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00:00:00,000 --> 00:00:11,000
Alle Zeit der Welt

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00:00:11,000 --> 00:00:15,000
Herzlich willkommen zurück zur zweiten Folge zu Lacan heute.

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00:00:15,000 --> 00:00:22,000
In der ersten Folge haben wir uns letztes Mal ja so ein bisschen die Biografie angeschaut und angefangen uns mit dem Inhalt zu beschäftigen.

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00:00:22,000 --> 00:00:33,000
Und heute soll es ein bisschen um die Grundkonzepte von Lacan gehen dabei vor allem um sein Konzept vom realen, vom symbolischen und vom imaginären.

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00:00:33,000 --> 00:00:47,000
Und was das mit uns zu tun hat und der Lücke im Wollen und warum wir immer mehr wollen als wir als wir haben oder sobald wir immer sobald wir etwas bekommen das nächste direkt begären.

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00:00:47,000 --> 00:00:53,000
Genau es geht ums Begehren und um Lacan und so viel zum Intro.

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00:00:53,000 --> 00:01:18,000
Beginnen wir vielleicht einfach mal mit dem realen weil das reale das am schwersten zu Verstehende beziehungsweise das per Definition eigentlich nicht nicht verstanden werden können.

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00:01:18,000 --> 00:01:25,000
Das sich unserer unserer Rationalisierung unserem Versuch es zu begreifen grundsätzlich entzieht.

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00:01:25,000 --> 00:01:34,000
Also das reale ist nicht wie man es vielleicht annehmen sollte die Realität sondern vielmehr das was hinter der Realität wie wir sie wahrnehmen liegt.

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00:01:34,000 --> 00:01:47,000
Wenn Realität eigentlich ein Akt des Verstehens erfordert so ist das reale genau das was das Verstehen verhindert und das ist das was er damit meint ist dass wir in eine Welt geworfen wurden.

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00:01:47,000 --> 00:01:55,000
Die von vornherein schon strukturiert ist die erkannt wird bestimmte Differenzen aufweist die gesellschaftlich festgelegt sind.

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00:01:55,000 --> 00:02:04,000
Wir lernen das gesamte menschliche Wissen in uns aufzusaugen um es durch unsere Welt zu navigieren in die wir geworfen wurden.

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00:02:04,000 --> 00:02:13,000
Wir haben eigentlich nichts anderes als die Sprache um uns über eine Realität zu verständigen und Konzepte dafür zu entwickeln wie wir diese Realität verstehen wollen.

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00:02:13,000 --> 00:02:21,000
Und durch diese Übereinkunft auch in der Sprache durch diese Sprache lernen wir unsere Welt wahrzunehmen.

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00:02:21,000 --> 00:02:28,000
Wir lernen uns durch diese Welt hindurch zu navigieren lernen die Welt kennen lernen was wichtig ist welche Gesetze wir einhalten müssen.

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00:02:28,000 --> 00:02:35,000
Lernen auf bestimmte Weise mit Konzepten umzugehen die wir durch unsere gesellschaftliche Erziehung in uns aufnehmen.

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00:02:35,000 --> 00:02:44,000
Und was wir dadurch aufnehmen ist eben auch wie so eine Linse die wir auf unser Auge draufsetzen mit der wir fortan auf diese Welt schauen.

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00:02:44,000 --> 00:02:56,000
Aber hinter dieser gesellschaftlichen Welt wie wir sie wahrzunehmen lernen läge noch die Welt der Dinge die Welt wie sie wie sie eigentlich ist und nicht wie wir sie wahrnehmen.

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00:02:56,000 --> 00:03:04,000
Weil wir nur noch mit dieser gesellschaftlichen Brille und nicht mehr mit diesem unvoreingenommenen kindlichen Blick auf die Welt leben können.

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00:03:04,000 --> 00:03:15,000
Es ist diese Vorstellung zu einer kindlichen Naivität mit der man auf die Welt blicken kann ohne die ganzen Konzepte zu kennen die Welt zum ersten Mal zu sehen wie sie ursprünglich ist.

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00:03:15,000 --> 00:03:20,000
Und zu diesem Zustand können wir nicht mehr zurückkehren weil wir schon so in die Welt geworfen wurden.

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00:03:20,000 --> 00:03:29,000
Die Welt der Sprache und die Welt der Konzepte die wir im Verlauf unseres Lebens lernen dass wir die Welt nie wieder durch Kinder Augen wahrnehmen können.

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00:03:29,000 --> 00:03:34,000
Sondern dass es diese Hülle gibt die auf der Welt liegt mit der wir fortan wahrnehmen.

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00:03:34,000 --> 00:03:43,000
Das ist wie so ein Schleier der sich zwischen uns als Subjekte und den Kern der Welt wie sie eigentlich ist liegt.

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00:03:43,000 --> 00:03:57,000
Der selbst verhindert dass wir uns selbst als Subjekte jemals verstehen können weil wir uns auch lernen nur noch durch den Schleier der Sprache und entlang der existierenden sprafflichen und bildlichen Zeichenvorräte beschreiben zu können.

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00:03:57,000 --> 00:04:01,000
Und es gibt nach Lacan eben viel zu viel was die Sprache nicht ausdrücken kann.

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00:04:01,000 --> 00:04:07,000
Es gibt stets so einen unthilgbaren Rest dass eben das real ist.

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00:04:07,000 --> 00:04:21,000
Die tiefen Abgründe des Menschseins dass wir eigentlich nichts haben als unsere Sprache um die Welt um der großen Frage die in dieser Welt eigentlich steht nämlich wozu sind wir auf dieser Welt.

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00:04:21,000 --> 00:04:22,000
Was wollen wir in dieser Welt.

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00:04:22,000 --> 00:04:34,000
Das wollen wir erreichen. Das wollen wir auch als Gesellschaft erreichen dass wir nichts haben worauf wir eigentlich unsere Ziele unsere Wünsche unsere Begründungen gründen können.

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00:04:34,000 --> 00:04:36,000
Außer die Sprache in der wir sie verunglücken.

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00:04:36,000 --> 00:04:38,000
Wir sind Armut an Mitteln.

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00:04:38,000 --> 00:04:46,000
Wir haben quasi nur dieses eine Werkzeug und eine riesen komplexe Aufgabe und ein Werkzeug das dem vielleicht nicht immer gerecht wird.

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00:04:46,000 --> 00:04:49,000
Hinter der Sprache liegt eigentlich ein riesiger Schrecken.

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00:04:49,000 --> 00:04:56,000
Ja es gab keine geteilte Realität wenn wir nicht uns einreden würden dass unsere Sprache auch eine Realität abbildet.

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00:04:56,000 --> 00:05:10,000
Und genau dieser Schrecken diese diese Ursprünglichkeit die unendlichen Weiten des Universums die uns so einen Schauer über den Rücken laufen lassen oder so auch Horror Geschichte die rühren eigentlich genau an das was Lakor das reale nennt.

37
00:05:10,000 --> 00:05:21,000
Wenn es bei H.P. Lovecraft und Tulu und diese uralten Gottheit die seit Äonen den Abgründen des Universums lauern und einen heiligen Schrecken markieren.

38
00:05:21,000 --> 00:05:37,000
Das genau das ist das wird an das reale das zeigt uns dass es hinter dem was wir wahrnehmen hinter dem was wir sehen und hinter dem was wir sagen noch eine andere Welt der Wahrnehmung gibt die sich eben unbewusst unbewusst in unser Leben schweicht.

