1
00:00:00,000 --> 00:00:02,000
Alle Zeit der Welt.

2
00:00:02,000 --> 00:00:05,000
Alle Zeit der Welt.

3
00:00:05,000 --> 00:00:12,000
Herzlich willkommen zurück zu Alle Zeit der Welt. Heute zum Thema Natur.

4
00:00:12,000 --> 00:00:15,000
Hallo.

5
00:00:15,000 --> 00:00:23,000
Ich bin hier mit Jonas. Wir hatten einen Gast eingeplant, aber wir machen es jetzt zu zweit. Kein Problem. Kriegen wir hin?

6
00:00:23,000 --> 00:00:27,000
Ja, müsste mit uns vorlieben nehmen, aber das seid ihr ja gewohnt.

7
00:00:27,000 --> 00:00:34,000
Wir haben dieses Naturtema in unserer Folge zu dem Buch von David Kreber und David Van Groh

8
00:00:34,000 --> 00:00:40,000
The Dawn of Everything, A New History of Humanity oder auf Deutsch Anfänge,

9
00:00:40,000 --> 00:00:42,000
eine neue Geschichte der Menschheit.

10
00:00:42,000 --> 00:00:44,000
Dazu haben wir eine Folge gemacht, hört euch die gerne an.

11
00:00:44,000 --> 00:00:53,000
Und dabei haben wir ein bisschen über die große Debatte in der europäischen Aufklärung um den Naturbegriff gesprochen

12
00:00:53,000 --> 00:01:01,000
und wie da die beiden Gegensätze von Hobbes und Rousseau sehr schön ausgearbeitet wurden von den beiden.

13
00:01:01,000 --> 00:01:09,000
Und dabei haben wir uns dann überlegt, dass eigentlich schön wäre, noch eine Folge zu machen, wo wir diesen Naturbegriff,

14
00:01:09,000 --> 00:01:15,000
vielleicht nicht zu ewig, aber etwas ausführlicher wie in der anderen Folge besprechen,

15
00:01:15,000 --> 00:01:23,000
um in dieses sehr unklar definierte Wort Natur, das wir heutzutage in allem benutzen in unserem Alltag,

16
00:01:23,000 --> 00:01:30,000
von den natürlichen Lebensmitteln über die Naturwissenschaften bis zur Natur des Menschen,

17
00:01:30,000 --> 00:01:33,000
ist es in unserem Sprachgegraub überall vorzufinden.

18
00:01:33,000 --> 00:01:39,000
Wir reden die ganze Zeit über die Natur von Dingen und wir sind uns dabei nicht so richtig bewusst,

19
00:01:39,000 --> 00:01:44,000
wie viele verschiedenen Naturbegriffe wir da vielleicht vermischen

20
00:01:44,000 --> 00:01:50,000
und welchen Traditionen, welchen Philosophischen wir vielleicht da anhängen, ohne es zu wissen.

21
00:01:50,000 --> 00:01:56,000
Und in der heutigen Folge soll es ein bisschen darum gehen, die Natur, den Naturbegriff zu definieren,

22
00:01:56,000 --> 00:02:00,000
herauszufinden, was der für eine lange Reise hinter sich hat

23
00:02:00,000 --> 00:02:06,000
und was das für die heutige Debatte über Natur, über Naturschutz zum Beispiel auch bedeutet,

24
00:02:06,000 --> 00:02:11,000
wenn wir uns eigentlich nicht darüber im Klaren sind, was wir mit Natur meinen,

25
00:02:11,000 --> 00:02:15,000
die meiste Zeit, wenn wir darüber sprechen und was die Folgen davon sind,

26
00:02:15,000 --> 00:02:18,000
vielleicht auch für unser Umweltverständnis.

27
00:02:18,000 --> 00:02:24,000
Ich würde am Anfang ganz typisch für unseren Podcast mit der Geschichte aus der Antike anfangen,

28
00:02:24,000 --> 00:02:28,000
kann es ja nicht lassen, immer weit zurück zu greifen,

29
00:02:28,000 --> 00:02:31,000
aber ich fand es bei dieser Naturrecherche sehr spannend,

30
00:02:31,000 --> 00:02:37,000
dass in den verschiedensten Sprachen es Forschung gibt, vom Latrheinischen im Altkriegischen,

31
00:02:37,000 --> 00:02:41,000
aber auch zum Beispiel Forschung über das Chinesische oder das Finische,

32
00:02:41,000 --> 00:02:45,000
wo der Naturbegriff zurückverfolgt wurde zu seinen Ursprüngen,

33
00:02:45,000 --> 00:02:50,000
auch in der Verwendung von der modernen Verwendung und generell.

