1
00:00:00,000 --> 00:00:10,000
Hallo zusammen, herzlich willkommen zurück bei Annes Zeit der Welt.

2
00:00:10,000 --> 00:00:15,000
Ich bin Jonas und ich bin Johannes.

3
00:00:15,000 --> 00:00:16,000
Genau.

4
00:00:16,000 --> 00:00:28,000
Heute haben wir uns ein Thema vorgenommen, dass an den Ihren gehen wird, würde ich behaupten.

5
00:00:28,000 --> 00:00:30,000
Genau.

6
00:00:30,000 --> 00:00:36,000
Deswegen, kleine Content-Warnung heute mal ausnahmsweise ganz vorm Anfang.

7
00:00:36,000 --> 00:00:46,000
Wenn ihr euch nicht besonders gut fühlt kein schweres Thema heute haben wollt, wo es um Massenmord und den Versuch der Vertuschung dieses Massenmords geht,

8
00:00:46,000 --> 00:00:49,000
dann hört euch die Folge einfach mal anders an.

9
00:00:49,000 --> 00:00:57,000
Und vielleicht auch vom Lautsprecher beim offenen Fenster, vielleicht lieber mit Kopfhörern hören, damit nicht der Rest mithört.

10
00:00:57,000 --> 00:00:59,000
Der das nicht hören will.

11
00:00:59,000 --> 00:01:02,000
Genau soviel dazu.

12
00:01:02,000 --> 00:01:05,000
Ansonsten haben wir heute viele Zitate, kann ich schon mal einschieben.

13
00:01:05,000 --> 00:01:17,000
Und ich werde versuchen, wir versuchen bei diesem schwierigen Thema auch die verschiedenen Zitate für sich sprechen zu lassen und die Leute, die besser schreiben,

14
00:01:17,000 --> 00:01:21,000
als wir hier zur Sprache kommen zu lassen, die Experten.

15
00:01:21,000 --> 00:01:23,000
Soviel dazu.

16
00:01:23,000 --> 00:01:33,000
Als die Arbeit getan ist, die Leichen aus den Massengräbern verbrannt und ihre Knochen zermahlen waren, ruft Otto Goldab die Männer zu sich.

17
00:01:33,000 --> 00:01:38,000
Sie sind in Lumpen gekleidet, ihre Gesichter und Hände rußgeschwärzt.

18
00:01:38,000 --> 00:01:42,000
Es ist der Vormittag des 16. Dezember 1943.

19
00:01:42,000 --> 00:01:49,000
Der Schutzpolizist Goldab, gebürtiger Hamburger, lässt die Männer aus ihren Unterkünften treten.

20
00:01:49,000 --> 00:01:55,000
Sie hausen in Halb in die Erde gebauten Barakken, sogenannten Erdbunkern.

21
00:01:55,000 --> 00:02:05,000
Der Polizist erklärt ihnen, sie bekämen jetzt Zeife und ein Handtuch, würden nach Münz gefahren, um dort zu baden und anschließend in die Freiheit entlassen,

22
00:02:05,000 --> 00:02:09,000
für die von ihnen geleistete Arbeit dankte er ihnen.

23
00:02:09,000 --> 00:02:16,000
Ein Dolmetscher übersetzt die Worte des Deutschen, dann erhält jeder der Männer tatsächlich ein Stück Zeife und ein Handtuch.

24
00:02:16,000 --> 00:02:19,000
Ein größerer Lastwagen steht bereit.

25
00:02:19,000 --> 00:02:30,000
Etwa 45 Männer steigen hinein und glauben wohl, alles hinter sich gelassen zu haben, das Ghetto, den Tod der Familienangehörigen, die Sklavenarbeit an den Gräbern.

26
00:02:30,000 --> 00:02:37,000
Sie leben in Mali Trostines, in Weißrussland, einem deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager.

27
00:02:37,000 --> 00:02:45,000
Bis zu 80.000 Menschen haben SS-Männer und Polizisten in den vergangenen zwei Jahren hier erschossen und verscharrt.

28
00:02:45,000 --> 00:02:50,000
Die Flügeltüren werden mit Gewalt zugedrückt, so voll ist der Wagen.

29
00:02:50,000 --> 00:02:55,000
Doch als sich der Laster in Bewegung setzt, strömen Auspuffgase ins Innache.

30
00:02:55,000 --> 00:03:03,000
Die Gefangenen merken, was passiert und schlagen und hemmern an die Wände des Fahrzeugs, das dadurch beinahe umkeppt.

31
00:03:03,000 --> 00:03:08,000
Dann, nach etwa 15 Minuten, erstärben die Schreie und das Klopfen.

32
00:03:08,000 --> 00:03:12,000
Die Türen werden geöffnet und die Leichen fallen heraus.

33
00:03:12,000 --> 00:03:20,000
Blau-rot verfärbt, aufgeschwollen und übersät mit Kratzern und Hematomen, die von einem Todeskraft zeugen.

34
00:03:20,000 --> 00:03:25,000
Otto Goldab seht zu, wie die Leichen aus dem Laster fallen.

35
00:03:25,000 --> 00:03:32,000
Als weitere vier Juden, die Toten zu einem Scheiterhaufen aufrichten und ihn anzünden, müssen auch sie sterben.

36
00:03:32,000 --> 00:03:38,000
Und Goldab selbst lässt es sich nicht nehmen, mindestens einen der Gefangenen selbst zu erschießen.

37
00:03:38,000 --> 00:03:44,000
Keine zwei Jahre später ist aus dem Holocaust-Täter wieder ein Schutzmann geworden,

38
00:03:44,000 --> 00:03:51,000
der im Juni 1945 ordentlich in den Dienst der neu aufgebauten Hamburger Polizei aufgenommen wird.

39
00:03:51,000 --> 00:03:58,000
Keiner will wissen, was er im Osten getan hat. Und fast wäre Goldab sogar davon gekommen.

40
00:04:00,000 --> 00:04:07,000
Das schreibt Per Hinrichs in seinem Artikel über das Urteil im ersten Hamburger Holocaust-Prozess vor mittlerweile 7 Jahren.

41
00:04:07,000 --> 00:04:22,000
Ja, Otto Goldapp wäre fast damit davon gekommen, hätte es nicht einen anonymen Hinweis gegeben.

42
00:04:22,000 --> 00:04:34,000
Also, Otto Goldapp, Max Krahner und Otto Drews sind drei der bekannten SS-Leute von einer Menge von vielen Unbekannten,

43
00:04:34,000 --> 00:04:42,000
die an diesen Verbrechen beteiligt waren und die Zwangsarbeiter ermordeten, wie in einem Eingangs-Zitat beschrieben.

44
00:04:42,000 --> 00:04:49,000
Die Vorgehensweise war sehr gründlich, um alle Mitwissenden zu erschießen.

45
00:04:49,000 --> 00:04:59,000
Doch aufgrund von einem anonymen Schreiben ursprünglich in die Hamburger Generalstaatsanwaltschaft 1966 die Ermittlungen auf.

46
00:04:59,000 --> 00:05:07,000
Die führen zu einem bereits verurteilten SS-Mann, der bereitwillig Auskunft gibt, auch um sich selbst zu entlasten,

47
00:05:07,000 --> 00:05:16,000
über seine ehemaligen drei Kameraden und so beginnt dann am 17. Oktober 1967 der Prozess gegen die SS-Offiziere.

48
00:05:16,000 --> 00:05:26,000
Am 9. Februar 1968 verurteilt sie dann das Land Hamburger Landgericht wegen der Ermordung von 500 Zwangsarbeitern zu lebenslanger Haft.

49
00:05:26,000 --> 00:05:37,000
Die verurteilten hatten allein am 16. Dezember 1943 nahe der polnischen Stadt Biali-Stock 100 Zwangsarbeiter getötet,

50
00:05:37,000 --> 00:05:41,000
indem sie Auspuffgase in zwei umgebauten Lastwagen einleiten ließen.

51
00:05:41,000 --> 00:05:46,000
Zu dieser Tat werden wir am Ende der Folge zurückkehren.

52
00:05:46,000 --> 00:05:59,000
Das werden wir als roten Faden benutzen oder so ein bisschen als Klammer für dieses Geschehen, das ganz am Rande auch in Schindlers Liste auftaucht.

53
00:05:59,000 --> 00:06:02,000
Ich weiß nicht, hast du Schindlers Liste mal gesehen, Jonas?

54
00:06:02,000 --> 00:06:04,000
Ich muss gestehen, habe ich nicht.

55
00:06:04,000 --> 00:06:09,000
Haben wir schon das Thema genannt eigentlich, das Klappen ist, oder kommt das noch?

56
00:06:09,000 --> 00:06:13,000
Ich wollte das jetzt in der Hinleitung über die Szene bei Schindlers Liste machen.

57
00:06:13,000 --> 00:06:16,000
Aber es ist ein guter Hinweis.

58
00:06:16,000 --> 00:06:28,000
Was wir in dieser Szene von Schindlers Liste, die ich gerade gezeigt habe, sehen, ist das Verbrennen von Leichen.

59
00:06:28,000 --> 00:06:35,000
Es wird nur so am Rande in einer sehr sceniastischen Szene dargestellt und nicht weiter erläutert, was da eigentlich passiert.

60
00:06:35,000 --> 00:06:41,000
Aber es ist eine der wenigen Szenen, in denen dieses Thema medial bearbeitet wurde, irgendwie bekannt.

61
00:06:41,000 --> 00:06:56,000
Denn es geht um die Sonderaktion 1005, bei der die drei Erwähnten Otto Goldab, Otto Driffs und Max Schgrane Teil waren als SS-Männer.

62
00:06:56,000 --> 00:07:08,000
Und die Aktion 1005 ist ein Tarnbegriff, der verwendet wurde, um möglichst unauffällig zu erscheinen.

63
00:07:08,000 --> 00:07:17,000
Also tatsächlich einfach nach dem Aktenzeichen der Aktion benannt und war eben der Tarnbegriff für die systematische Vernichtung von Beweisen,

64
00:07:17,000 --> 00:07:26,000
für die Massenmorde der Nationalsozialisten im Zusammenhang mit der Entlösung der Judenfrage in ganz Europa.

65
00:07:26,000 --> 00:07:43,000
Die heutige Folge baut hauptsächlich auf einer Monographie auf, nämlich dem Buch von André Angrick, Aktion 1005, Spurenbeseitigung von NS-Massenverbrechen 1942 bis 1945,

66
00:07:43,000 --> 00:07:59,000
von 2018, was eine grundlegende komplette Aufarbeitung dieses Themas auf 1200 Seiten, also als erste richtig grundlegende große historische Monographie irgendwie aufgearbeitet hat.

67
00:07:59,000 --> 00:08:02,000
Und jetzt eben auch, ist es sechs Jahre alt, ist das Buch.

68
00:08:02,000 --> 00:08:09,000
Und ich habe mir sehr schwer getan beim Lesen, es ist sehr gut geschrieben, nicht deswegen, aber weil das Thema einfach so schrecklich ist,

69
00:08:09,000 --> 00:08:27,000
hatte ich wirklich zu kämpfen mit mir, da mehr als zehn oder zwanzig Seiten am Stück zu lesen, weil ich immer wieder das Buch weglegen musste und dachte, wie unglaublich schrecklich und wie es auch einfach über 1200 Seiten nicht besser wird.