39
00:05:37,000 --> 00:05:53,000
Und wir können uns natürlich mit den wissenschaftlichen Beschreibungen der Welt zufrieden geben aber wir merken ja auch dass je weiter wir vordringen also von atomare zu sub atomare Ebene zu den Quarks zu also in die Quanten Physik.

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00:05:53,000 --> 00:05:59,000
Je mehr wir eigentlich hinschauen und verstehen wollen desto mehr verhindern wir dass wir überhaupt verstehen können.

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00:05:59,000 --> 00:06:07,000
Und für jedes Wort das wir uns anschauen also ich würde jetzt vorwerfen dass du dass du die Quanten Physik genauso verwendest wie Lakor die Mathematik verwendet.

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00:06:07,000 --> 00:06:20,000
Ich wollte ich wollte jetzt nicht eine Analogie zur Quanten Physik darstellen sondern ich will sagen je weiter wir auch ins Universum schauen desto mehr neue Wörter finden sich dort.

43
00:06:20,000 --> 00:06:33,000
Die gefunden werden müssen die von der Gesellschaft benannt werden von Institutionen benannt werden beispielsweise der NASA die sagt in zehn Millionen Lichtlärm entfernt gibt es ein interstellares Objekt namens Biblablu.

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00:06:33,000 --> 00:06:48,000
Das ist was unvorstellbares etwas was irgendwo existiert was wir in unserem Leben niemals sehen werden aber dass wir als Menschen kartografieren um uns eben dieses Unbekannte gegen das was wir nicht kennen was wir nicht wissen abzusichern.

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00:06:48,000 --> 00:06:59,000
Wir finden für alles sofort neue Wörter neue Begriffe neue Konzepte um eben nicht weiter dieser Frage diesen diesen Drängen der existenziellen Fragen unseres Lebens begegnet.

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00:06:59,000 --> 00:07:14,000
Wir sehen ja dass wir an ganzes vorstellbaren Grad noch das jetzt in der Quanten Physik sei oder dann in der Astrophysik also die wie unvorstellbar groß unser Universum ist und trotzdem bilden wir uns ein es kartografieren zu können es kennenlernen zu können.

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00:07:14,000 --> 00:07:20,000
Weil uns das was wir nicht kennen zum eine unglaubliche Angst die existenzielle Frage eben aufwirft.

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00:07:20,000 --> 00:07:36,000
Wer sind wir wo wollen wir hin und Lacan ist überzeugt dass es auf diese Frage niemals eine Antwort geben kann und vor allem keine Antwort die in irgendeiner Sprache ausgedrückt werden kann weil die ja die Sprache nicht Realität ausdrückt sondern die Sprache so ein sekundäres System ist.

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00:07:36,000 --> 00:07:47,000
Das unsere Wahrnehmung prägt und mit der wir uns als Menschen verständigen und die Sprache schlägt nach Lacan dann Kapriole und Kapriole und fasert sich aus bis ins unendliche um Antworten auf die Frage zu finden.

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00:07:47,000 --> 00:07:49,000
Weshalb wir überhaupt existieren.

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00:07:49,000 --> 00:07:52,000
Das gilt auch natürlich für philosophische Werke.

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00:07:52,000 --> 00:08:06,000
Jegliche Sozialwissenschaft die Gläbige Wissenschaft letztlich ist ja auf diese existenzielle Frage ausgerichtet. Jede jede Weisheitslehre jede jede spirituelle Hilfe alles ist ja darauf ausgerichtet eine Antwort auf die Frage zu finden.

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00:08:06,000 --> 00:08:14,000
Weshalb wir existieren jede Religion erfindet eine Grenze das möglichen das verständlichen und benennt das als Gott als Gottheiten.

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00:08:14,000 --> 00:08:24,000
Anders als jetzt in den Weiten des Universums in dem sich eigentlich ein ewig expandierendes Universum zeigt das heißt wir können niemals ein Ende finden und unsere Suche ist vergebens.

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00:08:24,000 --> 00:08:29,000
Religionen schieben dem eben ein Riegel vor und sagen die Grenze ist Gott.

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00:08:29,000 --> 00:08:47,000
Gott ist genauso unverständlich und begründet dadurch unsere Existenz und sagt Gott hat diese Realität geschaffen sie ist so wie sie ist du nimmst sie so wahr deine Emotionen deine Gefühle deine Art die Welt wahrzunehmen ist eine göttliche ist ein göttliches Geschenk und sie existiert.

57
00:08:47,000 --> 00:08:50,000
Und hier ist auch die Grenze hier wird nicht weiter gefragt.

58
00:08:50,000 --> 00:09:03,000
Aber genau diese Grenze wird eben bei Lakor überschritten und diese Differenz aufgezeigt zwischen dem was wir was wir meinen zu wissen und dem was wir was wir gerne wüssten und niemals wissen können.

59
00:09:03,000 --> 00:09:08,000
Denn welche Frage wir auch immer stellen wir erhalten wir erhalten eben keine definitiven Antworten.

60
00:09:08,000 --> 00:09:16,000
Wir bekommen symbolische Ausdrücke Formeln Hypothesen Aussagen Floskeln die eigentlich keinen Bezug zur Realität haben.

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00:09:16,000 --> 00:09:26,000
Weil die Sprache nicht Ausdruck von Realität ist sondern eher der Ausdruck von Ohnmacht gegenüber dem Schrecken des Unwissens dem Schwarzen Loch des Realen.

62
00:09:26,000 --> 00:09:30,000
Und der Vergleich mit dem Schwarzen Loch ist eigentlich nicht weit hergeholt.

63
00:09:30,000 --> 00:09:34,000
Den nutzt auch Zizek um das Reale zu beschreiben.

64
00:09:34,000 --> 00:09:40,000
Bis vor drei Jahren war es ja überhaupt nicht möglich schwarze Löcher überhaupt sichtbar zu machen.

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00:09:40,000 --> 00:09:52,000
Und sie waren ein reines theoretisches Konstrukt und nur mit Hilfe von komplexen Computerprogrammen haben wir es als Menschheit geschafft das vormals rein theoretische Konstrukt nachzuweisen.

66
00:09:52,000 --> 00:10:00,000
Zuvor war es nur möglich die schwarzen Löcher anzunehmen und vermittelt über die Krümungen und Verzerrungen der Raumzeit zu lokalisieren.

67
00:10:00,000 --> 00:10:03,000
Und genauso müssen wir uns auch das Reale vorstellen.

68
00:10:03,000 --> 00:10:16,000
Das nicht in Symbolen oder Bildern darstellbare Gravitationszentrum eine Ballung von Masse die nicht Zeit und Raum sondern unserem spraflichen symbolischen und bildlich imaginären Raum staucht und verzerrt.

69
00:10:16,000 --> 00:10:28,000
Also alle spraflichen Ausdrücke von Wissenschaft bis hin zur Kunst rühren aus diesem Urgrund dem Realen das wir nicht direkt sondern nur über die Effekte wahrnehmen können die es hervorruft.

70
00:10:28,000 --> 00:10:40,000
Also das Reale ist gleichzeitig in dem uns diese Grenze aufgezeigt wird in dem es dieses Unverständliche gibt versuchen wir zwanghaft dieses Unverständliche irgendwie verstehbar zu machen.

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00:10:40,000 --> 00:10:51,000
Kunst ist natürlich auch ein Versuch über Bilder über Musik an dieses Reale zu rühren an dieses per Definition Unverständliche.