34
00:02:50,000 --> 00:02:54,000
Tatsächlich ist in all diesen Untersuchungen herausgekommen,

35
00:02:54,000 --> 00:02:58,000
dass der Begriff jünger ist, als man denkt über Raschendjungen in all diesen Sprachen an

36
00:02:58,000 --> 00:03:02,000
und dass das eine Gemeinsamkeit ist, dass dieses Konzept von Natur

37
00:03:02,000 --> 00:03:06,000
nichts uraltes ist in den Sprachen, sondern relativ jung auftaucht.

38
00:03:06,000 --> 00:03:10,000
Und jetzt relativ jung ist natürlich schwer zu sagen, was bedeutet das?

39
00:03:10,000 --> 00:03:15,000
Das bedeutet, dass man meistens in klassischen Texten der jeweiligen Literatur

40
00:03:15,000 --> 00:03:22,000
das erste Mal die Erwähnung findet von Natur als der Gegensatz zu Kultur,

41
00:03:22,000 --> 00:03:29,000
vielleicht als etwas von Menschenlos gelöstes oder auch als etwas, das Teil des Menschen ist, dazu später mehr.

42
00:03:29,000 --> 00:03:35,000
Die klassische Phase ist aber natürlich bei den unterschiedlichen Kulturen, über die wir geredet haben,

43
00:03:35,000 --> 00:03:41,000
zu unterschiedlichen Zeiten. Also die klassische Griechische Literatur

44
00:03:41,000 --> 00:03:46,000
und so ist wann anders, wie die römische Klassik. Die finnische Klassik ist noch mal ganz wann anders.

45
00:03:46,000 --> 00:03:49,000
Wir starten mit den Griechen, wie man das immer so macht in Europa.

46
00:03:49,000 --> 00:03:55,000
Und im Griechischen ist das Wort, das später mit Natur übersetzt wurde,

47
00:03:55,000 --> 00:03:59,000
Fussis basierend auf der Verbalwurzel für Wachsen erzeugen.

48
00:03:59,000 --> 00:04:05,000
Das wird dann abgeleitet ganz früh von der indo-germanischen Wurzel, Boy,

49
00:04:05,000 --> 00:04:10,000
Boy ist auch der Vorgänger des englischen Wortes, to be, also das sein.

50
00:04:10,000 --> 00:04:13,000
Das hat da verschiedene Wege genommen in den verschiedenen Sprachen.

51
00:04:13,000 --> 00:04:18,000
Im Griechischen ist es quasi der Ursprung des Natur-Bortes und...

52
00:04:18,000 --> 00:04:20,000
...denk das sein, die hineinwachsen quasi.

53
00:04:20,000 --> 00:04:26,000
Da zeigen sich auch schon so ein bisschen angelegte Naturbilder in der Ethymologie vielleicht.

54
00:04:26,000 --> 00:04:31,000
Die älteste bekannte Erwähnung in der griechischen Literatur findet sich im Autissau.

55
00:04:31,000 --> 00:04:38,000
Allerdings mit der noch primitiven, nicht gebildeten Naturbedeutung von Erscheinung.

56
00:04:38,000 --> 00:04:41,000
Die Natur von Etwas ist einfach nur, wie es einem erscheint.

57
00:04:41,000 --> 00:04:47,000
Die klassischen Bedeutung scheinen sich dann irgendwann zwischen Herakliet im 6. Jahrhundert vor Christus

58
00:04:47,000 --> 00:04:52,000
und Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christus zu entwickeln.

59
00:04:52,000 --> 00:04:58,000
Also da haben wir so 200 Jahre der großen philosophischen Klassik

60
00:04:58,000 --> 00:05:03,000
und in dieser Zeit sehen wir eine Entwicklung von der einfachen Erscheinung,

61
00:05:03,000 --> 00:05:09,000
wie im Ort Bishuis, zu einem komplexeren Naturbegriff,

62
00:05:09,000 --> 00:05:17,000
der schon diese Zweideutigkeit in sich trägt zwischen dem Prozess des Wachstums von Etwas und den Ergebnissen davon.