70
00:08:27,000 --> 00:08:33,000
Du fängst an und bist nach Seite 50 komplett fertig und es wird schlimmer.

71
00:08:33,000 --> 00:08:50,000
Ich habe hier ein etwas längeres Zitat von André Angrick aus diesem Buch Aktion 1005, was das Thema der heutigen Folge sehr gut umreist und uns direkt auch einige Fakten liefert.

72
00:08:50,000 --> 00:09:10,000
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die von SS-Standartenführer Paul Blobel geleitete Aktion bzw. Operation 1005, ein Tarnbegriff für einen Teil der sogenannten Endlösung der Judenfrage und für eines der geheimsten Projekte des Dritten Reiches überhaupt.

73
00:09:10,000 --> 00:09:22,000
Der Anfang Januar 1942 ergangene Auftrag bestand darin, sämtliche Spuren der NS-Vernichtungspolitik in deutschbesetzten Europa restlos zu beseitigen.

74
00:09:22,000 --> 00:09:29,000
Das bezog sich auf die damit befassten Schriftstücke, vor allem aber auf die eigentlichen Tatorte.

75
00:09:29,000 --> 00:09:45,000
Konkret bedeutete das, den Massengräber aber auch kleinere Anlagen aufzusuchen, womit nach den Kategorien der Täter Gräber mit 100, 200 oder noch mehr Opfern der mobilen und stationären Mordkommandoes gemeint sein konnten,

76
00:09:45,000 --> 00:09:54,000
die darin befindlichen Leichen völlig zu zerstören, zu Aschezermahlen zu lassen und das jeweilige Areal gärtnerisch zu tarnen.

77
00:09:54,000 --> 00:10:08,000
In den Vernichtungs- und Konzentrationslagern ist die Aktion 1005 eng mit dem industriell betriebenen Massenmord, d.h. der Entwicklung der Gaskammern sowie der Installierung der Krimatorien verbunden.

78
00:10:08,000 --> 00:10:24,000
Die eigentliche, ekelerregende, Psyche- und Körperextrielbelastende Arbeit, das Ausgraben und Ausheben der Leichen, deren physische Vernichtung und die Einrednung der Einlagen, wurde Männern aus den Gethos oder Lagern aufgezwungen,

79
00:10:24,000 --> 00:10:28,000
manchmal auch kräftigen Burschen, die man von der Straße weg verhaftet hatte.

80
00:10:28,000 --> 00:10:42,000
Sie alle galten in den Augen ihrer Wächter aus SS und Polizei fortan als Geheimnisträger, die es spätestens nach dem Ende der jeweiligen regionalen Vertuschungsaktion, ausnahmslos zu ermordengalt.

81
00:10:42,000 --> 00:10:48,000
Am Ende ist so der Plan, gäbe es keine Gräber, keine Leichen und keine Zeugen mehr.

82
00:10:48,000 --> 00:11:00,000
Die eigenen Leute wurden per Schwur zu absolutem, lebenslang am Stillschweigen verpflichtet, sondern junge Bäume, Farmen und Gräser, wo einstmals Schinderstätten waren.

83
00:11:00,000 --> 00:11:15,000
Mit dieser Methode wollte die oberste Führung sicherstellen, dass keine unautorisierte Person oder Institution, sei es im Innen- oder Ausland, die Massenverbrechen verifizieren oder Rückschlüsse auf das staatliche Mordprogramm ziehen konnte.

84
00:11:15,000 --> 00:11:28,000
Ohne konkrete Beweise würden sich entsprechende Anschuldigungen viel leichter als Hirngespinste oder gar bewusst lossierte Kreuepropaganda von Regiengegnern oder Feinstarten abtun lassen.

85
00:11:28,000 --> 00:11:54,000
Der letzte Punkt, der verweist darauf, dass die Aktion 1005 gezielt darauf hingearbeitet hat, so etwas wie Holocaust-Leugnung überhaupt möglich zu machen, indem eben nicht nur die Gräber gezielt enterdet, wie es in dem Schagau hieß, wurden und die Leichen also restlos vernichtet,

86
00:11:54,000 --> 00:12:09,000
sondern dass eben auch Striftstücke, Fotos der Dokumentenweg und andere Sachen ganz gezielt vernichtet wurde, damit es niemandem anderen in die Hände fallen kann, um das aufzudecken.

87
00:12:09,000 --> 00:12:28,000
Ganz kurzer Einschub, warum es wichtig ist, dass wir über dieses Thema reden. Ich habe mich das nämlich selber ein, zweimal gefragt, während ich mich bei der Recherche so gequält habe, aber gerade dass ich mich so gequält habe, ist, denke ich, ein Grund dafür, diese Folge zu machen.

88
00:12:28,000 --> 00:12:50,000
Denn diese Bewahrung der historischen Wahrheit, die die Nazis versucht haben, systematisch zu vertuschen durch diese Schrecken und durch die Aktion, um dem entgegenzuwirken und zu verhindern, dass das nachhaltig Erfolg haben kann, muss man eben über diese Schrecken reden,

89
00:12:50,000 --> 00:13:11,000
auch wenn eigentlich, glaube ich, keiner Spaß daran hat. Ich glaube auch nicht, dass André Angriek so richtig viel Spaß hatte dabei, das Buch zu schreiben, weil es einfach inhaltlich so bedrückend ist, aber man muss trotzdem darüber reden und das irgendwie aufarbeiten und thematisieren, weil sonst die Nazis Erfolg haben mit der Scheiße.

90
00:13:11,000 --> 00:13:32,000
Nur wenn wir das Ausmaß der Schrecken verstehen, können wir die richtigen Lernen aus der Vergangenheit ziehen und verstehen, welchen Mechanismen genuzit oder staatlicher Terror und auch systematische Vertuschungen zugrunde legen.

91
00:13:32,000 --> 00:13:51,000
Das sind ja nicht Sachen, die nur hier passiert sind und von denen wir gefeilt sind, dass die jemals wieder passieren. Also kurz gesagt ist selbst diese schreckliche Erinnerung an die Opfer, eine Erinnerung an die Opfer und mahnt uns eben wachsam gegenüber Entwicklungen in der Gegenwart zu sein.

92
00:13:51,000 --> 00:14:20,000
Nicht nur mit dem Blick, oh, wie schrecklich war, denn das damals, sondern auch mit dem Blick, oh, zu was schrecklich ist, der Mensch den Fähig und wie leicht brechen doch die Grenzen der scheinbaren Kultur zusammen, sobald man sich selber als Opfer sieht und sich selber als das alles als notwendiges Übel stilisiert.

93
00:14:20,000 --> 00:14:37,000
Aber bevor wir zur den Rechtfertigung der Täter kommen können, ein ganz kurzer lückenhafter, unvollständiger Exkurs zur Vorgeschichte der Aktion 1005.

94
00:14:37,000 --> 00:14:51,000
Unser Bild von Holocaust generell ist ja von den Konzentrations- und Vernichtungslagern und vor allem eigentlich den Konzentrationslagern und da eigentlich vor allem dem Bild von Auschwitz bestimmt.

95
00:14:51,000 --> 00:15:00,000
Ich denke, das geht dir sicherlich ähnlich oder das sind die ersten Bilder, die du im Kopf hast, wenn du das Wort Holocaust hörst.

96
00:15:00,000 --> 00:15:16,000
Genau, aber dieses Bild ist ein bisschen unvollständig, weil ein Drittel bis zur Hälfte der im Holocaust ermordeten Menschen durch Erschießungen von mobilen Einsatzgruppen hinter der Front getötet wurden,

97
00:15:16,000 --> 00:15:43,000
Großteilte von Osteuropa und zum Beispiel am 29. und 30. September 1941 in der Nähe von Kiew verübte Babijam-Assacka, wo 33.771, man kennt die Zahl mittlerweile sehr genau, Juden aus Kiew hinausgeführt wurden innerhalb von zwei Tagen an großen Gruben alle erschossen wurden.

98
00:15:43,000 --> 00:16:08,000
Also wir reden von den Auslöschungen von den Populationen von der Kleinstadt innerhalb von zwei Tagen und das war ohne die maschinisierte halbautomatische Vernichtungsmaschinerie mit Gaskammern, wie wird es dann irgendwie in Auschwitz später sehen.

99
00:16:08,000 --> 00:16:31,000
Dieses ständige Morden und Erschießen von Männern, Frauen, Kindern an den Gruben der Einsatzgruppen ging aber auch nicht mental spurlos an den Tätern vorbei und in der SS gab es dann Sorge quasi um die mentale Einsatzbereitschaft der Einsatzgruppen

100
00:16:31,000 --> 00:16:52,000
und es wurden dann von Himmler so etwas wie Unterhaltungsabende verpflichtend eingeführt. Es gab so gewisse sehr fraglich wirkende Maßnahmen um die Massenmörder bei der Stange zu halten, damit sie weiter Massen morden können.

101
00:16:52,000 --> 00:17:00,000
Dieser vielgeleiteten Entwickler galt es in den Augen des Reichsführers SS, RFSS entgegenzurückten.

102
00:17:00,000 --> 00:17:13,000
In einem nächsten Schritt kam es daher zum Einsatz der Gaswagen. Offiziell, weil man den Opfern unnötiges Leiden ersparen wollte, faktisch aber um die nervlich überstrapazierten Schützen zu entlasten.

103
00:17:13,000 --> 00:17:24,000
Nichtsdestotweniger waren bei diesem Vorgehen immer noch zu viele Einheiten wie Einzelpersonen in das Morden involviert und wurden zu Mit Tätern und Mitwisser.

104
00:17:24,000 --> 00:17:44,000
Außerdem trat der gewünschte Effekt nicht ein. Die Gaswagen bedeuteten für die Männer an den Gruben eine noch größere psychische und mit unterauch moralische Belastung, da die Gesichter der Opfer häufig grausam krimassenhaft verzerrt waren, sodass diese ihren Mördern nicht mehr aus dem Kopf gingen.

105
00:17:44,000 --> 00:17:58,000
Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen an der Ostfrontung des Problems, Platz für Zehntausende gefangene Rotarmisten zu schaffen, wurde im Herbst 1941 der Ausbau von Auschwitz-Bürgenau angegangen.

106
00:17:58,000 --> 00:18:12,000
Dem war am 3. September 1941 im Kellergeschoss von Block 11 des Stammlagers eine Probevergasung größeren Umfanges mit Zyklon B an sojettischen Kriegsgefangenen vorausgegangen.

107
00:18:12,000 --> 00:18:30,000
Das ganz kurz auch zu meiner Begriffsverwendung. Ich rede heute von Holocaust hier nicht von Shoah oder so, weil der Holocaust-Caust als Begriff für alle Opfer akzeptiert ist.

108
00:18:30,000 --> 00:18:59,000
Und die Shoah sich jetzt spezifisch auf die jüdischen Opfer bezieht, die den Großteil, die Mehrheit der Opfer, die wir heute besprechen, ausmachen. Aber es gab immer auch wieder die nicht jüdischen Opfer, die polnischen Opfer, die sojettischen Kriegsgefangenen und andere Partisanverfolgungen und so, die hier auch Teil der Leute sind,

109
00:18:59,000 --> 00:19:14,000
die sowohl erst erschossen wurden, als auch dann später enterdet und der Nüberreste dann auch noch vernichtet wurden im Rahmen der Aktion 1000-Uhr-Zwüns.