72
00:10:51,000 --> 00:10:59,000
Deshalb können alle menschlichen Handlungen letztlich also definitiv also vor allem Kunst die nicht spraflich ist.

73
00:10:59,000 --> 00:11:13,000
Ich meine auch das Sprafliche rührt daran aber unmittelbar ist vielleicht auch die Musik beispielsweise die ja auch Ausdruck von tief gefühlten Emotionen von Zuständen ist von der Ausdruck von irgendwas was in uns rührt.

74
00:11:13,000 --> 00:11:28,000
Und wir halt die Astronomen das unendliche Universum durchforsten und dazu komplexeste Formeln, nukleotidische Konstrukte und feinst kalibrierte Technik nutzen um nach dem Ursprung des Universums unsere Herkunft zu suchen.

75
00:11:28,000 --> 00:11:49,000
Plötzlich nach dem Grund dem Anfang oder dem Ende unserer Existenz. So machen wir Menschen eigentlich nichts anderes. Wir sind eigentlich so lacan Wanderer im Dunkeln einer Welt und suchen nach dem Grund unserer Existenz nach einem Sinn an dem wir uns festklammern können und suchen verzweifelt nach Worten zu beschreiben wer wir sind.

76
00:11:49,000 --> 00:12:06,000
Aber das was wir eigentlich ausdrücken wollen entzieht sich eben der Sprache. Wir finden zwar Geschichten neue Wörter Kleidung Stil Lebensformen Kulturen und Sprachen um diesen Sinn auszudrücken und um unsere Existenz letztlich dann auch für andere wahrnehmen bei sich und verständlich zu machen.

77
00:12:06,000 --> 00:12:27,000
Aber eigentlich entgleitet uns dabei immer und geht immer das verloren was wir nicht ausdrücken können. Wir versuchen das Reale zu überdecken und uns dieser existenziellen Frage nicht stellen zu müssen. Wir entwickeln Bilder von uns selbst wie wir sein wollen und erfinden Ausdrucksweisen mit dem wir unsere Existenz vor anderen rechtfertigen.

78
00:12:27,000 --> 00:12:43,000
Aber das überdeckt nur dieses Realle das eben hinter allem liegt. Wir verdrängen das Gefühl absoluter Nichtigkeit und absoluten Nichtwissen hinter der Fassade der Sprache die Fülle und Vollkommenheit vortäuscht wo eigentlich die Abgründe der Lehre liegen.

79
00:12:43,000 --> 00:12:55,000
Die Sprache wird dabei zu einem neuen Devioden zum Schöpfer von Realitäten Universen und Werten zu den neuen Sternen und Fixpunkten unserer menschlichen Sphäre an denen wir uns orientieren.

80
00:12:55,000 --> 00:13:05,000
Indem wir die Sprache erlernen fallen wir ihren Versprechungen anheimen. Wir werden verführt von den Versprechen Mensch zu werden vollkommen zu werden wieder zu unserer Einheit zurückzufinden.

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00:13:05,000 --> 00:13:17,000
Was Lacan damit meint sehen wir ganz deutlich in dem eigenen Prozess das Erwachsenen werden das Kind wünschen wir uns nicht sehnlich erwachsen zu werden alles zu dürfen und ohne Verbote den eigenen Impulsen folgen zu können.

82
00:13:17,000 --> 00:13:32,000
Wie für irgendein Erwachsenen weil sie alles zu wissen scheinen und aufgrund dessen ihre absolute Freiheit erlangt haben. Beim Prozess des Spracherwerbs und im Prozess des Heranwachsen merken wir dann schnell mit welchen unterschiedlichen Ansprüchen, Anrufen, Anforderungen wir konfrontiert werden.

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00:13:32,000 --> 00:13:49,000
Mit welchen Anpassungstendenzen. Wer erlernen eine Sprache die uns immer mehr in Ketten legt. Jetzt da wir erwachsen sind merken wir mit welchen Pflichten und Herausforderungen und Anforderungen wir konfrontiert sind und sind auf der Suche nach der Antwort auf die Frage wer wir sind oder was denn der Sinn unseres Daseins.

84
00:13:49,000 --> 00:14:03,000
Ja das ist der eigentlich eigentlich große Schock denke ich immer wenn man erkennt dass seine Eltern auch keine Ahnung hatten. Was die großen Fragen des Lebens angeht wahrscheinlich oder oder halt auch so vor sich hin leben genauso planlos wie man selber.

85
00:14:03,000 --> 00:14:17,000
Also diese Entzauberung der eigenen Eltern. Ich habe einen guten Freund hier in Berlin ich werde seinen Namen jetzt nicht nennen sonst wird er sauer auf mich aber er hat sehr lange dran geglaubt zum Beispiel viel zu lange dass seine Mutter durch Wände sehen konnte und seine Gedanken ließen konnte.

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00:14:17,000 --> 00:14:30,000
Und das hat sie ihm einfach auch schwierig das seinem Kind zu erzählen aber wenn das das bis in die Frühpulverität hält ich meine Halleluja.

87
00:14:30,000 --> 00:14:37,000
Aber der Schock muss noch viel größer gewesen sein. Scheiße meine Mutter kann weder durch Wände schauen noch weiß sie was passiert wenn Leute sterben.

88
00:14:37,000 --> 00:14:53,000
Das ist ja der doppelte Schock. Halleluja. Ja aber da musste ich gerade dran denken. Also diese Eltern als Superhelden die die Welt navigieren und einen schützen und dann das heranwachsen und die Entzauberung dessen.

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00:14:53,000 --> 00:15:10,000
Wir haben uns ein paar Mal schon so ein bisschen mit der Entsauberung angesprochen. Wir müssen irgendwann mal auch über Max Weber reden der diese Entsauberung der Welt in der Moderne ja als als er es so benannt hat und auch sonst ganz spannende Sachen gemacht hat wie die Soziologie zu gründen.

90
00:15:10,000 --> 00:15:27,000
Genau nicht schlecht. Danke dafür. Auch wenn seine Theorien über protestantische Arbeitsethik mittlerweile als ziemlich überholt gelten hat er sehr viele spannende Sachen geschrieben. Also Max wir nächstes Jahr 2024 kommt auch mal dran.

91
00:15:27,000 --> 00:15:41,000
Ja aber nochmal zurück zu der Rolle der Eltern. Ich meine die haben uns auf die Welt gebracht. Die werden sich schon was dabei gedacht haben. Die müssen die auch noch die Antwort haben. Weshalb ich jetzt plötzlich auf der Welt haben sie nicht.

92
00:15:41,000 --> 00:16:01,000
Die waren noch horne ich. Das zu merken ist erwachsen werden glaube ich. Genau das ist das sie es gezielt gemacht haben und der Meinung war rettet ihre Beziehung. Und die alle geht draußen alle Hörerinnen und Hörer wenn ihr euch in dieser Situation befindet. Ich bezweifle ganz schwer das acht Stunden zusätzliche Care Work am Tag.

93
00:16:01,000 --> 00:16:25,000
Das kann in einer Beziehung eine Beziehung leichter machen. Also kriegt Kinder wenn ihr in Beziehungen seid wo ihr glaubt ihr könnt das handeln. Ansonsten macht es glaube ich nichts einfacher und alles komplizierter. Aber es ist trotzdem super schön und macht Kinder seid fröhlich mehret euch.

94
00:16:25,000 --> 00:16:38,000
Ich habe schon gesagt dass die Sprache eben begrenzt ist und das reale niemals einfallen kann. Und genau deswegen sind wir als sprachliche Wesen nur die Sprache haben um es zu verständigen auch begrenzt.