63
00:05:17,000 --> 00:05:21,000
Darüber haben sich die Griechen viele Gedanken gemacht.

64
00:05:21,000 --> 00:05:28,000
Wir sehen aber noch nicht diesen klassischen Dualismus, bei der Auftaucht dazu kommen wir gleich.

65
00:05:28,000 --> 00:05:33,000
Der Mensch ist immer noch Teil der Natur gemeinsam mit den Göttern.

66
00:05:33,000 --> 00:05:37,000
Das ist wichtig, im antiken Griechenland zu bemerken.

67
00:05:37,000 --> 00:05:45,000
In Rom haben wir ja viel von den Griechen übernommen und dann auf ihre eigene Weise weiterentwickelt.

68
00:05:45,000 --> 00:05:51,000
Und das ist aber alles ein bisschen später passiert. Die römische Klassik ist später als die griechische.

69
00:05:51,000 --> 00:05:57,000
Das lateinische Wort natura ist in der römischen Geschichte relativ jung

70
00:05:57,000 --> 00:06:05,000
und wurde noch zur Zeit des Terrenns, also im 2. Jahrhundert vor Christus, nur selten verwendet.

71
00:06:05,000 --> 00:06:10,000
Und wenn dann eigentlich immer diese konkreten, auch primitiven Bedeutung,

72
00:06:10,000 --> 00:06:17,000
wie ich es in der Sprachwissenschaft hier gesagt wurde, von Geburt- und Anfangskarakter abgeleitet vom Verb Nascor,

73
00:06:17,000 --> 00:06:23,000
von für Geborenwerden. Also da sehen wir diese direkte Verbindung auch zum Anfangskarakter von was,

74
00:06:23,000 --> 00:06:25,000
von dem Anfang von was, das ist die Natur.

75
00:06:25,000 --> 00:06:30,000
Da haben wir noch sehr, sehr weit entfernt vom modernen Gebrauch und all den Ideen

76
00:06:30,000 --> 00:06:36,000
und komplexen philosophischen Konstruken, die wir indirekt immer mit dem Begriff Natur verwenden, wenn wir ihn einsetzen.

77
00:06:36,000 --> 00:06:45,000
Die klassische Bedeutung wurde dann aus der griechischen Philosophie im 1. Jahrhundert vor Christus in Rom übernommen,

78
00:06:45,000 --> 00:06:51,000
zum Beispiel von Cicero, der dann das genutzt hat, um Wortspiele in seine Reden einzubringen.

79
00:06:51,000 --> 00:06:54,000
Cicero, der wirklich der Jurist in Rom.

80
00:06:54,000 --> 00:07:01,000
Cicero führt dann den klassischen Gegensatz zwischen Natur und Kultur ein,

81
00:07:01,000 --> 00:07:05,000
an dem wir direkt denken, wir werden den Begriff Natur denken eigentlich, das ist Cicero.

82
00:07:05,000 --> 00:07:12,000
In Anlehnung an die griechischen Ideen, die erste, also die Natur hätte ihren ursprünglichen Zustand ohne menschlichen Einfluss

83
00:07:12,000 --> 00:07:19,000
und das zweite, die Kultur ist eben bei Cicero die Aneignung des ersten durch menschliche Gesellschaften.

84
00:07:19,000 --> 00:07:22,000
Und das ist so ungefähr das Natur- und Kulturbild, auf das sich viele Menschen,

85
00:07:22,000 --> 00:07:29,000
das würden uns wahrscheinlich auf einer Basic-Ebene, wenn wir diesen Dualismus aufmachen, einigen könnten, in vielen Fällen,

86
00:07:29,000 --> 00:07:38,000
und das Kultur als das, was nicht von Menschen in Anspruch genommen wurde und die Kultur als der Bereich,

87
00:07:38,000 --> 00:07:42,000
der von Menschen im Beschlag genommen wurde, genutzt wird.

88
00:07:42,000 --> 00:07:48,000
Aber wir sind immer noch ein politisch-weltbild, das heißt die Konsequenzen davon sind auch nicht die,

89
00:07:48,000 --> 00:07:53,000
die wir in unserem modernen Denken haben, denn dafür brauchen wir das Christentum.

