbeziehung der Eltern ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt in der Therapie, weil die Eltern die Experten für ihr Kind sind. Sie kennen das Kind am allerbesten und sie verbringen jeden Tag mit dem Kind so viel Zeit und sie wissen einfach so viel über ihr Kind. Und dieses Wissen ist etwas ganz, ganz Wichtiges und Besonderes und das habe ich als Therapeutin nicht. Ich sehe das Kind meist nur einmal die Woche oder vielleicht zweimal die Woche, je nach dem, und das ist nur so ein kleiner Ausschnitt. Was ich aber als Therapeutin habe, ist das theoretische Wissen oder das Wissen um die Sprachentwicklung bei autistischen Kindern und das Wissen um die Spielentwicklung. Das heißt, in der Therapie, wenn die Eltern daran teilnehmen, dann kann so ein Austausch an Wissen stattfinden. Also die Eltern erzählen mir von zu Hause, von Interessen des Kindes, von Vorlieben des Kindes oder Dinge, die ganz besonders schwierig sind und Stolpersteine so im Alltag mit dem Kind. Und ich überlege mit dem theoretischen Wissen, was ich habe, welche Tipps und Unterstützungsmöglichkeiten kann ich den Eltern an die Hand geben, die ihnen wirklich etwas bringen und die den Alltag für Eltern und Kind erleichtern. Weil, wie schon gesagt, jedes Kind ist anders und jedes Kind im Autismus-Spektrum hat ganz andere Bedürfnisse und steht auf einem ganz anderen Entwicklungslevel. Das heißt, es ist ganz wichtig herauszufinden, was bei dieser Familie wichtig ist. Das heißt, alle Bezugspersonen, die das Kind hat, sind Teil der Therapie sozusagen. Gibt es dann quasi so Hausübungen? Also ist es wichtig, dass die Eltern die Inhalte aus der Therapie auch zu Hause üben? Ja, genau. Also meistens läuft das so ab, dass wir in der Therapie etwas Neues lernen oder dass die Eltern da etwas Neues erfahren, das dann mit nach Hause nehmen und im Alltag ausprobieren. Das heißt, ich habe ganz oft so Beobachtungsaufträge an die Eltern. Schauen Sie mal, wie spielt das Kind zu Hause mit dem Wissen, was sie dann bekommen haben, über zum Beispiel das symbolische Spiel. Also verwendet das Kind zum Beispiel schon in der Puppenküche den Backofen, schiebt da die Pizza hinein und holt sie wieder raus, schneidet sie auf und serviert sie. Das wäre ein symbolisches Spiel. Oder spielt das Kind vielleicht noch sehr funktional, öffnet zum Beispiel immer nur den Backofen und schließt ihn wieder in der Puppenküche. Und die Eltern lernen dann, okay, da gibt es einen Unterschied, funktionales Spiel, symbolisches Spiel und gehen dann mit diesem Wissen nach Hause und beobachten dann das Kind und sehen dann, okay, das ist noch im funktionalen Spiel, das ist der Stand der Dinge. Und dann lernen wir eine neue Strategie, zum Beispiel, wie wir sprachlich begleiten können. Das Kind macht immer Dinge auf und zu. Das heißt, wir sagen jetzt auch immer auf und zu. Und die Eltern nehmen dieses Wissen wieder mit nach Hause und probieren das dann eine Woche lang aus und sehen dann vielleicht schon kleine Veränderungen, Fortschritte oder erzählen wir dann einfach beim nächsten Mal in der Therapie, wie das gelaufen ist. Wie kann man sich als Elternteil nun eine Logopädieeinheit für ein Kind im Autismus-Spektrum vorstellen, das nicht spricht? Können Sie uns da vielleicht Beispiele für Übungen sagen, die Sie in der Therapie verwenden? Wir binden häufig Bücher in unsere Therapie mit ein, weil die einfach sehr, sehr viel anbieten. Also gerne verwenden wir Wimmelbücher, da sind ganz, ganz viele Bilder auf einer Seite und so kann das Kind uns schnell zeigen, was interessiert mich denn von diesen vielen Dingen. Zum Beispiel, wenn auf einer Seite da ein Feuerwehrauto ist und das Kind zeigt zum Beispiel immer nur auf dieses Feuerwehrauto oder schaut immer nur auf dieses Feuerwehrauto und der Rest von dieser Wimmelbuchseite ist total uninteressant, dann kann ich schnell herausfinden, ah ok, da gibt es ein ganz spezifisches Interesse und kann dem Kind dann schon einen Laut dazu