95
00:16:38,000 --> 00:16:54,000
Und indem wir die Sprache sprechen zu L'Accord gehen wir uns eigentlich im Kreis um eine leere Mitte in der betäubt ein großer Wille steht. Und dieser Wille ist eben das reale der Urgrund den wir nicht fassen können und zu dem wir durch unsere Geburt und durch unser geworfen sein in die Welt einen Zugang verloren haben.

96
00:16:54,000 --> 00:17:08,000
Der einzige Zugang dazu ist eigentlich die Nabelschnur der Sprache die uns näher um uns in der Welt verankert. Eben in einer geteilten gesellschaftlichen Realität. Was wir dann Kultur nennen und was uns als naturgegebene Ordnung unserer Gesellschaft erscheint.

97
00:17:08,000 --> 00:17:29,000
Es war einfach das was L'Accord dann die symbolische Ordnung bezeichnet. Also das symbolische Register das Register des Vaters und des Gesetzes den großen anderen die L'Accord die symbolische Ordnung auch nennt. Im Symbolischen finden wir die Gesetze Vorschriften und Realitätskonstruktionen wieder die uns in der Welt verankern und die uns vorschreiben wer wir sind und wer wir sein sollen.

98
00:17:29,000 --> 00:17:41,000
All das Wissen dass die Menschheit über Jahrhunderte zu Naturgesetzen, juristischen Gesetzen, Kunst oder Interpretationen ausgeforben hat finden wir hier und wir finden es eben auch dadurch in uns.

99
00:17:41,000 --> 00:17:51,000
Wir lernen was es bedeutet Mensch zu sein. Lernen die Elemente unserer Welt zu benennen. Lernen komplexe Konstrukte wie das gute Demokratie, Menschenrechte.

100
00:17:51,000 --> 00:18:03,000
Unsere Kultur basiert ja letztlich nur auf Verboten und Gesetzen. Sie verbietet und reguliert die menschlichen Triebe zeigt uns was es bedeutet Mensch zu sein und welche Glaubenserzepte Pflichten und Verbote damit einhergehen.

101
00:18:03,000 --> 00:18:14,000
Du sollst nicht töten. Du sollst nicht begehren, denn das nächste Frauen sind alle Verbote die die menschlichen Triebe und das menschliche Begehren reglementieren und dadurch auch die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

102
00:18:14,000 --> 00:18:31,000
Und wir sprechen nach Lakor nicht mit einer eigenen Sprache, sondern sprechen vielmehr in Echolalien, in dem wir immer nur nachsprechen was andere vor uns schon gesprochen haben auf die gleichen veralteten Konstrukte und Realitätsvorstellungen zurückzugreifen.

103
00:18:31,000 --> 00:18:50,000
Und in dem was wir sprechen hat eigentlich das vorzeitige Wissen nach das existierende Wissen das eben in Sprache gefasst ist und einen up to date bringen soll wie unsere Welt im Moment interpretiert ist, wo die Grenzen unserer Realität und wo wir zu einem gewissen Zeitpunkt stehen.

104
00:18:50,000 --> 00:18:59,000
Die Fülle der Sprache soll uns letztlich über die Spraflosigkeit und Hoffnungslosigkeit hinweg täuschen, die wir in unserem tiefsten Inneren verspüren, nämlich das Reale.

105
00:18:59,000 --> 00:19:11,000
Hier greift Lakor dann auf den davor schon angesprochenen Strukturalismus zurück, eine von Ferdinand de Souciers, einem schweizerlinguisten entwickelte Theorie.

106
00:19:11,000 --> 00:19:31,000
Souciers ist vor allem für sein Konzept der Arbitrarität des Zeichens berühmt geworden. Die Fris sagt, dass der Zusammenhang zwischen einem Gedankeninhalt, beispielsweise der Vorstellung oder dem Konzept eines Baumes und dem Ausdruck, also dem Wort oder Zeichen, das wir dafür verwenden, also Baum, völlig willkürlich ist.

107
00:19:31,000 --> 00:19:49,000
Wir könnten jede andere Laut- oder Zeichenfolge verwenden, um auf das Konzept des Baumes zu verbeißen, aber wir tun das auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Allerdings kann dieser Gedankeninhalt ja immer abweichen, das heißt, man weiß nie, ob die tatsächliche Realitätserfahrung auch von dem Gegenüber komplett geteilt wird.

108
00:19:49,000 --> 00:20:02,000
Man hat eigentlich nur die Sprache, die Oberfläche, die diesem Gedankeninhalt gegeben wird. Auf meinem Apfelbaum hängen vielleicht gelbe Äpfel, auf deinem vielleicht rote Äpfel. Vielleicht ist es der Apfelbaum, an dem ich meine Kindheit verbracht habe.

109
00:20:02,000 --> 00:20:20,000
Dieses Problem, das bei Platon und bei den antiken Philosophen, den Griechischen, durch den ewigen Apfelbaum gelöst wurde, der irgendwo existiert jenseits von Zeit und Raum und wir alle greifen auf dieses ewige Konzept des Apfelbaums zurück. Das ist natürlich eine praktische Lösung.

110
00:20:20,000 --> 00:20:36,000
Aber die Herangehensweise der Strukturalisten hat unser modernes Denken auf jeden Fall stark geprägt und es ist sehr, sehr einflussreich auf ganz viele Bereiche in der Wissenschaft, nicht nur in der Linguistik jetzt konkret,

111
00:20:36,000 --> 00:21:05,000
natürlich auch in der Linguistik, aber darüber hinaus eben auch Lakor und ganz viele andere Bereiche der Psychoanalyse und so. Ja und ganze französische Poststrukturalismus hat sich daraus entwickelt. Also Foucault, Derrida, haben wir sich auch immer auf Cecius Theorie der Abitale Therese Zeichens berufen, weil er während Cecius noch glaubte, dass diese Bedeutung und das Differenzgefüge der Sprache einigermaßen stabil ist, also dass bestimmte Konzepte einfach auch dadurch Bedeutung erhalten, dass sie unterschieden werden.

112
00:21:05,000 --> 00:21:21,000
können von anderen Objekten, während er noch glaubte, dass das alles eine relativ stabile Ordnung ist und für das Strukturalismus bekannt, glaubt der Poststrukturalismus vielmehr, dass die Sprache im Wandel begriffen ist und sich Bedeutungskonzepte verändern.

113
00:21:21,000 --> 00:21:49,000
Selbst wenn die Oberfläche gleich ist, findet im Hintergrund ein Spiel der Bedeutungskonstruktion statt, die den einzelnen Begriffen neue Bedeutungen gibt. Was wir heute dann als Wertewandel, als gesellschaftlichen Wandel oder neues Wissen bezeichnen, ist dann im Poststrukturalismus nichts anderes als eine Diskursiv, also sprachliche Verschiebung, die die Elemente unseres Sprachuniversums neu ordnet und den Leuten neue Bedeutungen zuweist. Also gibt es gesellschaftliche Bedeutungen, nur Sinnkonstruktion.

114
00:21:49,000 --> 00:21:59,000
Asbest war früher nach Definition ein feuerfester Industrieschutz, aus dem sogar Schutzhandschuhe hergestellt werden. Heute bedeutet das Krebs und gesundung.