90
00:07:53,000 --> 00:08:04,000
Wie immer, alles. Aber ich wollte noch da was hinzufügen kurz, also diesen Gegensatz, den er aufmacht zwischen Natur und Kultur,

91
00:08:04,000 --> 00:08:09,000
dass er auch erst durch diese Wortspielerei entstanden, oder? Hat er das richtig verstanden?

92
00:08:09,000 --> 00:08:16,000
Er hat das in seinen Reden eingesetzt, um Punkt zu machen, um gegenseitig politischen Gegner.

93
00:08:16,000 --> 00:08:25,000
Ja. Und dadurch, genau das waren neue Wortspiele, die sich dadurch ermöglicht haben und die vorhin keiner gemacht hat,

94
00:08:25,000 --> 00:08:32,000
im lateinischen. Und dadurch ist er schon so ein bisschen der Überführer aus dem Krieg,

95
00:08:32,000 --> 00:08:39,000
von so Ideen und der Nutze, aber im römischen Kontext für Politik und um Recht zu haben und um schlaue Wortspiele zu machen,

96
00:08:39,000 --> 00:08:43,000
die Leute beeindrucken. Ich meine, es immer noch seine Piers im Senat beeinflussen.

97
00:08:43,000 --> 00:08:46,000
Ja, dann kommt das Christentum.

98
00:08:46,000 --> 00:08:52,000
Und da ist der eigentliche Wandel ein, den wir wahrscheinlich nicht so ganz präsent haben.

99
00:08:52,000 --> 00:08:58,000
Wenn wir an die Griechen oder an die Römer denken und vielleicht an Natura lesen bei Zizero,

100
00:08:58,000 --> 00:09:05,000
dann setzen wir automatisch oft voraus, dass es sich auch dann mit den gleichen Ideen und weitergehenden Konzepten verbindet,

101
00:09:05,000 --> 00:09:14,000
die wir voraussetzen. Und es ist schwer, sich quasi das zu lesen und es wie ein antiker Leser oder Zuhörer zu verstehen.

102
00:09:14,000 --> 00:09:19,000
Weil selbst wenn es diese Unterscheidung zwischen Natur und Kultur gibt zwischen angeeignet und nicht angeeignet,

103
00:09:19,000 --> 00:09:21,000
ist der Mensch auch nicht getrennt davon.

104
00:09:21,000 --> 00:09:27,000
Selbst die Götter, wie ich schon erwähnt habe, sind im griechischen und römischen Weltbild Teil der Natur,

105
00:09:27,000 --> 00:09:36,000
sind der Natur auf eine Art und Weise auch unterworfen, im perfekte Wesen, die auch auf dem Mount Olymp, Olymp wohnen oder so.

106
00:09:36,000 --> 00:09:42,000
Und die auch Teil quasi von Natur sind, die dafür auch für Naturereignisse verantwortlich sind,

107
00:09:42,000 --> 00:09:46,000
direkt und mit denen assoziiert werden, das ist eine Einheit von Götterkanern und Natur.

108
00:09:46,000 --> 00:09:55,000
Und das wird abgeschafft durch den monotheistischen Gott, der die Natur transzentiert im monotheistischen Kontext

109
00:09:55,000 --> 00:10:00,000
und der den Menschen nach seinem eigenen Bilde geschaffen hat.

110
00:10:00,000 --> 00:10:04,000
Und damit transzentiert der Mensch auf eine Art und Weise die Natur auch.

111
00:10:04,000 --> 00:10:08,000
Er ist die Krone der Schöpfung, wie es im Genes ist heißt.

112
00:10:08,000 --> 00:10:14,000
Von einem Kosmos im Prinzip wurde damit die Natur reduziert zu einem einfachen,

113
00:10:14,000 --> 00:10:18,000
wenn auch großartigen und herrlichen Werkzeug in den Händen Gottes.

114
00:10:18,000 --> 00:10:22,000
Und das ist schon eine ganz schöne Entronung der Natur, wenn man darüber nachdenkt.

115
00:10:22,000 --> 00:10:32,000
Und sie wurde in einem Schritt danach auch noch zum bloßen materiellen Ereignis des menschlichen oder des göttlichen Handelns herabgestuft.