110
00:19:14,000 --> 00:19:27,000
Noch ein ganz kurzer Abschnitt zur neueren Erfindung, den Versuchen der Deutschen mit mobilen Gaswägen des Ermorden effizienter zu gestalten.

111
00:19:27,000 --> 00:19:39,000
Dezember 1941. In dieser Phase erprobt sich das Sonderkommando auch das in Haukow eingetroffene alternative Mordwerkzeug, den Gaswagen.

112
00:19:39,000 --> 00:20:02,000
20 Menschen wurden damit getötet, doch anscheinend entsprach die neue Methode nicht den Vorstellungen der Kommandoführung von Effizienz, was vor allem daran lag, dass die Leichen mit Kot und Urin verschmutzt waren und die Täter sich davor ekelten. Deshalb setzte man weiterhin auf die etablierte Vorgehensweise, das heißt die Hinrichtung an der Grube.

113
00:20:02,000 --> 00:20:12,000
Nur im Falle von Massenhinrichtungen sollte der Gaswagen zum Einsatz kommen, um die Schützen zu entlasten.

114
00:20:12,000 --> 00:20:41,000
Und während sich die ersten Kriegsjahre bis 1941 keiner so richtig Sorgen darum gemacht hat, was mit Leichen passiert, die man hinterlässt, Ostbeboden nach so Massenerschießungen dann einfach nur dünn eine Kalkschicht und eine Erdschicht auf die Massengräber gestreut, die nach und nach ganz Osteuropa in ein Massengräberfeld tatsächlich verwandelt haben.

115
00:20:41,000 --> 00:21:05,000
Da man am Anfang noch überzeugt war, der Endseek ist sowieso nah, muss man sich natürlich keine Sorgen darum machen, dass man sich irgendwann vor jemandem dafür verantworten muss und man ist natürlich auch der Meinung, dass man noch viel Zeit hat, wenn man den Krieg sowieso gewinnt für alle Massenmord, alle Massenmorde, die man geplant hat in Osteuropa.

116
00:21:05,000 --> 00:21:20,000
42 kippt die Stimmung da langsam ein bisschen und wir sehen generell auch eine Eskalation in den Ressourcen und der Geschwindigkeit des Massenmordes.

117
00:21:20,000 --> 00:21:37,000
Am 20. Januar 42 ist die Wannseekonferenz in Berlin, in der Heidrich den Plan zur Ermordung der europäischen Juden skizziert nochmal konkret, wie soll das alles passieren und das mündet dann in der Operation Reinhardt.

118
00:21:37,000 --> 00:21:57,000
Die Operation Reinhardt ist genau wie die Aktion 1005 hat diesen ruhenaufwählig klingenden Namen, um sich gut verbergen zu lassen, falls doch einen Aktenweg gibt und eben nicht direkt klar ist, bei der Operation Reinhardt geht es um die größte einzelne Mordaktion des Hulukaus.

119
00:21:57,000 --> 00:22:04,000
Hier das Zitat von Levi Stone, der sich um mit Opferzahlen in seinem Artikel beschäftigt hat.

120
00:22:04,000 --> 00:22:21,000
Operation Reinhardt, die als die größte einzelne Mordaktion des Hulukaus bezeichnet wurde, begann im März 1942, dauerte 21 Monate und endete im November 1943.

121
00:22:21,000 --> 00:22:39,000
Im Rahmen dieser Operation wurden die drei zentralen Vernichtungslager Belzec, Sobi Bohr und Treblinka mit der Absicht eingerichtet, alle Juden im deutsch besetzten Polen, der als General-Gouverne-Mau bezeichneten Region zu vernichten.

122
00:22:39,000 --> 00:23:00,000
Die drei nationalsozialistischen Todeslager oder Tötungszentren waren berüchtigt für ihre prozessualen Massenzötungen und ihre Fähigkeit, ganze jüdische Gemeinden mithilfe der Gaskamertechnik rasch zu liquidieren und so einen groß angelegten Hulukaus durch Gas zu bewirken.

123
00:23:00,000 --> 00:23:17,000
Detaillierte Aufzeichnungen über die Tötungen gibt es fast nicht, da die Nazis die Operation Reinhardt streng geheim hielten. Alle Informationen, die aufgezeichnet wurden, verbrannten und vernichteten die Nazis während des Krieges aus Angst vor Verfolgung.

124
00:23:17,000 --> 00:23:30,000
Darüber hinaus ist ein großer Teil der Morde auf Erschießungen zurückzuführen, da ein Hulukaus durch Kugeln sowohl innerhalb als auch außerhalb des General-Gouverne-Mau stattfand.

125
00:23:30,000 --> 00:23:52,000
Im Mai beginnt die Vernichtung der Juden in Belzec, wo bis Ende 1942 600.000 Juden ermordet werden, also vom 17. März bis Ende des Jahres 42.000.

126
00:23:52,000 --> 00:24:01,000
Im Mai beginnt der Vernichtung durch Gas im Vernichtungslager Sobibor, wo bis Oktober 43.250.000 Juden ermordet werden.

127
00:24:01,000 --> 00:24:11,000
Und am 22. Juli wird dann noch zusätzlich dafür von den Deutschen das Vernichtungslager Treblinka gebaut.

128
00:24:11,000 --> 00:24:22,000
Und ab dem Sommer zunehmend auch Deportation aus Westeuropa, um Juden Westeuropas dort im Osten zu ermorden.

129
00:24:22,000 --> 00:24:34,000
Ich glaube, ich habe schon mal davon erzählt von Timothy Snyder's Buch Bloodlands, was ja da so in der Raumtheorie unterwegs ist und sehr empfehlenswert ist, wenn ihr euch mit diesem Thema beschäftigt.

130
00:24:34,000 --> 00:24:50,000
Der eben herausarbeitet, dass in diesem Bereich in Osteuropa das von beiden Großmächten, so von der Sowjetunion als auch vor allem von den Nazis, als so eine rechtsfreie Zone gesehen wurde, wo man so was machen konnte, wo man Vernichtungslager errichten konnte.

131
00:24:50,000 --> 00:25:05,000
Und wo der, also das ist nicht auf deutschem Gebiet stattgefunden, sondern möglichst weit im Osten oder möglichst weit dort, wo man dann glaubte, dass es sowieso das man absolute Kontrolle hat und von der Öffentlichkeit weit genug weg ist, das es nicht auffällt.

132
00:25:05,000 --> 00:25:23,000
Und dann werden eben zunehmend im Sommer auch aus Belgien, Kroatien, Frankreich, Niederlanden, Polen Juden in diese Vernichtungsschlager geliefert. Es gibt dann aber auch die ersten bewaffneten Widerstände von Juden in Ghettoes, von Kletsch, von Lackwa, von Tuchel, von Weißweitz.

133
00:25:23,000 --> 00:25:33,000
Also von Weißweitz, von verschiedenen Ghettoes gibt es dann auch, weil die Nachrichten eben umgehen, dass was mit den Leuten passiert, die in Zügen nach Osten fahren.

134
00:25:33,000 --> 00:25:41,000
Ja, wie eben gesagt, gab es ursprünglich ein fehlendes Bewusstsein vor den langfristigen Konsequenzen.

135
00:25:41,000 --> 00:25:46,000
Himmler und DNS-Höhung hatten sich zunächst keine so besonderen Sorgen um die Massenkräber gemacht.

136
00:25:46,000 --> 00:25:53,000
In Babi Jaa wurde eine Schlucht gesprengt über den Massenkrab und das wurde als hinreichend angesehen.

137
00:25:53,000 --> 00:26:13,000
Das wurde sich später geändert und mussten sich dann wieder ausgraben und diese Siegesglaube in den ersten Jahren bis 1942 sorgte eben auch dazu, dass sie Täter sich selber im Siegesglauben in der Lage sahen,

138
00:26:13,000 --> 00:26:17,000
dass in Anführungszeichen Ungeheuerliche zu tun.

139
00:26:17,000 --> 00:26:26,000
In einer anderen Nachkriegsaussage führte ein seinerzeit beim Sonderkommando 4B ein gesetzter Kriminalkommissar aus.

140
00:26:26,000 --> 00:26:35,000
Die Führung habe ihrer polizeilichen Elite zwar unbedingt vertraut, man habe sich dieses Vertrauens aber auch würdig erweisen müssen.

141
00:26:35,000 --> 00:26:52,000
Sein Vorgesetzter habe die im Osten eingesetzten Männer in einer Ansprache, in der es um die Auslöschung der sowjetischen Juden ging, seines Mitgefühls versichert, weil er wisse, dass es sich um eine besonders schwere Aufgabe handele und zwar besonders in seelischer Hinsicht.

142
00:26:52,000 --> 00:26:57,000
Wir sollten uns aber stets vor Augen halten, dass nicht wir dafür verantwortlich seien.

143
00:26:57,000 --> 00:27:03,000
Über die Wichtigkeit und die schwere der Aufgabe werde erst nach dem Krieg gesprochen werden können.

144
00:27:03,000 --> 00:27:09,000
Dann aber sollten auch diejenigen belohnt werden, die diese schwere Aufgabe durchgeführt hätten.

145
00:27:09,000 --> 00:27:22,000
Dass diese Geisteshaltung keine Ausnahme darstellte, zumindest was das Erleben der Mordtätigkeit an der Grube angeht, belegt der Fall des Verwaltungsführers beim SK4R Karl Kretschmer.

146
00:27:22,000 --> 00:27:34,000
Er schrieb seiner Frau relativ offen über das Verschwinden der Juden im Osten und ließ auch keinen Zweifel daran, selbst an Exekutionen mitgewirkt und damit auch die nötige Härte gezeigt zu haben.

147
00:27:34,000 --> 00:27:44,000
Als Legitimation führte er unter anderem an, dass die Deutschen nun einmal nach dem Willen des Schicksals das Volk der Zukunft seien.

148
00:27:44,000 --> 00:28:05,000
Das Erschauern beim Anblick getöteter Menschen wird von ihm als Anfall von Schwesse gewertet, der doch der Massenmord, die einzige Tat ist, die unbedingt zur Sicherheit unseres Volkes und unserer Zukunft erforderlich sei, wobei Hitler gleichsam als imaginierter Beichtvater den Schützen die Absolution erteilt.

149
00:28:05,000 --> 00:28:16,000
Der Glaube an den Führer erfüllt uns und gibt uns die Kraft zu unserer schweren und undankbaren Aufgabe, denn überall, wo wir hinkommen, werden wir etwas schräg angesehen.

150
00:28:16,000 --> 00:28:21,000
Das soll uns auch nicht von der Erkenntnis abbringen, dass es notwendig ist.

151
00:28:21,000 --> 00:28:40,000
Ein anderer in Mogelev, ein gesetzter Schütze, schrieb nach dem Ende einer Mordaktion am 5. Oktober 1941 an seine Frau, die er in seinem Brief weder über die damit verbundenen Grausamkeiten noch darüber in Unkenntnis liest, dass er selbst Zeuglinge erschossen hatte.