115
00:21:59,000 --> 00:22:22,000
Und noch viel früher, Asbest war ganz früher eine Mode im antiken Rom. Es gab dort Berichte über griechische Feldherren, es kam einen griechischen König, der eine komplette Asbestrüstung hatte und dann mysteriös verstorben ist jung, keiner weiß warum. Aber super leichter Stoff, kannst du super formen, super hart, feuerfest, großartig.

116
00:22:22,000 --> 00:22:34,000
Und die Römer haben dann angefangen, Essensutensilien aus Asbest zu machen, weil man die nicht abwaschen musste, sondern danach einfach ins Feuer werfen konnte. Alles Schmutzige ist verbrannt und man hat den sauberen Teller wieder rausgeholt.

117
00:22:34,000 --> 00:22:44,000
Ist natürlich nur begrenzgesund, den ganzen Tag von Asbest runter zu essen, ne. Vor allem, wenn man da mit seinem Messer drum rumkrabst noch und irgendwie seinen Steak schneidet.

118
00:22:44,000 --> 00:22:52,000
Genau, also Asbest lange Zeit ein großartiges Wundermittel, wo mysteriös die Leute immer so früh gestorben sind.

119
00:22:52,000 --> 00:22:59,000
Mit dem heutigen Wissen, das jetzt die heutige Definition von Asbest ausmacht, ist es natürlich verständlich, wieso die alle gestorben sind.

120
00:22:59,000 --> 00:23:12,000
Aber in der Sprache verbirgt sich hinter der Oberfläche eines Wortes unser gesamtes menschliches Wissen. Und das ist alles integriert in die heutige Vorstellung, in das heutige Wissen, dass wir über Asbest hinter dieses Wort stellen können.

121
00:23:12,000 --> 00:23:24,000
Also es gibt einen riesigen Hintergrund hinter den einzelnen Begriffen, der die ganze Zeit auch im Wandel ist und der auch die Verbindungen und Verhältnisse zwischen den einzelnen Begriffen, den einzelnen Signifikanten beeinflusst.

122
00:23:24,000 --> 00:23:38,000
Die Sprache bringt uns so immer up to date, wie wir als Menschen in einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit unter bestimmten Bedingungen handeln sollten, ohne die Grenzen des Anstands, der Legalität oder der Pathologie zu übertreten.

123
00:23:38,000 --> 00:23:53,000
Es ist eine geteilte Realitätserfahrung, denn nur durch die Sprache und die impliziten Regeln, die darin verankert sind, sind wir überhaupt in der Lage, in Gesellschaft zu leben, weil wir uns mit der Sprache immer auch vergewissern, dass wir alle Menschen sind.

124
00:23:53,000 --> 00:24:04,000
Und daher ist es auch jetzt entscheidend, mal hinzusehen, ab welchem Punkt unseres Lebens wir die Sprache eigentlich lernen, die uns in der Welt verankert und in unserer Gesellschaft, in der wir leben.

125
00:24:04,000 --> 00:24:14,000
Und genau an diesem Punkt kommen wir zu dem Konzept des Spiegelsstadiums, das ich vorher schon mal angesprochen habe und das eine der bedeutendsten theoretischen Konzepte in der Course ist.

126
00:24:14,000 --> 00:24:22,000
Das Spiegelsstadium ist eine Phase im Kindesalter zwischen dem 12. und 18. Monat unseres Lebens.

127
00:24:22,000 --> 00:24:32,000
Und in diesem Spiegelsstadium entsteht eigentlich die Idee unseres Ichs, eines Egos, als dessen, was wir eben als Ich bezeichnen.

128
00:24:32,000 --> 00:24:46,000
Das Spiegelsstadium ist der erste narzisstische Bezugspunkt in unserer Psychie, so Lacan, und vergleicht das Spiegelsstadium mit Narzis aus der griechischen Mythologie, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt hatte.

129
00:24:46,000 --> 00:24:56,000
Lacan spricht von einem ursprünglichen Chaos, das in den Köpfen von Kindern herrscht und das im Moment des Erkennens im Spiegel durch eine Einheit ersetzt wird.

130
00:24:56,000 --> 00:25:12,000
Davor besitzt das Kind einen, wie Lacan sagt, zerstückelten Körper und das Kind ist nicht möglich, die unterschiedlichen Wahrnehmungsaspekte, wie beispielsweise sensorische Reize, visuelle Reize, die Hände und Füße aus ihrem Blickfeld in einer Idee zu vereinbaren.

131
00:25:12,000 --> 00:25:20,000
Erst durch den Anblick des Selbst im Spiegel werden diese unterschiedlichen Elemente im Bild und der Idee einer Einheit des Ichs zusammengefasst.

132
00:25:20,000 --> 00:25:31,000
Das Kind erkennt sein Gesicht und sieht, dass all die freischwebenden Sinneseindrücke Elemente seines Körpers sind, der ihnen gehört und dass dieser Körper ihnen die gleiche Einheit gibt, die auch ihre Eltern besitzen.

133
00:25:31,000 --> 00:25:37,000
Das Kind lernt also die Idee des Ichs herauszubilden, eines Ideal-Ichs, das Lacan Ego nennt.

134
00:25:37,000 --> 00:25:43,000
Der menschliche Narzissmus beginnt ab diesem Augenblick, in dem das Kind das Konzept des Ichs erlernt.

135
00:25:43,000 --> 00:25:56,000
Es lernt, dass es als Einheit wahrgenommen wird und dass all das Chaos um die Vielfalt der Sinneseindrücke, Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle, ein Gefäß, eine Oberfläche besitzen, ein Außen, das den Eindruck einer Einheit vermittelt.

136
00:25:56,000 --> 00:26:07,000
Über der Innerlichkeit der Gefühle und Gedanken und Wahrnehmungen gibt es eine Projektionsfläche, ein Körper, der auch von anderen Menschen wahrgenommen wird, die ihn ansehen und beurteilen.

137
00:26:07,000 --> 00:26:20,000
Ein Körper, der interagieren kann mit der Welt und Reaktionen auf dieses Verhalten erfährt. Ein Körper, der wachsen kann, der ebenso kategorisiert und kategorfierbar ist und wie die noch unbekannte Welt dieses Kind dann langsam erschließt.

138
00:26:20,000 --> 00:26:27,000
Die Herausbildung des Egos, die Geburt des Ichs aus dem Bild des Spiels setzt auch gleichzeitig das Begehren in Gang.

139
00:26:27,000 --> 00:26:36,000
Das Begehren ist in Lacan's Theorie die Triebkraft des menschlichen Handelns. Es ist wie die Karotte, die dem Esel mit einer Angel vor die Nase gehalten wird.

140
00:26:36,000 --> 00:26:43,000
Wir lernen nicht nur in Kultur zu leben, sondern zugleich als Subjekte in der Kultur zu leben. Und genau dort entsteht das Begehren.

141
00:26:43,000 --> 00:26:57,000
Nicht in der Innerlichkeit unserer selbst, sondern durch die ideale, enormen Werte, gesellschaftlichen Erzählungen und Bilder entsteht in uns langsam ein Bild unseres Ideales Ichs, das wir sein wollen, dem wir uns ähnlich machen wollen, das unser Begehren stimuliert.

142
00:26:57,000 --> 00:27:11,000
Denken wir beispielsweise auch an die Werbung. Sie funktioniert nur, da wir unbewusst eine Form der imaginären Identifikation anwenden und uns unser selbst als Träger, Trägerin oder Besitzerin das Gutes vorstellen, das wir in der Werbung sehen.

143
00:27:11,000 --> 00:27:17,000
Als Cowboy rauchend in den Weiten des Wilden Westens oder mit einem neuen Handy in der Hand, einem neuen Auto.