116
00:10:32,000 --> 00:10:35,000
Eine Entronung der Natur, sondern das Gleiche.

117
00:10:35,000 --> 00:10:41,000
Beeinflusst von Platons Dualismus auch, der den Geist über die Materie stellte,

118
00:10:41,000 --> 00:10:48,000
führten dann solche religiösen Vorstellungen im Neoblatonismus dazu zu einer gewissen Verachtung der materiellen Welt.

119
00:10:48,000 --> 00:10:55,000
Was wir so ein bisschen auch knostisch kennen, die ganze Welt ist, eigentlich ein Gefängnis für den Geist,

120
00:10:55,000 --> 00:11:03,000
für die höhere Materie, die hinaus will und quasi zu einem eigentlich göttlichen Ort strebt und hier von der bösen Materie festgehalten wird.

121
00:11:03,000 --> 00:11:09,000
Das wird auch schon darauf zurückgeführt, dass Gott eben nicht mehr in der Natur lebt,

122
00:11:09,000 --> 00:11:15,000
sondern jenseits von ihr zu finden ist und die Natur ist auf eine Art und Weise auch von Gott befreit.

123
00:11:15,000 --> 00:11:19,000
Der Geist Gottes beilt nicht mehr in den Dingen, sondern jenseits von alledem.

124
00:11:19,000 --> 00:11:23,000
Die Natur wurde dementsprechend auch an sich nicht mehr als Heilig angesehen,

125
00:11:23,000 --> 00:11:30,000
sondern eben als Rohstoff, der dem Menschen gegeben wurde, um einen Schritt von der Natur in die Kultur herumzubauen zu können.

126
00:11:30,000 --> 00:11:38,000
Zitat, die Welt wurde dem Menschen gegeben, um die Erde vollmachen und über sie zu herrschen und über alles Lebendige,

127
00:11:38,000 --> 00:11:43,000
dass sich auf die Erde regt, herrschen. Sie sollen euch zur Nahrung dienen, denn es ist 1.28.

128
00:11:43,000 --> 00:11:49,000
Das ist für euch zum Fressen. Euer Vierteldrog kennt euch.

129
00:11:49,000 --> 00:11:58,000
Der Gedanke wird dann in weiteren, durch Tausende von landwirtschaftlichen Metaphern, also durch Tausende in der Bibel im Alten und im neuen Testament,

130
00:11:58,000 --> 00:12:04,000
unterstrichen, während es eigentlich keine Verweise auf wilde Natur gibt.

131
00:12:04,000 --> 00:12:07,000
Also es wird nicht über die Natur geredet.

132
00:12:07,000 --> 00:12:11,000
Wir sehen, was man aus hier machen kann.

133
00:12:11,000 --> 00:12:14,000
Wir sehen, dass es ein Bild von Landwirten auch.

134
00:12:14,000 --> 00:12:24,000
Das sind da, das sich da dann projiziert von Bronze zeitlichen Landwirten, aus einem Alten Testament in dem Fall, oder Hirten.

135
00:12:24,000 --> 00:12:31,000
Und das wird dann wieder zurückgespiegelt, dieses sehr spezielle Naturbild mit diesem monotheistischen, losgelösten Gott.

136
00:12:31,000 --> 00:12:35,000
Und wird durch den Neoblatonismus nochmal verstärkt, auch in eine Art und Weise.

137
00:12:35,000 --> 00:12:41,000
Und dann hast du auch einmal die Trennung, nicht nur das Menschen von der Natur, sondern auch der Götter, was sich sehr spannend fand.

138
00:12:41,000 --> 00:12:45,000
Wir reden ja oft über die Entronung des Menschen, die dann später passiert ist.

139
00:12:45,000 --> 00:12:49,000
Der Mensch aus dem Christel, der war im Zentrum der Welt, der war das Geschwindel.

140
00:12:49,000 --> 00:12:52,000
Diese Entronung wird oft beschrieben mit der Moderne.

141
00:12:52,000 --> 00:12:56,000
Dass wir rausgefunden haben, wir sind nicht mehr das Zentrum, tatsächlich die Erde nicht das Zentrum der Welt.

142
00:12:56,000 --> 00:12:58,000
Da wird quasi Schritt für Schritt der Mensch entronen.