152
00:28:40,000 --> 00:28:47,000
Nur weg mit dieser Brut, die ganz Europa in den Krieg gestürzt hat und jetzt auch noch in Amerika schürt.

153
00:28:47,000 --> 00:28:56,000
Der Verfasser des Briefes gab überdies seiner Hoffnung Ausdruck, dass dann bald auch die Deutschen, unsere heimischen Juden, dran kämen.

154
00:28:56,000 --> 00:29:12,000
Bemerkenswert an Aussagen wie diesen ist, dass Führer wie geführte offensichtlich den Krieg als einen Kreuzzug verstanden, der ihnen zur Erfüllung ihrer Mission jedoch nur einen auf jeweils wenige Monate bemessenen Zeitraum eröffnete.

155
00:29:12,000 --> 00:29:19,000
Es wird deutlich, dass sehr wenig Mitgefühl auch seitdem der Täter da war.

156
00:29:19,000 --> 00:29:26,000
Man ist sehr gut rechtfertigen konnte als eine schwere Tat, die man jetzt vollbringen muss zum Wohle der zukünftigen Generationen.

157
00:29:26,000 --> 00:29:34,000
Man ist ja selber das vom egelianischen Weltgeist, Außerweltevolk und muss das jetzt für den Lebensraum und so weiter tun.

158
00:29:34,000 --> 00:29:49,000
Also die Rechtfertigungsmust, das ist auf jeden Fall sehr präsent und der Krieg an sich gab ihnen jetzt schnell die Möglichkeit das zu tun, wovon sie schon immer geträumt hatten.

159
00:29:49,000 --> 00:29:57,000
Ganz ähnlich sieht es auch Goebbels in seinen Tagebuchaufzeichnungen.

160
00:29:57,000 --> 00:30:07,000
Ähnlich war der Eindruck von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, wie wir aus seinen Tagebuchaufzeichnungen vom 7. März 1942 wissen,

161
00:30:07,000 --> 00:30:17,000
von nach spätere Generationen nicht mehr die Tatkraft und die Wachheit des Instinkts besäßen, um die Judenfrage einer endgültigen Lösung zuzuführen.

162
00:30:17,000 --> 00:30:24,000
Und weiter, was wir uns heute als Last aufbühren, wird für unsere Nachkommen ein Vorteil und Glück sein.

163
00:30:24,000 --> 00:30:32,000
Ja sogar Hitler selbst sollte im Januar 1942 erste Zweifel an der Treue seines Volkes artikulieren.

164
00:30:32,000 --> 00:30:43,000
Dieses wäre verdammenswert, wenn es ihm auf dem vorgegebenen Weg nicht folgen würde, womit er nicht nur die operative Vorgehensweise bei den militärischen Operationen,

165
00:30:43,000 --> 00:30:49,000
sondern mit dem Stichwort Selbsterhaltung auch die innere Front gemeint haben dürfte.

166
00:30:49,000 --> 00:30:59,000
Das Vertrauen der Führung in ihre Gefolgschaft, die Endlösung radikal durchzusetzen, war somit, wenn überhaupt sie vorhanden, zeitlich begrenzt.

167
00:30:59,000 --> 00:31:09,000
Also dieser Glaube, dass man damit einen übergenerationalen Dienst erweisen würde durch diesen Massenmord.

168
00:31:09,000 --> 00:31:19,000
Und die Idee, dass möglicherweise eben es nicht mehr in der Zukunft so verstanden oder nachvollzogen oder die Tatkraft, wie er es nennen,

169
00:31:19,000 --> 00:31:32,000
also die Perversion und kranke Mordlust, dass die möglicherweise folgende Generation abgehen könnte und dass man deswegen jetzt noch schnell die bestehende Mordlust ausnutzen muss, um den Genozid zu vollziehen.

170
00:31:32,000 --> 00:31:52,000
Außerdem begann eben die Sowjetunion und der Außenminister Molotov zum Beispiel dann zunehmend aufgedeckte Massengräber und nach außendringende Neuigkeiten von den Massenmorden in Osteuropa zu publizieren,

171
00:31:52,000 --> 00:32:06,000
um propagandagerecht in der Weltöffentlichkeit Stimmung für den großen vaterländischen Krieg zu machen, der zu dieser Zeit 42 ja noch sehr schlecht aussah und sehr schlecht lief.

172
00:32:06,000 --> 00:32:22,000
Da wird es zunehmend eben auch deutlich, dass es gut funktioniert zu zeigen, die Deutschen sind nicht nur irgendwelche komischen Politiker, sondern das eigentlich Mörder hier, die Führungsregel der Nazis und auch die drunter.

173
00:32:22,000 --> 00:32:39,000
Und dass quasi hier anfängt, sich in der Weltöffentlichkeit des Bildernazis zu drehen, zunehmend und das eben auch dazu dient, Stimmung gegen die Achsenmächte zu machen.

174
00:32:39,000 --> 00:32:48,000
Und das ist in Deutschland doch nicht so recht, dass sie so gute Bilder für die Feinprobekanne liefern mit ihren Aktionen.

175
00:32:48,000 --> 00:33:02,000
An eine vollständige Beseitigung der Leichen hatte niemand von den Verantwortlichen gedacht oder aber eine solche Vorgehensweise in der euphorischen Erwartung des baldigen Entsieges offenbar als vollkommen unnötig erachtet.

176
00:33:02,000 --> 00:33:09,000
Der Vorstoß Monotops nach dem Massaker von Harkov zeigte nun, dass man sich gründlich getäuscht hatte.

177
00:33:09,000 --> 00:33:16,000
Mehr noch, die Gegenseite war in der Lage, den Massenmord propagandistisch und diplomatisch zu nutzen.

178
00:33:16,000 --> 00:33:31,000
Der Genozid, so musste man lernen, erwies sich für die Stavkar im Kremel als ideales Werkzeug, den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Diktatur und ihres Besatzungsregimes zu entfüllen.

179
00:33:31,000 --> 00:33:38,000
Und damit die Solidarität der Weltgemeinschaft für den eigenen Kampf im großen vaterländischen Krieg einzufordern.

180
00:33:38,000 --> 00:33:52,000
Außerdem würde die Anhäufung von Beweisen absehbar dazu führen, dass man die Repräsentanten des Dritten Reiches immer weniger als Politiker, Ideologen oder Funktionäre, sondern zunehmend als Verbrecher-Warnamen.

181
00:33:52,000 --> 00:34:04,000
Und die Aufdeckung von Verbrechen verlangt, gerade dann, wenn sie zigtausende das Leben gekostet hatten, nach der den Dingen innerwohnenden Logik die Bestrafung der Verantwortlichen.

182
00:34:04,000 --> 00:34:12,000
Diesen Einsichten, Triebut, Zollend dürfte himmler klar gewesen sein, das Gegenmaßnahmen zu treffen waren.

183
00:34:12,000 --> 00:34:19,000
Es galt vor allem, die Belastenden Beweise zu beseitigen, um weiteren Propaganda-Aktionen den Boden zu entziehen.

184
00:34:19,000 --> 00:34:30,000
Außerdem mussten die zukünftigen Vernichtungsaktionen nach einer anderen Methode, den Erfordernissen eines länger andauernden Krieges entsprechend durchgeführt werden.

185
00:34:30,000 --> 00:34:38,000
Die Antwort darauf hatte man mit den stationären Vernichtungslagern bereits gefunden.

186
00:34:38,000 --> 00:34:51,000
Da ganz kurz zum Einschub, also die stationären Vernichtungslager heißt jetzt, dass man sagt, okay, anstatt Mobil mit Truppen durch Osteuropa zu ziehen und Leute an Kuben zu erschießen,

187
00:34:51,000 --> 00:35:02,000
ist es viel effizienter, wenn wir Vernichtungslager einrichten als eine Art Weiterentwicklung der schon seit 33 bestehenden Konzentrationslager.

188
00:35:02,000 --> 00:35:15,000
Und sagen wir, also nachdem die Leute schon in Gettos zusammengepfercht und eingesperrt wurden, wird jetzt gesagt, okay, wir lernen die Gettos und bringen die Leute ganz gezielt zu Orten,

189
00:35:15,000 --> 00:35:23,000
wo sie dann durch Gas vernichtet werden, ermordet werden.

190
00:35:23,000 --> 00:35:38,000
Und da sieht man diese perverse Logik, wie die Bedürfnisse des Massenmords dazu führen, dass am Ende die Vernichtungslager etabliert werden.

191
00:35:38,000 --> 00:35:50,000
Und die Aktion 1005, so der wäre es gleich eigentlich einsteigen zur eigentlichen Aktion, ist eben ein ganz wichtiges Puzzlestück bei der Entstehung dieser Vernichtungslager.

192
00:35:50,000 --> 00:36:00,000
Und warum es dann dazu auch in der Form so kommt.

193
00:36:00,000 --> 00:36:13,000
Zum Jahresende 1941 hatte der Reichsführer SS seine Truppen in der Ukraine besucht und war auch mit dem HSSPF Russland Süd Hans Adolf Brützmann zusammengetroffen.

194
00:36:13,000 --> 00:36:21,000
Schon zu diesem Zeitpunkt schließt sich große Teile dieses Gebietes mit Fug und Recht als ein einziges Gräberfeld bezeichnen.

195
00:36:21,000 --> 00:36:32,000
Das Versäumnis hier nicht alle Spuren rechtzeitig beiseitig zu haben, galt es für Himmler, sofern die Kriegslage sich nicht wieder zu Deutschlands Gunsten wendete, unbedingt zu korrigieren.

196
00:36:32,000 --> 00:36:38,000
Doch dafür mussten die Täter notgetrungen an die Orte ihrer Verbrechen zurückkehren.

197
00:36:38,000 --> 00:36:57,000
Genau, und das ist jetzt der Grund, warum die Aktion, die Sonderkammer 1005 ins Leben gerufen wird, weil man eben merkt, der Wind dreht sich, der Krieg läuft nicht so gut für Deutschland wie geplant und jetzt machen wir uns Sorgen um unsere Reputation auf einmal.

198
00:36:57,000 --> 00:37:00,000
Das könnte ja schlecht sein, wenn man Millionen Menschen ermordet.

199
00:37:00,000 --> 00:37:13,000
Als besonders geeignet für diese neue geschaffene Position wird der SS-Standartenführer Paul Blobel ausgewählt.

200
00:37:13,000 --> 00:37:32,000
Der hatte das Massaker von Babi Ja an den Juden Kirfs, von dem ich vorhin schon erzählt hatte organisiert und war eben als besonders effizient und ein Macher bekannt, wenn es um Morden und Verschießen von Männern, Frauen und Kindern ging.

201
00:37:32,000 --> 00:37:36,000
Ja, das war einfach eine Kompetenz.

202
00:37:36,000 --> 00:37:51,000
Hier im nächsten Zitat wird ein Teuschungsmanöver beschrieben, da ging es darum, dass teilweise jüdische Gemeinden gezielt nach dem Vorrücken der deutschen Front in Ruhe gelassen wurden für einige Monate und sich in Sicherheit gewogen haben.