144
00:27:17,000 --> 00:27:25,000
Vielleicht stellen wir uns sogar schon die Reaktionen der anderen Menschen vor, wie sie uns beglückwünschen, uns Komplimente machen und vielleicht sogar auch ein bisschen beneiten.

145
00:27:25,000 --> 00:27:30,000
Und daher meint Joachim Kordes, wir eben immer mit einem fremden Blick auf uns, mit dem Blick des anderen.

146
00:27:30,000 --> 00:27:36,000
Und daher spiegelt sich unsere Gesellschaft und der Blick des anderen immer in uns.

147
00:27:36,000 --> 00:27:52,000
Also in dem Moment, in dem wir im Spiegel unser selbst erblicken, merken wir, dass sich alle Sinneseindrücke, die wir davor noch als Chaos erlebt haben, alle Gefühle, alle Gedanken sich in der Oberfläche besitzen, die wir nach außen hintragen.

148
00:27:52,000 --> 00:27:55,000
Das heißt, wir bilden ein Ich quasi, ein Subjekt.

149
00:27:55,000 --> 00:27:58,000
Genau, in dem wir uns anderen ähnlich machen wollen.

150
00:27:58,000 --> 00:28:10,000
Das Kind lernt sich zum einen als Einheit kennen und zum anderen aber auch als Teilmenge einer größeren Einheit, nämlich den Menschen oder einer Gesellschaft oder eines Staates oder der Menschheit.

151
00:28:10,000 --> 00:28:22,000
Es lernt, was es bedeutet, Mensch zu sein, beispielsweise eine Sprache zu sprechen, Verhaltensregeln und Vorschriften, implizite und explizite Regeln, Moral, Gesetze, Konventionen, Ausdrucksformen.

152
00:28:22,000 --> 00:28:30,000
Und vor allem erhält eine Interpretation der Realität, die das Kind dann stetig internalisiert.

153
00:28:30,000 --> 00:28:37,000
In diese symbolische Ordnung, die Lacan dann auch den großen anderen nennt, werden wir von diesem Moment an hineingeworfen.

154
00:28:37,000 --> 00:28:47,000
Unser kindlicher, naiver Blick schwindet langsam aber sicher dem menschlichen Rational, der Rationalität der Gesellschaft, Kultur und des Umfeldes des Kindes.

155
00:28:47,000 --> 00:28:54,000
Wir lernen die Welt eben auf eine spezifische Weise zu sehen, nicht mehr naiv und unvoreingenommen, sondern vorstrukturiert geordnet.

156
00:28:54,000 --> 00:28:59,000
Alles hat einen Namen, diese Namen stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander.

157
00:28:59,000 --> 00:29:06,000
Wir nehmen nicht mehr mit Kinder Augen wahr, sondern lernen richtig zu unterscheiden, Relevantes von Irrelevanten, Bedeutendem von Unbedeutendem.

158
00:29:06,000 --> 00:29:15,000
Dieses Unterscheidungssystem verfranzt sich bis ins Unendliche, bis hin zu der Unterscheidung komplexer philosophischer Konzepte wie Gut und Böse, bis in die Abgründe der Kramp.

159
00:29:15,000 --> 00:29:20,000
Und genau der Verlust dieser kindlichen Naivität ist der Beginn unseres Leids in Lacan.

160
00:29:20,000 --> 00:29:25,000
Die Frage, die das Kind an die Eltern oder den großen anderen von ihnen anrichtet, ist, was willst du?

161
00:29:25,000 --> 00:29:32,000
Du hast mich darauf die Welt gebracht, mich genährt, meine Hilflosigkeit nicht ausgenutzt, sondern mich in den Arm genommen und gesäugt, mir das ich gegeben.

162
00:29:32,000 --> 00:29:35,000
Aber wozu? Was willst du von der Rente?

163
00:29:35,000 --> 00:29:42,000
Ich will, ich will, ich will, dass du meine Rente bezahlst, gepflegt werden, so.

164
00:29:42,000 --> 00:29:50,000
Nur, falls ich, falls ich meine zukünftigen Kinder solche Fragen stellen werden, können sie die Antwort hier nachlesen.

165
00:29:50,000 --> 00:29:53,000
Ich würde ich, ich.

166
00:29:53,000 --> 00:29:57,000
Wir suchen nach Erklärungen und versuchen Antworten auf die Frage zu finden.

167
00:29:57,000 --> 00:30:02,000
Wie finden Sie vielleicht in der Moral, der Religion, in der Wissenschaft, im Hedonismus oder im Sadismus?

168
00:30:02,000 --> 00:30:08,000
All das sind eigentlich nur Antworten auf diese unbeantwortbare Frage des Krumms und unserer Existenz.

169
00:30:08,000 --> 00:30:16,000
Und vielleicht ist das Spiegelstadium in Lacans Theorie sowas wie der christliche Sündenfall, der Verlust der ursprünglichen Naivität.

170
00:30:16,000 --> 00:30:22,000
Und Lacan spricht in dem Zusammenhang auch davon, dass das Unbewusste strukturiert ist wie eine Sprache.

171
00:30:22,000 --> 00:30:27,000
Damit meint er nicht, dass das Unbewusste eine Sprache hat, sondern eine ähnliche Struktur besitzt.

172
00:30:27,000 --> 00:30:33,000
Wie eine Sprache besitzt auch das unterbewusste Febelmuster ein System, nach dem es funktioniert.

173
00:30:33,000 --> 00:30:35,000
Und diese Regeln müssen wir auch erlernen.

174
00:30:35,000 --> 00:30:43,000
Wir müssen unsere Muttersprache nicht lernen wie eine Fremdsprache, sondern folgen die vielen verschiedenen dramatikalischen, syntaktischen und grammatikalischen Regeln.

175
00:30:43,000 --> 00:30:46,000
Die Lexik, Konvention und Regeln werden automatisch.

176
00:30:46,000 --> 00:30:51,000
Und genauso ist es eben mit den Regeln unserer Gesellschaft, die wir teilweise im Halbschlaf ausführen.

177
00:30:51,000 --> 00:30:56,000
Und diese bedeutet vor allem, das eigene Verhalten zu reglementieren, Impulse zu kontrollieren.

178
00:30:56,000 --> 00:31:03,000
Wir internalisieren das gesellschaftlich-kultuferne Normsystem und richten dann auch unser Verhalten danach aus.

179
00:31:03,000 --> 00:31:06,000
Unsere Gesellschaft ist in gewisser Weise unser Unbewusstes.

180
00:31:06,000 --> 00:31:16,000
Das, was wir als Persönlichkeit, Individualität und das Intimste unserer selbst bezeichnen oder als unsere Identität schätzen, ist nichts anderes als ein Produkt der Gesellschaft.

181
00:31:16,000 --> 00:31:19,000
Und da kommen wir dem nachher, was Lacan ausdrücken will.

182
00:31:19,000 --> 00:31:29,000
Nach Lacan sind wir alle Neurotiker, die eigentlich wissen, dass sie nicht identisch mit sich selbst sind, da das Ich immer auch Anteile des anderen der Gesellschaft eine Kultur beinhaltet, fremde Anteile.

183
00:31:29,000 --> 00:31:39,000
Und gleichzeitig fehlt uns etwas, die Übereinstimmung mit uns selbst, die wahre Identität, die uns abhanden gekommen ist, als wir noch nicht in die Welt geworfen wurden und die Sprache erlernt hatten, die uns nun quält.