anbieten. Tatü, tatah und dann die Feuerwehr ist da oder Feuerwehr, einfach dieses Wort oder WUMM, die fährt vorbei, die fährt schnell, also da gibt es einfach ganz, ganz viele Ideen dazu, wie man das sprachlich begleiten kann und das Kind hat eben schon Interesse und Freude und merkt eben, das wird aufgegriffen. Das heißt Bücher mit den Kindern anzuschauen kann ein sehr wertvoller Aspekt in der Therapie sein und ist auch für die Eltern zu Hause gut umsetzbar. Jetzt ist es aber so, dass Eltern oft die Erfahrung machen, dass das Kind kein Interesse für das Buch zeigt, weil es eben noch nicht gewöhnt ist, Bilder anzuschauen und die Wörter, die die Mama dazu erzählt, eigentlich noch nicht so gut versteht oder noch nicht genau weiß, was sie damit meint und wir in der Therapie üben dann eben mit den Eltern zusammen, wie kann ich das Buch für das Kind erfahrbar machen und da bieten sich zum Beispiel Klappbücher gut an, also wo verschiedene Dinge im Buch versteckt sind, das kann man auch selber basteln mit so Post-its, einfach Dinge verstecken, wo man schon weiß, das interessiert das Kind besonders gut, besonders und dann, wenn das Kind eben diese Klappe aufmacht, ein Geräusch dazu machen, also zum Beispiel Oh-Oh, wenn sich da zum Beispiel ein Tier versteckt oder das Tiergeräusch dazu machen oder dann das Tier auch zu benennen und der Fokus und die Aufmerksamkeit ist beim Kind, bei diesen Klappbüchern besonders groß, weil in diese Überraschungseffekt da ist oder dieses, ich schaue da mal nach, was da drunter ist, ist eine sehr natürliche oder etwas, was Kinder sehr häufig und sehr gut verstehen. Was ganz wichtig ist, ist eben, dass die Sprache für das Kind im Spiel erfahrbar ist, also aufnehmbar ist. Wenn ich also ganz, ganz viel, ganz, ganz viele Sätze ganz schnell anbiete, dann kann das Kind das noch nicht wahrnehmen und deswegen daraus auch nichts lernen. Das heißt, den Input anzupassen, ganz spezifisch auf die Bedürfnisse des Kindes, ist einmal so das erste Wichtige und wenn ich eben merke, das Kind spricht noch ganz, ganz wenig, dann sind es noch ganz, ganz wenige Worte, also zum Beispiel beim Spiel mit dem Wasser, das Kind hat zum Beispiel kleine Wassertiere und lässt die ins Wasser plumpsen und ich begleite das erstmal nur mit Platsch und dann später auch mit Platsch, das fällt ins Wasser oder ist das Wasser oder das Wasser spritzt, also ich kann das so variieren, wie das für das Kind aufnehmbar ist. Genau, also diese spezifische Abstimmung der Worte oder der Laute ist ganz, ganz wichtig. Ich kann auch visuelle Helfer dazu nehmen, das bedeutet, dass ich immer etwas, was ich sage auch sichtbar mache, also dass es auch sichtbar ist, was ich damit meine, dass ich zum Beispiel Abbildungen mit in das Spiel integriere von Dingen, die das Kind neu lernen soll oder Gegenstände ja immer zeige oder hochhalte, damit das Kind ganz genau weiß, welches Wort mit welchem Gegenstand oder mit welchem Bild verbunden ist. Und was auch ganz, ganz wichtig ist, ist das häufige Wiederholen im Spiel, also dass ein Kind nicht eine Spielhandlung nach der anderen erlebt und kennenlernt, das ist oft viel zu viel. Wir sehen oft, dass Kinder zum Lernen ganz, ganz viele Wiederholungen brauchen und den gleichen Ablauf immer und immer wieder machen wollen und das ist sehr, sehr gut, weil so kann ich ein Wort nicht nur zehnmal anbieten, sondern hunderte Male, immer wieder und das ist total okay. Und ich möchte auch Eltern ermutigen, dass es nicht immer dieses perfekte Spiel sein muss, was wir irgendwie so im Kopf haben, also mit der Prio-Bahn, da muss der Zug jetzt im Kreis fahren und der Schrank muss auf und zu gehen, das ist so und wir halten daran fest, nein, das Kind kann diese Gegenstände auch total anders verwenden, wie es für das Kind gerade passt und wenn wir dann halt gemeinsam den Schrank auf und zu machen und der Zug vielleicht noch gar nicht so interessant ist und noch gar nicht mitfährt, ist das auch okay. Das