143
00:12:58,000 --> 00:13:04,000
Dann kommt David, dann sagt der Mensch nicht mehr die Krone der Schöpfung, sondern es ist nur ein Ergebnis von Evolution und so weiter.

144
00:13:04,000 --> 00:13:07,000
Aber das ist eigentlich die Folge davon.

145
00:13:07,000 --> 00:13:12,000
Erst wurde die Natur entronen und der Mensch hat sie dahin gesetzt und dann haben wir später den Menschen entronen im nächsten Schritt.

146
00:13:12,000 --> 00:13:18,000
Das ist die Vorstufe, die wir hier sehen, so im Ruhmitteleiter und in der Spätantike.

147
00:13:18,000 --> 00:13:25,000
Die christlichen Evangelien haben dann diese Version auch noch ihre eigene Tendenz hinzugefügt.

148
00:13:25,000 --> 00:13:33,000
Also diese ursprünglich jüdisch geprägten Idee von Natur, die dann im Christentum nochmal verändert wurde.

149
00:13:33,000 --> 00:13:40,000
Weil das wahre Leben des Menschen im Gegensatz zum Judenpum nicht mehr in der materiellen Welt liegt, sondern ins Reich Gottes verlegt wird.

150
00:13:40,000 --> 00:13:47,000
Also tatsächlich ist das ja auch nicht nur gnastisch, sondern auch in den endenden Evangelien selbst angelegt.

151
00:13:47,000 --> 00:13:54,000
Und damit war der Weg frei in Europa, ganz vorkürz gesagt, zu einem uneigmen Übungsprozess der Natur,

152
00:13:54,000 --> 00:14:00,000
der dann seinen Höhepunkt im Kolonialismus oder im protestantischen Kapitalismus erreicht hat.

153
00:14:00,000 --> 00:14:07,000
Das Naturbild wurde natürlich eine Aufklärung, die wir besprochen hatten, dann hinterfragt und diskutiert.

154
00:14:07,000 --> 00:14:13,000
Aber im Endeffekt geht unser Naturdenken immer noch auf diesen Bruch zurück.

155
00:14:13,000 --> 00:14:20,000
Wenn wir an Natur denken, sind wir immer noch in diesem Wandel der Begriffe gefangen auf eine Art und Weise.

156
00:14:20,000 --> 00:14:25,000
Also wir leben ja mit der Folge von dieser Veränderung des Naturgels.

157
00:14:25,000 --> 00:14:27,000
Ja, immer noch.

158
00:14:27,000 --> 00:14:29,000
Und mit all den Konsequenzen.

159
00:14:29,000 --> 00:14:36,000
Und wenn es uns dessen ist, aber nicht zu unbedingt bewusst habe ich den Eindruck, wo das herkommt oder dass es auch mal anders war.

160
00:14:36,000 --> 00:14:43,000
Hast du von When-Grow und Kraber die Zitate rausgesucht?

161
00:14:43,000 --> 00:14:50,000
Weil hier geht es eher um die menschliche Natur bei den Zweien, wenn wir ehrlich sind.

162
00:14:50,000 --> 00:14:56,000
Aber spielt natürlich, also ja, da ist wieder so die Begrifflichkeit Natur.

163
00:14:56,000 --> 00:15:06,000
Ich werde einfach mal kurz die Zitate abgeben zu Huso und Hobbes und ihrem Geschichts- und Menschenbild,

164
00:15:06,000 --> 00:15:08,000
bzw. Naturbild.

165
00:15:08,000 --> 00:15:12,000
Finden wir in Anfänge, Seite 14, 15.

166
00:15:12,000 --> 00:15:20,000
Die populäre Version dieser Geschichte ist heute vermutlich irgendeine aktualisierte Fassung von Jean-Jacques Houssot 1754

167
00:15:20,000 --> 00:15:26,000
geschriebener Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen.

168
00:15:26,000 --> 00:15:35,000
Einst, so heißt es in der Geschichte, waren Jäger und Sammler, die in kleinen Gruppen in einem anhaltenden Zustand kindlicher Unschuld lebten.

169
00:15:35,000 --> 00:15:41,000
Diese Gruppen waren egalitär und das war genau deshalb möglich, weil sie so klein waren.