184
00:31:39,000 --> 00:31:49,000
Wir sind nicht krank, sondern unsere Gesellschaft ist krank, weil sie sich auch um das Reale, dieses Unverständliche herumstrukturiert und keine Rechenschaft darüber ablegen kann, weshalb sie existiert.

185
00:31:49,000 --> 00:31:53,000
Und die Menschen so tun, so als sei sie Realität und nicht nur reine Idee.

186
00:31:53,000 --> 00:32:00,000
Polizisten sind ja letzten Endes auch nur Menschen, die so tun, als wären sie Polizisten und Richter, die so tun, als ob sie Richter seien.

187
00:32:00,000 --> 00:32:07,000
Und wir alle spielen irgendeine Rolle und sagen, dass wir jemand sind und handeln so, als ob wir irgendetwas seien.

188
00:32:07,000 --> 00:32:21,000
Wir tun ja auch so, als ob wir Podcaster wären gerade. Und ihr tut gerade so, als wäre ihr Zuhörer und Zuhörerinnen von unserem Podcast. Aha, nehm das dritte Wand.

189
00:32:21,000 --> 00:32:30,000
So komplex ist auch unsere Gesellschaft geworden. Wir haben so viele Begriffe, neue Konzepte erschaffen und auch unser spafliches Universum reitet sich die ganze Zeit aus.

190
00:32:30,000 --> 00:32:38,000
Jeden Tag erscheinen neue Begriffe, ob das NFTs oder was auch immer sind. Und die werden eingebunden in unser gesellschaftliches Wissen.

191
00:32:38,000 --> 00:32:47,000
Wir verhalten uns auf eine gewisse Weise diesen neuen Liebleständen gegenüber. Wir müssen uns auch darüber informieren, weil sie Relevanz für unser Leben besitzen.

192
00:32:47,000 --> 00:32:59,000
Aber deswegen ist unsere Sprache wie so ein Schutzpanzer, den wir über uns legen und mit dem wir meinen uns gegen das Reale, das was hinter dem Verständlichen liegt, absichern zu können.

193
00:32:59,000 --> 00:33:08,000
Das Gleiche ist ja auch, ist das auch mit Gesetzen. Wir glauben an die Gesetze und verhalten uns nach den Gesetzen, weil wir hoffen, dass die Gesetze auch auf uns zu treffen.

194
00:33:08,000 --> 00:33:20,000
Und dass uns das juristische, der ganze Staatsapparat, unsere Gesellschaft auch davor behütet, dass diese Regeln übertreten werden oder dass diese Regeln, wenn sie übertreten werden, dann sanktioniert werden.

195
00:33:20,000 --> 00:33:39,000
Ich glaube daran, dass meine Unverletzlichkeit im Alltag gewahrt wird. Aber gleichzeitig zeigt sich in vielen Momenten, dass diese sprachlichen Konstrukte, die Gesetze, die Moral, die Anstandsregeln nicht verhindern können, dass ich auf der Straße ausgeraubt werde oder dass ich in einen Autounfall gerate.

196
00:33:39,000 --> 00:33:56,000
Auch unser Autofahren, unser ganzes Wissen um die verschiedenen Regeln, wie wir uns verhalten müssen auf der Autobahn, dass unserem Leib und Leben nichts geschieht. So viele Klepfe, die wir irgendwie bedienen können in diesem Auto, wie viel Wissen dahinter steckt, das überhaupt möglich macht, dass wir in Gesellschaft leben und dass wir uns die ganze Zeit sicher fühlen können.

197
00:33:56,000 --> 00:34:19,000
Diese Sicherheit vermittelt der Gesellschaft. Wir können auf die Straße gehen, ohne dass wir abgestochen werden. Wir können sogar mit 50 oder 100 oder 200 fremden Menschen in einem Haus leben, nur weil wir daran glauben, dass wir gewisse Formen haben, Mensch zu sein, die es uns ermöglichen, auf so engen Raum zusammenzuleben, ohne dass wir uns gegenseitig zu bedrohen werden.

198
00:34:19,000 --> 00:34:29,000
Wir glauben daran, dass die Gesetze jederzeit eingehalten werden und die Auslegung der gesellschaftlichen Realitätskonstruktion gibt uns in gewisser Weise diese Sicherheit.

199
00:34:29,000 --> 00:34:48,000
Allein daran zu glauben, dass man morgens zur Arbeit geht, dass der Bus kommt und dass wenn man in einen Einkaufsladen geht, dass da was, dass die Regale voll sind und diese ganze Kette der Gesellschaft, die ja irgendwie dazu führt, dass jeder von uns sich einer extrem spezialisierten Tätigkeit hingeben kann, tagsüber in seinem Dayjob oder generell.

200
00:34:48,000 --> 00:34:54,000
Dass keiner von uns seinen eigenen Acker bewirtschaften muss, um was zu essen zu bekommen oder selber jagen gehen muss oder so.

201
00:34:54,000 --> 00:35:08,000
Das spielt da ja alles mit rein in diese Grundlage von wie wir wohnen mit anderen Menschen zusammen und ich vertraue darauf, dass der andere die Ernte einfährt und ich bin dafür, keine Ahnung, der Wirt in der Kneipe oder so.

202
00:35:08,000 --> 00:35:32,000
Also die Rollen, die wir spielen, über die wir vorhin schon geredet haben, die werden natürlich seit der Sesshaftwertung immer komplexer. Ursprünglich in so jäger Sammlergesellschaften hast du eine gewisse Rollenverteilung, die eben auf einen relativ kleinen Clan verteilt ist und nur eine geringe Ausdifferenz der Rollen, weil alle jagen und alle sammeln können müssen, um zu überleben.

203
00:35:32,000 --> 00:35:45,000
Und das ändert sich ja dann, wenn wir uns niederlassen und zusammensetzen und größere Gesellschaften gründen und eben diese Arbeitsteilung einführen, die viel mehr Rollen eben auch ermöglicht, die man spielen kann.

204
00:35:45,000 --> 00:35:52,000
Aber das ist alles eben nur dadurch ermöglicht, dass wir beide den gleichen sprachlichen Ausdruck für Essen beispielsweise haben.

205
00:35:52,000 --> 00:36:09,000
Dass wir uns verständigen können, dass wir beide ein gemeinsames Ziel haben, dass wir beide auf die gleiche gemeinsame Sache zu arbeiten. Das heißt, die Sprache ist eigentlich der Ursprung alles gesellschaftlich in alles, was wir lernen, in alles, was wir an Realität erfahren und was uns eben die Sicherheit auch geben soll.

206
00:36:09,000 --> 00:36:24,000
Dass wir in einer Gesellschaft uns über die Realität übereinkommen, wir Regeln gemeinsam aufstellen und das gründen wir letzten Endes auf eine Unsicherheit, die absolute Unsicherheit, dass wir irgendwann gemeint haben, okay, wir nennen den Stein Stein und nicht Brr.

207
00:36:24,000 --> 00:36:28,000
Das ist eine arbitäre Entscheidung, die in diesem Moment getroffen wurde.

208
00:36:28,000 --> 00:36:42,000
Der Linguist würde jetzt sagen, da wurde irgendwann mal diese Entscheidung getroffen und dann gab es sehr kalkulierbare Lautwandel aufgrund von faulen Zungen über Ertausende, die sich dann so und so nach den und den Regeln genau abgewandelt haben. Aber genau, ist im Endeffekt das Gleiche.