203
00:37:51,000 --> 00:37:58,000
Und das dann gezielt genutzt wurde, um sie, wenn sie es nicht mehr erwarten, nach ein paar Monaten dann auf einmal abzuholen und zu erschießen.

204
00:37:58,000 --> 00:38:11,000
Und das, soll ich sagen, hat sich Paul Blobel auch mit überlegt und war da ein Vordenker von kreativen Artenleuten hinters Licht zu führen, um sie dann doch noch zu ermorden.

205
00:38:11,000 --> 00:38:16,000
Ja, bitte.

206
00:38:16,000 --> 00:38:31,000
Parallel zum Fortgang all dieser Teuschungsmaßnahmen war N'Charkov ein Mann, der als ein besonders effizient arbeitender Massenmörder angesehen werden muss. Im Januar 1942 offiziell von seinen Aufgaben entbunden wurden.

207
00:38:31,000 --> 00:38:48,000
Man benötigte ihn an anderer Stelle dringender. Mit Verfügung vom 13. Januar 1942 versetzte das RSHA, den ehemaligen Kommandeur des SK4A, SS-Standartenführer Paul Blobel ins Reich zurück.

208
00:38:48,000 --> 00:38:54,000
In seiner Heimatdienststelle Nürnberg sollte er den dortigen SD-Abschnitten leiten.

209
00:38:54,000 --> 00:39:07,000
Nun war an der Ablösung eines Kommandoführers an sich nichts Außergewöhnliches. Ja, es wird durchaus üblich, deren Ortseinsatz turnusmäßig zu beenden, wenn es die Personalsituation erlaubte.

210
00:39:07,000 --> 00:39:23,000
Bei Blobel verhielt es sich aber anders. Die Abkommandierung zum SD nach Nürnberg diente vor allem dazu, eine ihm übertragenen neue Aufgabe zu verheimlichen und ihm, auch gegenüber seinen eigenen Kollegen und dem Großteil des SS und Polizeiapparates,

211
00:39:23,000 --> 00:39:38,000
eine Tarnung zu verschaffen. Denn Blobel verblieb nicht nur zunächst beim SK4A, sondern sollte sich auch in den nachfolgenden Monaten und Jahren kaum in Nürnberg aufhalten und erst recht nicht den dortigen SD vorstehen.

212
00:39:38,000 --> 00:39:53,000
Was macht er wohl? Stattdessen hat sich auch nach dem Krieg versucht zu rechtfertigen bei den Vernehmungen von Nürnberger Prozessen oder Nürnberger Nachfolgeprozessen.

213
00:39:53,000 --> 00:40:09,000
Er hat versucht zu erklären, dass er Schnupfen bekommen hätte, weswegen er nicht hingehinkonnte und was wir sich schon sehr lächerlich ausreden. Stattdessen, statt quasi nach Nürnberg zurückzukirren, wie offiziell laut Aktenlage sein Job gewesen wäre, fährt er nach Warschau mit seinem Fahrer.

214
00:40:09,000 --> 00:40:29,000
Der Fahrer wurde später auch so gehört und wir haben die Aussagen des Fahrers von Blobel. Der hat eben ausgesagt, dass ich Blobel in Warschau mit Heidrich getroffen habe, der sich ja dann auf der Wannseekonferenz zu der eigentlichen Führungsfigur im geplanten Völkermord an den Jugendostereuropas erhoben hatte.

215
00:40:29,000 --> 00:40:51,000
Und Heidrich wurde dann 42, 43 auf jeden Fall bei einem Attentat des vom englischen Geheimdienst organisiert, wurde in der Nähe vom Prag, glaube ich, erschossen oder mit einem Sprengstoff und einen Anschlag auf ihn verübt und an den Folgen davon starb er dann.

216
00:40:51,000 --> 00:41:11,000
Ja, nur so viel kurzer Exkurs zu Heidrich. Danach fuhr Blobel im März und April oder mit März oder April 42 eine genaue Einführung, genaue Instruktion und wurde dann leider des Sonderkommandos 1005 offiziell.

217
00:41:11,000 --> 00:41:28,000
Bis Aktenkürzel 1005 hatte Müller von dem Schreiben vom 28. Februar 1942 als Geschäftszeichen ans Auswärtige Amt verwendet und damit wurde das dann als Tahrungsgründen unter diesem Aktenkürzel etabliert.

218
00:41:28,000 --> 00:41:46,000
Blobel hatte ein eigenes Stab-Squad hier gehabt in Berlin, aber seine Aktenverwaltung hatte er im Referat von Eichmann erledigen lassen. Und spannenderweise gab es da Konflikte zwischen den beiden, weil Blobel dann auch einmal so eine Art Mitvogesetzter von Eichmann war.

219
00:41:46,000 --> 00:42:10,000
Die waren offiziell gleichwertig, aber eigentlich konnte Blobel Weisungen geben an Leute, die Eichmann unterstellt waren und da gibt es anscheinend eine Fußnote, dass Eichmann anscheinend laut irgendeiner Aussage sogar Blobel mal zum Duell fordern wollte, weil er sich so geärgert hat, dass seine Kompetenz reingepfuscht wurde.

220
00:42:10,000 --> 00:42:32,000
Dazu kam es aber soweit wir wissen nicht und seit dieser Kampf zwischen dem Bürokrat des Völkermords Eichmann auf der einen Seite und dem Praktiker des Genozids Blobel auf der anderen so einzusammeltreffen von zwei sehr unterschiedlichen Arten.

221
00:42:32,000 --> 00:42:41,000
Das ist der F-Männer.

222
00:42:41,000 --> 00:43:03,000
Daraufhin verbrachte Blobelzeit im Vernichtungslager Kulmhof, also Kulmhof der deutschen Namen für Czelnow in Zentralpolen. Wenn ihr euch eine heutige polnische Karte anguckt, genau in der Mitte liegt der Czelnow.

223
00:43:03,000 --> 00:43:21,000
Die erste deutsche Todesfabrik, sozusagen, hier ab dem Sommer 42 dann damit begann, die Beseitigung von bereits bestehenden Leichenmassen zu testen, Methoden zu testen mit Blobel dort.

224
00:43:21,000 --> 00:43:39,000
Blobel ist dann dort die Leichen ausgraben, der Terminus Technikus der Aktion war, wie ich schon erwähnt habe, Enterdung und benutzte dann die Leichen für die Experimente, wo versucht wurde, wie kann man möglichst effizient die Leichen verschwinden lassen.

225
00:43:39,000 --> 00:44:08,000
Jüdische Häftlinge und später auch zum Protokolle Verurteilte Strafgefangene. Ganz am Ende der Aktion, auch einfach Leute, die von der Straße weggefischt wurden oder teilweise aus ihren Betten geholt wurden, also ein kleiner Vorgriff nach 1944, gibt es dann auch Szenen, wo die Aktion einfach polnische Männer aus ihren Betten holt und zwangsinterniert, um arbeiten zu verrichten.

226
00:44:08,000 --> 00:44:18,000
Der Großteil über die gesamte Zeit der Aktion 2005 aber waren jüdische Häftlinge, die im Täter-Jagau als Figuren oder Tote auf Urlaub bezeichnet wurden.

227
00:44:18,000 --> 00:44:28,000
Also wir sehen hier schon diese extreme Entmenschlichung, dass das keine Menschen mehr sind, sondern nur noch Figuren, Tote, Menschen auf Zeit.

228
00:44:28,000 --> 00:44:51,000
Und diese Häftlinge mussten die Körper der Ermordeten dann ausgraben mit so Riemen speziellen durch die Gegend ziehen, aufschichten und dann auf verschiedene Arten und Weisen im Brand setzen, um zu schauen, was eben funktioniert.

229
00:44:51,000 --> 00:45:05,000
Zunächst wurde das bei den frei gelegten Leichengruppen getestet, dann auf offenen Gelände, es wurden KMT-Wahl, Flammenwerfer und Termitbomben zum Einsatz, die aber alle nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben.

230
00:45:05,000 --> 00:45:27,000
Auch Versuche mit Sprengstoff waren nicht erfolgreich, ihr könnt euch die Szenen selber vorstellen und auch mehrere Öfen, die getestet wurden, haben sich als nicht effizient genug herausgestellt.

231
00:45:27,000 --> 00:45:47,000
Ursprünglich wurden dann die Überreste, die Knochen, die sich allen Verbrennungsversuchen widersetzt haben, dann mit Handstöseln zerkleinert und die Asche danach gemahlen mit einer Kaffeemühle, die man sich aus Bremen organisiert hat, in dem Fall hier.

232
00:45:47,000 --> 00:45:58,000
Umgeben von mitgeschwüren bedeckten jüdischen Heftlingen, die bereits nach Tod rauchen, wurden die Polen bei starkem Arbeitsanfall auch an den Gruppen eingesetzt.

233
00:45:58,000 --> 00:46:18,000
Eine Tätigkeit, von der sie jedoch meinten, ausgeschlossen werden zu müssen. Anders ausgedrückt, die Nervenaufreibende Plackerei in mitten von bestialischem Gestank und brütenter Hitze war etwas für Menschen, über die längst das Tod des Urteil gefällt worden war und nicht für Lebende.

234
00:46:18,000 --> 00:46:30,000
Die polnischen Heftlinge betrachteten sich aber offenbar als Gefangene einer anderen Kategorie. Das jüdische Waldkommando wiederum, war in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt worden.

235
00:46:30,000 --> 00:46:52,000
Eine hatte die Aufgabe, die Körper der gerade ermordeten, aus den Gaswagen zu ziehen und zu den Massengräbern zu schleifen. Das Enterdungskommando öffnete die Gruppen. Eine dritte Gruppe musste die stark zersetzten Leichen herausholen. Eine vierte beziehnte die Verbrennungsofen, deren Brennmaterial vom Heulsholerkommando herangeschaft wurde.

236
00:46:52,000 --> 00:47:06,000
Die Heftlinge, die es den Arbeiten widersetzt haben, wurden direkt erschossen und es durften sowieso keiner, der damit gearbeitet hat wegen der Geheimhaltung, am Leben bleiben.

237
00:47:06,000 --> 00:47:16,000
Blobel selber gab dem Befehl, dass jedes der Heftlingskommandos nach zwei Wochen zu liquidieren sei und dann durch neuere Zitatfiguren zu ersetzen.

238
00:47:16,000 --> 00:47:27,000
Was hier in Kurmenhof getestet wurde, ist der Vorläufer zu den Vernichtungslager, die wir später in Sobibor, Belsack und weiter im Treblinka sehen.

239
00:47:27,000 --> 00:47:39,000
Hier wurde es noch mit Gaswagen gemacht und dann später wurde die Stadt Gaswagen, dann die Gaskammern gebaut als Weiterentwicklung davon.

240
00:47:39,000 --> 00:48:02,000
Im Sommer 1942 schloss Blobel seine Experimente dann ab. Als wirksamste Bezeitigungsmethode hat es sich nach seinen ganzen Experimenten ein Verbrennungsverfahren gezeigt, bei dem man einen Rost aus Eisenbahnschienen verwendet hat und Leichen und Brennholz immer im Wechsel aufeinander geschichtet hat.