170
00:15:41,000 --> 00:15:48,000
Erst mit der neolitischen Revolution, je nach Region vor 10.000, teilweise schon vor 20.000 Jahren,

171
00:15:48,000 --> 00:15:58,000
begann und noch mehr mit dem Aufstieg der Städte ging dieser glückliche Zustand zu Ende und wurde von der Zivilisation und dem Staat abgelöst.

172
00:15:58,000 --> 00:16:05,000
Dies brachte auch Dessertatur, Wissenschaft und Philosophie hervor, aber zugleich kam auch fast alles Schlechte in die Welt.

173
00:16:05,000 --> 00:16:12,000
Das Patriarchat, stehende Heere, Massenhinrichtungen und nervige Bürokraten, die von uns verlangen,

174
00:16:12,000 --> 00:16:18,000
dass wir den größten Teil unseres Hedens damit verbringt, von Moulare auszufüllen.

175
00:16:18,000 --> 00:16:26,000
Das Problem ist nur, dass jeder, danach eine Alternative zu diesem doch recht deprimierenden Geschichtsbild sucht,

176
00:16:26,000 --> 00:16:30,000
schnell feststellen wird, die einzig verfügbare ist sogar noch schlimmer.

177
00:16:30,000 --> 00:16:34,000
Wenn nicht Jean Chacruseau, dann Thomas Hobbes.

178
00:16:34,000 --> 00:16:40,000
1651 erschien die Erstausgabe des Leviathan von Thomas Hobbes.

179
00:16:40,000 --> 00:16:44,000
Dieses Buch ist in vieler Hinsicht der Gründungstext der modernen politischen Theorie.

180
00:16:44,000 --> 00:16:47,000
Im Zufolge sind die Menschen selbstzüchtige Wesen.

181
00:16:47,000 --> 00:16:56,000
Deshalb war ihr Leben auch im Urzustand keineswegs unschuldig, sondern einsam, armselig, scheuslich, tierisch und kurz.

182
00:16:56,000 --> 00:17:01,000
Eigentlich herrschte ein Kriegszustand, jeder kämpfte gegen jeden.

183
00:17:01,000 --> 00:17:08,000
Wenn es aus diesem finsteren Urzustand irgendeinen Ausweg gab, so war dieser, wie ein Schüler von Hobbes argumentieren würde,

184
00:17:08,000 --> 00:17:14,000
zum größten Teil jenen repressiven Institutionen zu verdanken, über die sich so beschwerte.

185
00:17:14,000 --> 00:17:20,000
Regierungen, Gerichte, Bürokratien und Ordnungskräfte.

186
00:17:20,000 --> 00:17:26,000
Die menschliche Gesellschaft beruht demnach auf der kollektiven Unterdrückung unserer niedrigeren Instinkte.

187
00:17:26,000 --> 00:17:31,000
Je mehr Menschen an einem Ort leben, umso nötiger wird diese Triebhemd.

188
00:17:31,000 --> 00:17:34,000
Ein heutiger Anhänger von Hobbes würde deshalb argumentieren,

189
00:17:34,000 --> 00:17:38,000
wir hätten tatsächlich, wir haben das größte Teil unserer Entwicklungsgeschichte in kleinen Gruppen gelebt,

190
00:17:38,000 --> 00:17:43,000
die vor allem deshalb zurecht kamen, weil sie ein gemeinsames Interesse am Überleben ihrer Nachkommen hatten.

191
00:17:43,000 --> 00:17:47,000
Selbst diese Gruppen waren jedoch keineswegs auf Gleichheit gegründet.

192
00:17:47,000 --> 00:17:52,000
Vielmehr wurden sie, folgt man dieser Anschau, immer von irgendeinem Alphaman geführt.

193
00:17:52,000 --> 00:17:58,000
Hierarchie, Herrschaft und zynisches Eigeninteresse waren dennach schon immer die Grundlage der menschlichen Gesellschaft.

194
00:17:58,000 --> 00:18:01,000
Nur haben wir kollektiv gelernt, dass es zu unserem Vorteil ist,

195
00:18:01,000 --> 00:18:08,000
wenn wir unseren langfristigen Interessen im Vergleich zu unseren unmittelbaren Instinkten die höhere Priorität einräumen.