Spiel kann ganz viel sein und ist ganz individuell und braucht gar keine bestimmten Materialien oder bestimmten Abläufe, sondern wir schauen einfach, was ist für das Kind gerade gut und macht Spaß. Bei Kindern, die nicht selbst spontan sprechen, gibt es ja verschiedene Hilfsmittel als Brücke zur gesprochenen Sprache. Fachpersonen sprechen auch von der unterstützten Kommunikation. Können Sie uns nur einen groben Überblick darüber geben, was man unter sogenannten unterstützten Kommunikation versteht und warum diese Hilfsmittel oft angewandt werden? Die unterstützte Kommunikation ist eben eine Brücke zur gesprochenen Sprache, das haben Sie jetzt schon gut in der Frage vorformuliert. Das bedeutet eben, dass ein Kind, das noch nicht sprechen kann, erst einmal eine Hilfe bekommt, um in die gesprochenen Sprache zu bekommen. Diese Hilfe wird aber mit der Zeit wieder abgebaut. Also das Ziel ist eben, dass das Kind dann trotzdem verbale Sprache, also gesprochene Sprache anwendet, um zu kommunizieren. Also diese Hilfsmittel können sein, zum Beispiel ein Tablet, da gibt es so Sprachprogramme, wo das Kind zum Beispiel auf einen Button drücken kann, wenn es zum Beispiel auf die Toilette muss. Und das Tablet hat dann eben ein Bild, wo die Toilette abgebildet ist und sagt dann, also dieses Tablet spricht dann, ich muss auf die Toilette und die Eltern wissen Bescheid und können das Kind begleiten. Und das Kind merkt eben, oh, ich habe da eine Möglichkeit, mich mitzuteilen, meine Bedürfnisse mitzuteilen, obwohl es eben noch keine Wörter verwenden kann. Unterstützte Kommunikation kann aber auch zum Beispiel, können auch Bilder sein, also dass das Kind zum Beispiel eine Mappe hat mit verschiedenen Bildern, zum Beispiel eben auch wieder ein Bild von der Toilette und das Kind kann dem Elternteil dann dieses Bild reichen, um den Eltern verständlich zu machen, ich muss auf die Toilette. Oder unterstützte Kommunikation kann auch gestig sein, das heißt, manchen Kindern bringen wir auch bei, Gesten zu verwenden für bestimmte Wörter, also zum Beispiel kann das Kind dann jedes Mal, wenn es aufs Klo muss, mit der Hand auf den Bauch tippen und der Elternteil oder je nachdem, eine Bezugsperson weiß dann Bescheid, das Kind muss jetzt aufs Klo. Wenn das Kind dann sich so selbstwirksam erlebt, also ich kann mit den Menschen in meiner Umgebung kommunizieren, kann mich ausdrücken, kann eben diese Bilder reichen oder mein Tablet verwenden, dann ist das für das Kind schon so die erste, oder eine gute Hilfe zu sehen, ja ich nehme daran teil an dieser Personenwelt, ich bin damit dabei und ich kann mich mitteilen, das ist sehr schön und ich wiederhole das auch immer und immer wieder und finde da über diesen Weg ganz häufig auch Wörter zu verwenden. Denn auf Dauer ist es schon anstrengender, immer das Tablet zu holen und auf das Bild zu drücken und das Tablet dann für sich sprechen zu lassen, als vielleicht selber schon, ja, pipi zu sagen, zum Beispiel wenn es aufs Klo muss. Und wenn es das kann, dann wird es das auch auf jeden Fall so machen, weil das viel praktischer und einfacher ist. Das heißt, wir schlagen da eine Brücke oder geben da dem Kind einfach eine Hilfe an die Hand, um das dann ja besser umsetzen zu können. Zum Thema Sprachförderung, viele Kinder wachsen in einem Haushalt mit mehreren Sprachen auf. Wie sehen Ihre Empfehlungen bezüglich Mehrsprachigkeit und Kindern im Autismus-Spektrum aus? Die Empfehlung für Kinder, die in einem mehrsprachigen Haushalt aufwachsen sind, egal ob ein Kind mit Autismus oder ein Kind, das sich typisch entwickelt, genau gleich. Also es wird empfohlen, dass es, also nach dem Credo, eine Person eine Sprache vorzugehen. Das heißt, dass die Mama, auch wenn sie jetzt zum Beispiel Farsi und Deutsch spricht, immer dieselbe Sprache wählt, mit dem Kind zu kommunizieren. Und am allerbesten die Sprache, in der sich die Person am sichersten fühlt und am wohlsten fühlt. Das heißt, wenn die Muttersprache