241
00:48:02,000 --> 00:48:09,000
Auch so eine ganz spezielle Methode mit Füße und Köpfe, dass da genug Luft durchkommt, dass man die Leichen auch in einer gewissen Art und Weise schichtet.

242
00:48:09,000 --> 00:48:13,000
Das Ganze wurde damit brandbeschleuniger übergossen und angezündet.

243
00:48:13,000 --> 00:48:22,000
An jedem der Orte, wo sie Entehrdungsmaßnahmen durchgeführt haben, wurden dann in Zukunft gewaltige Scheiterhaufen errichtet und angezündet.

244
00:48:22,000 --> 00:48:32,000
Die Verbrennungsrückstände wurden dann in einer Knochenmühle bzw. der Kaffeemühle zermahlen und in umliegenden Wäldern zerstreut.

245
00:48:32,000 --> 00:48:49,000
Einer der Wächter, der in Gefängnis im Riga ursprünglich gearbeitet hatte, beschreibt später seine Erlebnisse im Konstellationswager Stuttthof

246
00:48:49,000 --> 00:48:56,000
als was alles, was er bis dahin an der Ostfront gesehen hatte, übertreffend.

247
00:48:56,000 --> 00:49:02,000
Das Schrecklichste, was ich in Stuttthof erlebt habe, waren die Leichenverbrennungen auf Scheiterhaufen.

248
00:49:02,000 --> 00:49:09,000
Es waren solche Häftlinge, die eben nicht überleben konnten. Sie sind regelrecht verreckt.

249
00:49:09,000 --> 00:49:16,000
Die Verbrennung im Klimatorium war eben wegen der Vielzahl der Leichen der verstorbenen Häftlinge nicht mehr möglich.

250
00:49:16,000 --> 00:49:23,000
Ich möchte sagen, dass fast jede Nacht an die 1.000 Häftlinge verbrannt wurden.

251
00:49:23,000 --> 00:49:29,000
So kam ich auch mehrmals dazu, dort bei der Verbrennung Posten zu stehen.

252
00:49:29,000 --> 00:49:37,000
Es ging dann immer bis vier oder fünf Uhr. Die Leichen wurden aus dem KL mit LKW herangeführen.

253
00:49:37,000 --> 00:49:41,000
Häftlinge hatten nun die Aufgabe, die Leichen auf Haufen zu schichten.

254
00:49:41,000 --> 00:49:47,000
Die Leichen wurden mit dem Kopf nach außen gelegt, mit den Beinen zum Mittelpunkt des Scheiterhaufens.

255
00:49:47,000 --> 00:49:53,000
Nach Fertigstellung wurde etwas darüber gekippt. Ich kann nicht sagen, was es war.

256
00:49:53,000 --> 00:49:57,000
Beim Zünden gab es aber sofort eine lodernde Flange.

257
00:49:57,000 --> 00:50:02,000
Genau, das KL hier ist das Konstellationslager Stuttthof, über das er schreibt.

258
00:50:02,000 --> 00:50:16,000
Im Juli 1943 fuhr Blobel nach Kiew, um dort die Massengräbe im Operationsgebiet der Einsatzgruppen C und D beseitigen zu lassen.

259
00:50:16,000 --> 00:50:29,000
Ab da gab es dann auch ein Kommando A und ein Kommando B, die unterschiedlichen Orten tätig waren.

260
00:50:29,000 --> 00:50:40,000
Beide Kommandos waren aber in Kiew. Daran beteiligt die Spuren des Massakers von Bamiya, um kändlich zu machen und wieder auszugraben.

261
00:50:40,000 --> 00:50:50,000
Und die Überbleibschild der 33 Toten zu vernichten.

262
00:50:50,000 --> 00:51:01,000
Nach Abschluss der Arbeiten in Bamiya wurden natürlich auch wieder die Heftlinge der Arbeitskommandos erschossen und auch Styrkarm in einigen Fällen Gaswagen zum Einsatz,

263
00:51:01,000 --> 00:51:08,000
weil Blobel den Einsatz auch vorher in Jeno getestet hatte.

264
00:51:08,000 --> 00:51:23,000
Die Zahl der ermordeten 1005 Heftlinge aller Brandstätten lässt sich nicht genau bestimmen, weil deren Überbleibschild meistens wieder vernichtet wurden.

265
00:51:23,000 --> 00:51:30,000
Andere Angrig schreibt aber, dass sie eindeutig im fünfstelligen Bereich gelegen haben sollten.

266
00:51:30,000 --> 00:51:41,000
Allein die Menschen, die ermordet wurden, um bei diesen Enterdungs- und Vertuschungsaktionen der vorherigen Mordaktion mitzuwirken, sind im fünfstelligen Bereich.

267
00:51:41,000 --> 00:51:53,000
Mit dem zunehmenden sich drehenden, also die Aktion wurde etabliert, also 42 unserer Ausdrahls wird es mit dem Enden Sieg doch nicht mehr so schnell was werden.

268
00:51:53,000 --> 00:52:14,000
Und dann läuft der Krieg ja auch an der Ostfront zunehmend schlecht für die Deutschen und mit einer immer näherrückenden Front müssen die 1005, also die Mitglieder dieser Aktion 1005 immer mehr mehr Leichenkruppen zurücklassen und kommen mit der Arbeit nicht mehr hinterher.

269
00:52:14,000 --> 00:52:16,000
Es gibt einfach zu viele Massengeräme.

270
00:52:16,000 --> 00:52:30,000
Am 22. Februar 1943 wandten sich die Einwohner Rostovs anscheinend unter Umgehung sämtlicher Beherklicher Zwischeninstanzen in einem Brief direkt an ihren Premier Stalin.

271
00:52:30,000 --> 00:52:38,000
Für die Verhältnisse in der UDSSR, in der gewöhnlich strikt von oben nach unten kommuniziert wurde, ein ungewöhnlicher Vorgang.

272
00:52:38,000 --> 00:52:54,000
Der Auslöser war dann auch dramatischer Natur. Die Rostower klagten dem Mann an der Staatsspitze ihr Leid darüber, dass in ihrer Stadt über 20.000 Menschen von den Besatzern getötet bzw. zu Tode gequält worden seien.

273
00:52:54,000 --> 00:53:14,000
Und selbst diese Zahlen mochten, wie daraufhin einsetzende Recherchen der ASK ergeben, noch unvollständig gewesen seien, da man allein in einer städtischen Haftanstalt zusätzlich um die tausend Leichen darunter Dutzende Kinder fand, die in die erste offizielle Opferbilanz keinen Eingang fanden.

274
00:53:14,000 --> 00:53:28,000
Eben diese öffentlich gemachten Massenmorde hatten wie geschildert Blubel dazu gezwungen, den Einsatz der Aktion 1005 im Südabschnitt zu starten, um weitere Entschülungen dieser Art unbedingt zu verhindern.

275
00:53:28,000 --> 00:53:56,000
Am Mittelabschnitt der Ostfront erhielten die Einheiten der Wehrmacht dann sogar 44 die Orde ihre Stellung so lange zu verteidigen, bis die Arbeit der 1005er hinter der Frontlinie beendet war. Also da wurden dann teilweise gezielt Frontabschnitte, obwohl es vielleicht strategisch sonst keinen Sinn gemacht hat, gehalten, damit man die Kräberfelder, die Massenkräber im Hintergrund noch möglichst schnell vernichten konnte, was eine absurde Vorstellung ist.

276
00:53:56,000 --> 00:54:25,000
Und das Grauen vollzog sich dann immer immer wieder an hunderten Städten, mindestens vielleicht mehr, vielleicht tausende, hinter sich zu zwenden in schier endlose Wiederholung, gräberöffenden Tote herausziehern, Wertsachen sicherstellen, Leichen aufschichten und Verbrennen, Knochen zerschlagen, Asche verstreuen, Häftlinge erschießen, gleicher Prozess mit ihnen und dann in nächster Ort.

277
00:54:25,000 --> 00:54:45,000
Frisch besetzte Baumschößlinge, also es wurde dann sogar gepflanzt, es wurde sich so die Mühe gemacht, auf diese frisch wieder zugedeckten Massenkräber, die dann entleert waren, quasi noch ein paar kleine Bäume zu pflanzen und so um das möglichst plausibel und langfristig zu verstecken.

278
00:54:45,000 --> 00:55:00,000
Wir wissen davon nicht nur von den Tätern, weil wir haben ja sehr wenige Akten dazu, sondern auch von den Fluchten von Zwangsarbeitern, denen erst gelangen zu entkommen.

279
00:55:00,000 --> 00:55:29,000
Vor allem Einfall am Ende, als es dann zunehmend schlechter organisiert war, wenn man das Buch von Angrig ließ, dann bekommt man eben gerade im letzten 44 dann mit, wie sie irgendwo hinkommen, es gibt keine Übernachtungsmöglichkeiten, sie sollten da eigentlich angekündigt wurden, niemand wurde informiert, das ist nicht ich nicht ganz sicher, ob es ihre Einheit bald aufgelöst wird, macht sich Sorgen, dass sie überrannt werden könnten, gefangen genommen werden könnten,

280
00:55:29,000 --> 00:55:50,000
und mit dem was sie wissen, sind es natürlich tolle Grundsäugen für den Feind und dementsprechend, gab es viel Ungleich und Sicherheit und in diesem Rahmen wurde er auf Schlamppiger gearbeitet und es konnten Leute dabei entkommen, zum Beispiel die Flucht in Pialistock.

281
00:55:50,000 --> 00:56:04,000
Machol's 1005-Trupp war in Pialistock noch rechtseitig fertig geworden, im Juli widmete er sich nun der Wetterstelle des Dorfes Gelschino in der Nähe von Lonza, wo bereits das SK 1005 tätig war.

282
00:56:04,000 --> 00:56:18,000
Es handelte sich um vier Gruben, vielleicht wussten die Sipo-Männer und Schondarmen, wie prekär die militärische Lage war, jedenfalls lagen bei ihnen die Nerven, wie die Gefangenen deutlich erkennen konnten, blank.

283
00:56:18,000 --> 00:56:31,000
Als sie in Brigadisten befohlen wurde, Gruben auszuheben, wussten sie diese Order zu deuten. Jetzt wollten die 1005er sich ihrer Mitwisser entschädigen, sie sämtlich ermorden.

284
00:56:31,000 --> 00:56:44,000
Als die Gefangenen nach Ende dieser letzten Grabungsarbeiten gezwungen wurden, sich zur Exekution aufzustellen, liefen alle auf das Kommando, rettet euch, läuft weg, aber nach verschiedenen Seiten, auseinander.

285
00:56:44,000 --> 00:57:00,000
Die meisten kamen nur wenige Meter weit, doch elf Brigadisten gelang die Flucht. Sie sollten sich, Wasser aus Pfützen trinkend und Blätter und Wurzeln essen, auf verschlungenen Wegen durch die Wälder richtung Pialistock durchschlagen.

286
00:57:00,000 --> 00:57:16,000
Als sie die Stadt erreichten, rückte auch die Rote Armee dort ein. Die eingesetzten Polizisten bekamen es mit der Angst zu tun. Dass der Kriegsverlauf mit einer Niederlage des dritten Reiches enden würde, damit rechneten sie bereits.