196
00:18:08,000 --> 00:18:15,000
Oder besser noch, Gesetze schaffen die uns zwingen, uns negativst in Impulse auf gesellschaftlich mützlichen Gebieten

197
00:18:15,000 --> 00:18:19,000
wieder Ökonomie auszuleben und sie sonst überall zu verbieten.

198
00:18:19,000 --> 00:18:24,000
Ja, die Teile sind sehr schön, weil die zeigen einfach, also zum einen,

199
00:18:24,000 --> 00:18:30,000
dass wir sehr in diesem gegensamtrischen Rousseau der Mensch wandelte, ursprünglich die Natur des Menschen

200
00:18:30,000 --> 00:18:37,000
ist glücklich als Naturkind allein durch den Wald zu wandeln.

201
00:18:37,000 --> 00:18:42,000
Und Hobbes, der sagt, Romo, Hominilupus, der Mensch ist der Mensch und ein Wolf.

202
00:18:42,000 --> 00:18:47,000
Wir müssen im besten Fall uns möglichst streng kontrollieren,

203
00:18:47,000 --> 00:18:53,000
weil sonst verfallen wir einen Urzustand, in dem wir uns alle departuremäßig nur gegenseitig umbringen.

204
00:18:53,000 --> 00:19:04,000
Und zwischen diesen beiden Dualismen sind wir so ein bisschen gefangen und wir sehen, wie sehr der Naturbegriff da in die Politik reingeht

205
00:19:04,000 --> 00:19:08,000
und in den Politikbegriff, weil damit wird er gerechtfertigt, damit wird er argumentiert.

206
00:19:08,000 --> 00:19:16,000
Also im Liwiatan wird er damit, das wird er nicht einfach so behauptet, weil er sich gerne Gedanken über Steinzeitmenschen gemacht hat,

207
00:19:16,000 --> 00:19:25,000
sondern es geht ihm ja darum, eine politische Theorie zu rechtfertigen mit einer eigentlich erfundenen Vorstellung des Menschen.

208
00:19:29,000 --> 00:19:37,000
So, bis hierhin ist mal heute der Cut. Den Rest der Folge könnt ihr euch als Patreon-Unterstützer anhören

209
00:19:37,000 --> 00:19:41,000
oder wenn ihr uns auf YouTube als eine Mitgliedschaft auf YouTube unterstützt.

210
00:19:41,000 --> 00:19:46,000
Wir freuen uns riesig über die Unterstützung, die wir da kriegen, monatlich von allen Leuten

211
00:19:46,000 --> 00:19:52,000
und wollen die natürlich auch ein bisschen belohnen mit Premium-Content.

212
00:19:52,000 --> 00:19:58,000
Und deswegen den Rest der heutigen Folge zum Thema Natur auf Patreon und YouTube-Premium.

213
00:19:58,000 --> 00:20:03,000
Ich will mich einer bedanken bei allen Leuten, die uns dort unterstützen.

214
00:20:03,000 --> 00:20:11,000
Es gibt eine Liste auf Patreon, wo ihr euch eintragen könnt, wenn ihr uns gerne unterstützen wollt und gerne vorgelesen werden wollt,

215
00:20:11,000 --> 00:20:14,000
auch dafür als quasi Producer dieser Show.

216
00:20:14,000 --> 00:20:21,000
Vielen Dank an euch, das macht das Ganze hier irgendwie möglich und der Zukunft bestimmt auch noch möglicher

217
00:20:21,000 --> 00:20:26,000
und hoffentlich mit noch besserem Content. Wir geben unser allerbestes.

218
00:20:26,000 --> 00:20:37,000
Vielen Dank für die Unterstützung an den cooleren Herr Fischer vom Arndt-Beng-Gymnasium, Fanny Dietrich, Freya Stewart, Onkel Didi, Alexi, Katharina, Fernando, Brigitte,

219
00:20:37,000 --> 00:20:47,000
Super Silvi und Le Fardus. Vielen lieben Dank und genau, wir hören uns mit dem Rest auf Patreon oder auf YouTube.

220
00:20:47,000 --> 00:20:52,000
Und ansonsten bis nächste Woche, vielen Dank. Ihr unterstützt uns gerne mit einem Kommentar,

221
00:20:52,000 --> 00:20:59,000
wir wissen das alles sehr zu schätzen und freuen uns auf euch nächste Woche. Bis dann, tschüss!