Farsi ist, dann wird es empfohlen, mit dem Kind auch Farsi zu sprechen, denn nur so kann man seine Gefühle und alles ausdrücken und dem Kind verständlich machen. Und das Kind lernt eben dann gleichzeitig zwei verschiedene Sprachen. Das ist aber für das Kind möglich und in Ordnung. Und die verzögerte Sprachentwicklung bei Kindern mit Autismus-Spektrumstörung hat eben keinen Zusammenhang damit, dass eben zwei Sprachen gleichzeitig gelernt werden. Also das ist sozusagen nicht schuld daran, dass die Sprache verzögert ist, sondern ist einfach ein Teil der Sprache in dieser Familie. Und das ist gut und in Ordnung so. Wir haben nun einiges gehört über Kinder, die nicht sprechen. Aber es gibt ja auch Kinder im Autismus-Spektrum, die in der Lage sind, in Worten oder Sätzen zu sprechen. Was üben Sie mit diesen Kindern und können Sie uns hier einige Beispiele nennen? Ja genau, es kommen eben auch viele Kinder in die Therapie, die schon fortgeschrittener sind in der Sprachentwicklung, die eben schon Wörter oder Sätze sprechen. Und da werden dann andere Ziele gemeinsam mit den Eltern und mit dem Kind vereinbart. Zum Beispiel kann es eben darum gehen, dass sich die Grammatik weiterentwickelt. Wenn ein Kind zum Beispiel die Sätze noch sehr durcheinanderwürfelt, dann kann daran gearbeitet werden, dass eben das Verb, im Deutschen steht immer in der zweiten Stelle, dass das Verb eben an diese Stelle wandert und dass man diese Strukturen aufbaut. Dann kann es eben auch sein, dass das Kind Sprache noch sehr unflexibel verwendet. Das heißt, dass es zum Beispiel immer den gleichen Satz in einer Situation sagt, der aber nicht ganz eindeutig passt. Ich habe da zum Beispiel, ich denke da gerade an einen Patienten, der dann immer zur Verabschiedung gesagt hat, tschüss und noch ein schönes Wochenende. Und egal ob Wochenende oder Wochentag, und das passt halt nicht so ganz genau. Das heißt, dem Kind dann im Sprachverständnis einfach da mehr Bewusstsein für die feinen Unterschiede in der Sprache zu geben und eben so zu zeigen, dass eben ja Sprache auch etwas flexibles ist und dass sich das in verschiedenen Situationen verändert. Genau, also die ganz verschiedenen Bereiche, Sprachverständnis, Grammatik, Satzbau, Wortschatz, alles kann Teil der Therapie sein und wird eben wieder individuell auf den Sprachstand des Kindes abgestimmt und ausgewählt, an welchem Ziel gearbeitet wird. Können Sie uns zum Abschluss sagen, was das übergeordnete Ziel der Logopädie Ihrer Meinung nach ist? Wann beendet man die Logopädie? Wann ist es genug? Eltern kommen ja häufig in die Lokopädie, weil es eben einen großen Leidensdruck gibt. Also eine Frustration und eine Traurigkeit darüber, dass sie eben nicht mit dem Kind kommunizieren können und das Kind nicht mit ihnen kommunizieren kann. Und es geht darum, in der Lokopädie den Eltern und den Kindern eben diese Werkzeuge an die Hand zu geben, um besser miteinander kommunizieren zu können. Ja, und es geht eben nicht darum, weil es eben oft so einen Perfektionsanspruch gibt, oder? Dass man so denkt, jeder muss perfekte Sätze bilden können und einen riesen Wortschatz haben. Aber dass es eben bei Kindern im Autismus-Spektrum oder bei Kindern, die halt andere Verzögerungen haben, oft irgendwo dann so ein Niveau gibt, wo man sagt, das kommt jetzt total gut im Alltag zurecht. Es kann alles ausdrücken, auch wenn es manchmal noch eine Geste dazu braucht oder wenn der Satz manchmal noch verdreht ist, aber es fühlt sich gut und selbstwirksam und spricht. Und deswegen beschließt man gemeinsam mit den Eltern oder gemeinsam auch mit dem Kind oder Jugendlichen dann, es ist in Ordnung. Es passt so, wie es ist. Und damit sind wir am Ende unserer Folge angekommen. Wie immer darf ich mich im Namen des Autismuszentrum Sonnenschein fürs Zuhören bedanken. Vielen Dank auch an Johanna Fasching für das sehr interessante Interview und die Tipps zum Thema Förderung der Sprache. Und hoffentlich bis zum nächsten Mal.