287
00:57:16,000 --> 00:57:30,000
Nun aber fürchteten sie, persönlich zur Rechenschaft gezogen zu werden, da die geflüchteten Juden ihre Namen wüssten. Ihre Vorgesetzten, die besser informiert waren, zweifelten schon länger an der gemeinsamen Sache.

288
00:57:30,000 --> 00:57:46,000
Entsprechend mutlos war der Trupp bereits seit geraumer Zeit. Wie beim SK 1005 Mitte machte sich Resignation unter den Männern breit. Mit der Flucht ihrer Gefangenschaften war der Tiefpunkt erreicht. Die Einheit wurde aufgelöst.

289
00:57:46,000 --> 00:58:12,000
Die SIPO-Angeführigen und die KDS-Mitarbeiter setzten sich in der Hoffnung, der Gefangenschaft zu entgehen, rasch weiter nach Westen ab, um bei unverfänglicherern Einheiten etwa dem Ostwahlkommando unterzutauchen. So verschwanden sie in der Masse der Uniformierten und behielten schon aus Selbstschutz das Geheimnis um die Beseitigung der Massengräber für sich.

290
00:58:12,000 --> 00:58:40,000
Aber es gab ja die Entkommenen, die da viele Details und Namen weitergeben konnten. Abgesehen von den Zeugenaussagen gibt es auch einige wenige Schriftdokumente. Neben den Leuten, die im Pialis-Doc entkommen konnten, gab es im Gefängnis von Pialis-Doc Aufzeichnungen, die vergessen wurden zu vernichten an der Wand.

291
00:58:40,000 --> 00:58:52,000
Ich kenne es mit mir.

292
00:58:52,000 --> 00:58:58,000
So, eine kurze Pause machen und dann kommen wir zurück.

293
00:58:58,000 --> 00:59:12,000
So gefühlt breche ich hier bald den Tränen aus ohne Scheiß. Es ist so schrecklich.

294
00:59:12,000 --> 00:59:38,000
Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ja, auf jeden Fall unsere schwierigste Folge würde ich tragen bis jetzt. In der Vorbereitung, genau wie in der Aufnahme, wahrscheinlich einfach thematisch, das was am...

295
00:59:38,000 --> 00:59:44,000
Ja, ich kann so verkommen sein.

296
00:59:44,000 --> 00:59:50,000
Vorher.

297
00:59:50,000 --> 00:59:56,000
Ich habe in der nächsten lange Zitat nochmal durchgeließen, hab ein paar Tränen kurern lassen.

298
00:59:56,000 --> 01:00:08,000
Oh, ey.

299
01:00:08,000 --> 01:00:12,000
Ich glaube, ich hätte das Buch auch nur...

300
01:00:12,000 --> 01:00:18,000
Ich bin gerade ein bisschen froh, dass ich mich wirklich reingelesen habe.

301
01:00:18,000 --> 01:00:22,000
Sonst wäre ich auch nur am Hallen gewesen, glaube ich. Also ist mir auch nicht weitgekommen.

302
01:00:22,000 --> 01:00:30,000
Eines vergasen die Mörder allerdings. Die Inschriften in den Gefängniszellen, insbesondere der Todeszelle 88.

303
01:00:30,000 --> 01:00:48,000
Angehörige des Widerstandes und Mitglieder der Pialistocker Kommission zur Untersuchung der hitlarischen Verbrechen inspezierten Anfang August 1944 das Gefängnis und entdeckten die mit Bleistift geschriebenen oder mit steilen eingeritzten Zeilen an den Zellen wenden.

304
01:00:48,000 --> 01:01:05,000
Ein Kommissionsmitglied Dr. Hans-Jagod Steele, wird trug diese in hebräischen Schriftzeichen niedergeschriebenen letzten Mitteilungen an die Nachwelt in sein Wachstuch heft, bevor sie verplasten oder gar von den Soviets mutwillig zerstört werden würden.

305
01:01:05,000 --> 01:01:09,000
Sie waren auch ein Ruf nach Vergelthung.

306
01:01:09,000 --> 01:01:21,000
Isaac Kulkin, umgebracht im Pialistocker Gefängnis den 15.7.44, gefallen für das Judentum, nehmt Rache.

307
01:01:21,000 --> 01:01:33,000
Geboren in Pielsk 1921, die ganze Familie umgebracht. Ich war im Gefängnis der letzte Jude, hennach Hoffmann.

308
01:01:33,000 --> 01:01:49,000
Geht erhobenen Hauptes in den Tod. Ich grüße meine Freunde, die Brüder Okon und Posnanski. Rechet mich. Man hat mich gefoltert, aber ich habe nichts herausgehen lassen. Nehmt Rache.

309
01:01:49,000 --> 01:01:58,000
Wir gehen zum Todes sehr ruhig. Wir haben keine Möglichkeit uns zu wehren. Nehmt Rache für uns.

310
01:01:58,000 --> 01:02:05,000
Der Schoel Samolski aus Pialistock. Nehmt Rache für uns.

311
01:02:05,000 --> 01:02:18,000
Der Pialistocker Abraham, Abraham Wodzkovski und Jankel Gilmann, die Krodnoa Kirschbaum, Kulkin, die Brüder Lipchess und Maja Prusak.

312
01:02:18,000 --> 01:02:31,000
Rechet uns. Es soll grausamer sein, als das, was sie mit uns Juden gemacht haben. Das ist der letzte Tag unseres Lebens, 15. Juli 1944. Rechet uns.

313
01:02:31,000 --> 01:02:42,000
Geschrieben hat das Scheim Kirschenbaum aus Krodno. Hier überleben die letzte Nachtjuden, die übrig geblieben sind aus Pialistock und Krodno.

314
01:02:42,000 --> 01:02:54,000
Wir leben die letzten Minuten. Wir warten auf den Tod. Heute ist 15. Juli 1944, 7.15 Uhr.

315
01:02:54,000 --> 01:03:18,000
Das Schreckliche daran ist, dass es jetzt 7 oder 8 Nachrichten sind von Millionen von Menschen, die umgebracht wurden, ermordet wurden.

316
01:03:18,000 --> 01:03:33,000
Von denen wir keine Schriftstücke haben, keine Zermechnisse, keine direkte Nachricht, die ihren Namen nicht an der Wand verewigen konnten.

317
01:03:33,000 --> 01:03:53,000
Die Aktion 1005 war der Versuch, genau dafür zu sorgen, dass es keine Erinnerungen mehr an die Toten gibt, dass nicht nur ihr Leben vernichtet wird, sondern auch die komplette Erinnerung an ihre Existenz.

318
01:03:53,000 --> 01:04:08,000
Obwohl es dann 1944 im Sommer zunehmend Gerüchte über die Auflösung der Einheit gab, wurde weitergearbeitet.

319
01:04:08,000 --> 01:04:22,000
Es gab Einheiten der Sonderkommandoes 1005, die weiter an der Arbeit waren, unter anderem der im Eingangs-Zitat erwähnte Autotreffs und Autogoldab.

320
01:04:22,000 --> 01:04:51,000
Der Polizist aus Hamburg, der direkt in den Dienst eingestiegen ist, war dabei als eines der letzten Amtshandlungen im August 1944 die Lehrungen des Gettos von Lodz und dem Abtransport der Leute nach Auschwitz Birkenau mitzuorganisieren und Tour befähigen.

321
01:04:51,000 --> 01:05:06,000
Mit der Eisenbahn ging es Mitte August 1944 weiter nach Litzmannstadt, Lodz, wobei der endgültigen Liquidierung des Gettos die Verwendung zusätzlicher Polizeikräfte erforderlich zu sein schien.

322
01:05:06,000 --> 01:05:29,000
Neben den Polizisten des Kommandos 1005 Mitte waren auch ihre Kollegen vom SK 1005A für die reibungslose Durchführung des letzten Aktes dorthin verlegt worden, wohl auch um die Juden einzuschüchtern und jeden Gedanken an Widerstand durch die massive Polizeipräsenz zu zerstreuen.

323
01:05:29,000 --> 01:05:35,000
Immerhin hatte sich in Warschau und anderen Orts die polnische Heimatarmee erhoben.

324
01:05:35,000 --> 01:05:44,000
Der Juden älteste Scheim Rumkowski hatte den Auftrag erhalten, alle Ghetto-Bewohner auf die Verschleppung vorzubereiten.

325
01:05:44,000 --> 01:05:54,000
Auf Geheiß Himmlers sollten die verbliebenen 67.000 Insassen aus dem Ghetto nach Auschwitz Birkenau deportiert werden.

326
01:05:54,000 --> 01:06:04,000
Diese Mammutaufgabe lief mit tödlicher Präzision ab und dauerte vom 3. bis zum 29. August 1944.

327
01:06:04,000 --> 01:06:15,000
Während Kraner den Gesamteinsatz seiner Männer steuerte, leiteten Treves und Gold ab als Transportführer mindestens eine der Verschleppungen nach Birkenau.

328
01:06:15,000 --> 01:06:31,000
Sie und einzelne Schupos des Kommandos gelangten so in die Nähe der Gaskammer und Krimaturien an einen Ort, an dem in technisch mechanisierter Weise das ineinandergreifen von Wort- und Spurenbeseitigung perfektioniert worden war.

329
01:06:31,000 --> 01:06:35,000
So dass es keiner fliegenden Entertungskommando mehr bedurfte.

330
01:06:35,000 --> 01:06:44,000
Ja, Auschwitz eben hier als die Auschwitz des ursprünglichen KZ war und dann zum Vernichtungslager umgebaut wird.

331
01:06:44,000 --> 01:07:00,000
Und das hier mit den Gaskammern und den Krimaturien eben die Aktion 1005 nicht mehr notwendig macht, weil jetzt all das, was Schreckliches gelernt wurde in Anfang Anführungszeichen eben zum Einsatz kommt.

332
01:07:00,000 --> 01:07:16,000
Und es keine Massengräber mehr gibt, sondern die Toten direkt in den Krimaturien hier verbrannt werden, um Beweise zu vernichten und um danach keine Scheiterhaufen mehr im Wald machen zu müssen.

333
01:07:16,000 --> 01:07:37,000
Die Operation 1005 war nicht nur in Osteuropa und der Ukraine aktiv, sondern eben auch in Ex-Jugoslawien und die Mission von Blobel kannte keine Weißensflecken, sondern überall wo es Massengräber gab wurden Blobels Männer und er auch hingeschickt.

334
01:07:37,000 --> 01:07:44,000
Genau, nur so, dass es nicht nur ein reines Ostfront-Phänomen war.

335
01:07:44,000 --> 01:07:52,000
Und was passiert dann mit den Tätern? Was wohl passiert in der BLD nach dem Krieg?

336
01:07:52,000 --> 01:08:10,000
Wir haben schon von Gold abgehört, der ursprünglich dann weiter als Prozessist direkt gearbeitet hat und dann 1968 verurteilt wurde, Paul Blobel wurde 1948 schon im Einsatzgruppenprozess in Nürnberg zum Tod durch den Strang verurteilt und dann 51 hingerichtet.

337
01:08:10,000 --> 01:08:32,000
Die 68 verurteilten Täter saßen ihre Strafe, die lebenslangen Jahr ursprünglich war nie voll ab, Kraner wurde 1977 begnadet, also acht Jahre nach dem er verurteilt wurde und stirbt dann als 96-Jähriger im Jahr 1997.

338
01:08:32,000 --> 01:08:46,000
Gold ab wurde bereits 1975 entlassen und stirbt dann 1984 und Drehf ist da 73 Freigänger und begeht schließlich Selbstmord als ihm eine erneute Inhaftierung droht.

339
01:08:46,000 --> 01:09:05,000
Das sind jetzt nur drei, vier Namen von den Beteiligten, die danach wahrscheinlich alle wieder ihre Jobs einfach so weitergeführt haben und das Ganze war eben vor allem durch den Artikel 131 im Grundgesetz möglich, die beamten,

340
01:09:05,000 --> 01:09:29,000
hatten eine sehr starke Lobby nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und haben da eben auch beim Grundgesetz mit lobbyiert dafür, dass dieser Artikel 131 aufgenommen wird, um Polizisten und Richtern, die dem NS-Staat bedient haben, es zu erleichtern, direkt wieder einzusteigen und weiter Karriere zu machen in der BRD umgestört.

341
01:09:29,000 --> 01:09:39,000
Mein ehemaliger sehr geschätzter Geschichtsprach Michael Bild hat dazu in einem Artikel folgendes geschrieben.

342
01:09:39,000 --> 01:09:54,000
Viele Angeführige, auch aus Engen mit dem NS-Staat verbundenen Beamtengruppen wie den Richtern oder der Polizei, konnten mittels des 131er-Gesetzes wieder im öffentlichen Dienst angestellt werden und zum Teil auch Karriere machen.

343
01:09:54,000 --> 01:10:04,000
So erreichten zum Beispiel im Bundeskriminalamt mehrere ehemalige Abteilungsleiter des Reichssicherheitshauptamtes erneut führende Positionen.

344
01:10:04,000 --> 01:10:26,000
Ein NS-Täter wie Rudolf Billfinger, der 1953 wegen seiner Tätigkeit als Gestapo-Chef in Toulouse von einem französischen Militärgericht in Abwesenheit zu acht Jahren Zugthaus verurteilt worden war, stieg bis zum Oberverwaltungsgerichtsrat am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg auf.

345
01:10:26,000 --> 01:10:29,000
Ja, ganz toll Baden-Württemberg.

346
01:10:29,000 --> 01:10:31,000
Ja.

347
01:10:31,000 --> 01:10:58,000
Und der Zweck der Aktion 2005 war eben, was ich sehr beachtlich und erstaunlich daran finde, eben schon seit 42 das Ziel die Volksgemeinschaft in dicken Anführungszeichen zu entlasten und die Schuldfrage bewusst zu verschleiern, wenn es um die Verantwortung für die Massenmorte in den besetzten Gebieten aber in ganz Europa ging.

348
01:10:58,000 --> 01:11:22,000
Hitler und Himmler und die SS-Führung allgemein wollten eben damit sicherstellen, dass das deutsche Volk sich nicht als Tätervolk verstehen muss und ja, diese Vertuschung hat ja dann nachhaltig auch irgendwie funktioniert und hat das kollektive Bewusstsein und die Aufarbeitung von den NS-Torchene nachkriegsdeutschland beeinflusst.

349
01:11:22,000 --> 01:11:35,000
Wenn es einfach so wenige Bilder und Beweise und Dokumente für den Holocaust gibt, gibt es natürlich immer eine geringe Angriffsfläche trotz all der eindeutigen Beweise dafür.

350
01:11:35,000 --> 01:12:04,000
Und alle die irgendwie denken, dass der Holocaust jetzt auserzählt und fertig wäre, das ist eine Meinung, die man in Deutschland immer mal wieder gerne hört, dass das doch jetzt genug wäre und man genug über die Verbrechen des dritten Reiches geredet hätte, der soll dieses Buch lesen, um zu erkennen, wie wenig man eben oft weiß, beziehungsweise wie viel jetzt auch nochmal 2018 da herausgearbeitet wurde und konstant herausgearbeitet wird.

351
01:12:04,000 --> 01:12:28,000
Es gibt eben jetzt einen großen Schub auch bei in der Holocaustforschung mit jungen Professoren, Doktoren, Leuten, die Sachen schreiben und die dann neuen Blick, neue Methoden und neue Rangehensweise entwickeln, weil wenn wir uns die Erinnerungskultur auch in Deutschland anschauen, dann picken wir uns halt immer sehr selektiv die paar Sachen raus.

352
01:12:28,000 --> 01:12:47,000
Die ersten Jahre gab es gar keine Erinnerungskultur nach und zu zweiten Weltkrieg, das war vor duschen angesagt, dann lange nichts, dann haben wir unsere Erinnerungskultur technisch auf so einige Allgemeinplätze festgelegt und dabei verbleibt es dann aber auch.

353
01:12:47,000 --> 01:13:08,000
Darüber hinaus will man eigentlich nicht mehr wissen, natürlich verstehe ich es aus ein schreckliches Thema, aber das Nichts Wissen Wollen ist ein Abwehrmechanismus, der nicht produktiv ist und der nicht dazu führt, dass man irgendwie weder eine historische Verantwortung gerecht wird noch dafür sorgt, dass sowas nicht wieder passiert.

354
01:13:08,000 --> 01:13:18,000
Es ist noch kein Jahrhundert her, dieses Scheiße, dieses unglaubliche Versagen von normaler Menschlichkeit.

355
01:13:18,000 --> 01:13:33,000
Von daher empfehlt diese Folge in das Buch auf jeden Fall jeder Person, die sagt, wir haben es genug darüber geredet, müssen wir uns nicht mehr beschäftigen, es austachiert das Thema Holocaustsicht.

356
01:13:33,000 --> 01:13:57,000
Es gibt wahrscheinlich wenige Themen, wo in der Geschichtssorschung so viel Bedarf noch besteht, so viel gemacht wurde jetzt die letzten Jahre, aber irgendwie das Bild der Öffentlichkeit trotzdem noch so in der Vergangenheit verhängt und so ein sehr schulisch beeinflusstes Bild vom Holocaust irgendwie vorherrscht.

357
01:13:57,000 --> 01:14:11,000
Den Verbrechen der Deutschen, ja, hier noch ein Zitat von Angrik zum Abschluss.

358
01:14:11,000 --> 01:14:32,000
Von all den Verbrechen, die mit der Geschichte des Dritten Reiches verbunden sind, stellt die Apparition 1005 einen solitär, eine selbst für die Täter herausgehobene Kategorie dar und dies nicht wegen des eigentlichen Auftrags oder der Morde, die im Zusammenhang mit den Vertuschungsaktionen ausgeführt wurden.

359
01:14:32,000 --> 01:14:42,000
Weswegen dann? Es geht um die Fantasie im Vorfeld der Tat und um die ekelerregenden Alltagsrealitäten an den Brandstädten.

360
01:14:42,000 --> 01:15:09,000
Er führt es dann weiter aus, dass es bei den Erschiedungsaktionen oft nur sehr kurze Konfrontationen gab, selbst bei Bia dauerte nur zwei Tage sozusagen der Aussage der Täter und dass die, ja, also sehr kurze Konfrontationen zwischen Schützen und Opfer gab.

361
01:15:09,000 --> 01:15:31,000
Und dann später die Vernichtungslage irgendwie so eine industrielle Arzt des in Anführungszeichen sauberen Massenmords versucht haben, umzusetzen, wo es den SS-Leuten ermöglicht wurde, sich als Administratoren, fast schon als Maschinenführer zu sehen, dieser Maschine des Mordens.

362
01:15:31,000 --> 01:15:53,000
Und die Aktion 1005 und die daran Beteiligten hatten und es war der Nazis und der Erführungsriege schon selber auch klar eben nicht diese Trennung, sondern es war ein Konstant mit dem Öffnen der Massengräber und Konstant damit konfrontiert, was die ganze Zeit gemacht wurde.

363
01:15:53,000 --> 01:16:22,000
Also wer weiß besser, wie Massengräber es gibt als der, der die Aufmacht, um versucht verschwinden zu lassen und dass deswegen eben die Operation 1005 solitär innerhalb der Verbrechen der Geschichte des Dritten Reichs darstellt, weil es diese, sie sind das gezielte Vertuschen des eigenen Schreckens mit mehr Schrecken bei dem, bei dem neuer Schrecken erzeugt wird.

364
01:16:22,000 --> 01:16:26,000
Neue Morde, neue, neuem Eshandlung.

365
01:16:26,000 --> 01:16:32,000
Ja, das, ja.

366
01:16:34,000 --> 01:16:41,000
Das kann man gar nicht richtig abschließen, diese Folge.

367
01:16:41,000 --> 01:16:52,000
Also für mich war es wahrscheinlich die schwierigste Folge, bis wir es aufgenommen haben, allein so vom Emotionalen. Ich würde das auch nochmal gesagt haben.

368
01:16:52,000 --> 01:17:08,000
Also ja, wir sind die Tränen gekommen während der Aufnahme, das ist mir vorher noch nicht passiert und wir haben schon über viel Schreckliches berichtet. Ja.

369
01:17:08,000 --> 01:17:32,000
Also ein extrem schwieriges Thema, über das wir irgendwann auch nochmal mehr reden werden, werden irgendwann noch eine Folge zu T4 Aktionen vorbereiten und zu anderen Aspekten, die ich für unterbelichtet im öffentlichen Diskurs halte oder in der öffentlichen Wahrnehmung, über die man gut mal noch eine Stunde oder zwei reden könnte.

370
01:17:32,000 --> 01:17:51,000
Aber wir sehen, dass es für euch sicher nicht leicht und für uns auch nicht leicht uns damit zu beschäftigen in der Intensität, die wir jetzt getan haben und deswegen verzeiht uns bitte, wenn wir das nicht direkt als Serie alles zusammen machen, sondern so ein bisschen aufgesplittet über die Zeit hinweg.

371
01:17:51,000 --> 01:18:04,000
Und ja, genau. Wenn ihr uns unseren Podcast unterstützen wollt, gut findet, was wir machen, dann könnt ihr das auf Patreon tun oder auf YouTube mit der Mitgliedschaft.

372
01:18:04,000 --> 01:18:13,000
Auf Patreon unterstützt uns die Patreons Petrus Silius Zwackelmann, Onkel Didi, Freya Stewart, Fanny Dietrich und der coolere Erfischer vom Ardenngymnasium.

373
01:18:13,000 --> 01:18:26,000
Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützen, das bedeutet uns wirklich viel und ja, wir werden auch mal wieder leichtere Themen besprechen, versprochen.

374
01:18:26,000 --> 01:18:37,000
In diesem Sinne, ja, empfehle diese Folge allen, die behaupten, es wäre jetzt gut und man hätte genug über die Verbrechen der NS Zeit geredet.

375
01:18:37,000 --> 01:18:43,000
Dann haben wir 30 Millionen Hörer auf der Folge hier mindestens und färschen wir einen ganz guten Anfang.

376
01:18:43,000 --> 01:19:08,000
Und ja, ansonsten hören wir uns nächste Woche. Macht's gut, bis bald.