209
00:36:42,000 --> 00:36:54,000
Sie hätten es auch irgendwie in einem Köppeln. Oder sie hätten eben sich entschließen können, keine gemeinsame Realität zu teilen. Der eine nennt es weiter Stein, der andere trotzdem weiter Schwarz.

210
00:36:54,000 --> 00:37:04,000
Aber dadurch, dass man übereingekommen ist und das Unbekannte, wie benannt hat und kartografiert hat, ist es überhaupt möglich, in Gesellschaft zu leben, in dem auch Regeln formuliert werden können.

211
00:37:04,000 --> 00:37:14,000
Wir mittlerweile abstrakte Konzepte dafür entwickelt haben, weshalb bestimmte Regeln als unverrückbare Regeln der Menschlichkeit gelten wie die Menschenrechte.

212
00:37:14,000 --> 00:37:19,000
Letzten Endes auch nur eine Übereinkunft von Menschen, die sich darauf verständigt haben, dass ein solches Konzept entsteht.

213
00:37:19,000 --> 00:37:24,000
Die anscheinend auch immer weniger Leute halten, wenn ich es einwerfe. Keine Frage. Keine Frage.

214
00:37:24,000 --> 00:37:27,000
Es ist auch so eine Übereinkunft, die relativ ist.

215
00:37:27,000 --> 00:37:37,000
Und wie fragil eigentlich diese Ordnung ist, diese symbolische Ordnung, das zeigt sich beispielsweise auch an Traumata.

216
00:37:37,000 --> 00:37:53,000
Ein Trauma, zum Beispiel ein Terroranschlag, ein Übergriff oder ein Überfall zeigt uns, dass all die Ordnung und Sicherheit, die wir in der symbolischen Ordnung errichtet haben und an die wir glauben und auf der wir handeln, zerbrechlich ist und all die Grundfesten unserer Realität jederzeit erschüttert werden können.

217
00:37:53,000 --> 00:38:03,000
Nicht nur unser körperliches Sicherheitsgefühl und Vertrauen in die Unverletzlichkeit unserer Rechte wird erschüttert, sondern auch der Glaube und das Vertrauen in die Realität, in die Menschen oder die Welt, in der wir leben.

218
00:38:03,000 --> 00:38:11,000
Wir glauben, dass die symbolische Ordnung, in dem wir in sie investieren und unser Leben gemäss ihrer Maßstäbe leben, unsere Sicherheit und Unversehrtheit garantiert.

219
00:38:11,000 --> 00:38:17,000
Das dramatische Ereignis zeigt uns die Untiefen des Realen, des Chaos, das eigentlich herrscht.

220
00:38:17,000 --> 00:38:29,000
Die Abgründe der Menschheit und des Ende unseres Wissens werden konfrontiert mit der brutalen Wahrheit, dass es keine Wahrheit gibt, keine Sicherheit, sondern nur die Ideen davon, die jederzeit zu bröckeln beginnen können.

221
00:38:29,000 --> 00:38:37,000
Ein Trauma bringt so das Narrativ unseres Lebens zum Einsturz und offenbart das Reale, das Chaos, vor dessen Hintergrund wir eigentlich existieren.

222
00:38:37,000 --> 00:38:48,000
Und genau deswegen zieht er auch beispielsweise die Traumatherapie darauf ab, das schreckliche Ereignis, das den Glauben an die Menschheit, Sicherheit oder Würde erschüttert hat, wieder in das symbolische Universum zu integrieren,

223
00:38:48,000 --> 00:39:04,000
es unzuschreiben, es mit einer neuen Bedeutung zu füllen und verständlich zu machen, sodass es nicht mehr im Register des Realen, des Unbewussten, des mit Schrecken und Leid behafteten ist, sondern ein sprafflicher oder bildlicher Ausdruck dafür geschaffen werden kann

224
00:39:04,000 --> 00:39:16,000
und in das eigene Narrativ des Lebens eingebettet werden kann. Also dass dieser Schrecken nicht mehr der Schrecken sein gelassen wird, der er war, sondern dass er aktiv umgeduldet wird.

225
00:39:16,000 --> 00:39:30,000
Und an dem Punkt kommen wir dann auch zu dem letzten Register des Boromäischung-Knotens, nämlich das Imaginäre, das sich eben auch mit dem Symbolischen und dem Realen überschneidet und untermal mit denen verbunden ist.

226
00:39:30,000 --> 00:39:43,000
Im Spiegelstadium spielt das Imaginäre auch eine entscheidende Rolle. Denn wie gesagt ist das Spiegelstadium der Moment, in dem über die Initiation in die sprachliche Welt auch eine Initiation in die Welt der Bilder stattfindet

227
00:39:43,000 --> 00:39:55,000
und das erste Bild des Ichs im Spiegel entsteht. Das ist dieses Ich, das Freud früher noch Ideal Ich nannte, also ein anzustrebendes Ideal, das eine ursprüngliche Einheit repräsentiert.

228
00:39:55,000 --> 00:40:11,000
Lacour spricht in diesem Zusammenhang über eine Differenz zwischen Je und Moi, also zwei Formen, dass ich, also ich und mich, die Moment der Betrachtung besteht, dem Ideal Ich und dem erlebenden Ich, zwischen dem Bild im Spiegel und der Wahrnehmung dieses Bildes.

229
00:40:11,000 --> 00:40:22,000
Das Kleinkind erfährt, dass sich der zerstückelte Körper im Spiegel zu einer Einheit zusammenfügen lässt, zu einem Bild, das radikal im Widerspruch zum Erleben eines geteilten und zerstückelten Körpers steht.

230
00:40:22,000 --> 00:40:33,000
Tief in uns, so Lacour, spüren wir einen Widerspruch, einen Mangel, der uns konstituiert, der in uns eingeschrieben ist und uns fühlen lässt, dass wir nicht wirklich identisch sind mit dem Bild, das wir im Spiegel sehen.

231
00:40:33,000 --> 00:40:43,000
Vielmehr sind wir gespalten und jagen dem Imaginierten Ideal Ich hinterher, um den in uns eingeschriebenen Mangel hinter uns zu lassen und dem Realen zu entfliehen.

232
00:40:43,000 --> 00:40:49,000
Wir begehren unsere Einheit, die wir durch den Blick in den Spiegel verloren haben, und lernen, als Fremde auf uns zu blicken.

233
00:40:49,000 --> 00:40:56,000
Was Lacour den Blick nennt, bezeichnet die Übernahme des Blickes des Anderen, also diesem lancistischen Blick, als wir der Andere auf uns blicken.

234
00:40:56,000 --> 00:40:59,000
Wir betrachten uns so, wie uns andere betrachten können.

235
00:40:59,000 --> 00:41:07,000
Gleichzeitig setzen wir eine Maske auf, entfremden uns in dem Moment, in dem wir uns in den Spiegel ansehen, weil wir uns mit den Augen des Anderen ansehen.

236
00:41:07,000 --> 00:41:17,000
Der Punkt hat mich damals, als ich die Einführung über Lacour gelesen habe, sehr beeinflusst oder beeindruckt, diese Analyse von menschlicher Psyche und wie wir uns selber erleben.

237
00:41:17,000 --> 00:41:30,000
Weil ich das irgendwie nachvollziehbar fand, trotz der sehr komplexen Theorie, dass wir eben über uns selber nur Erkenntnisse erlangen durch die Reaktion der Anderen auf uns.

238
00:41:30,000 --> 00:41:40,000
Und wir deswegen diesen extremen Fetisch für den Blick des Anderen auf uns entwickeln, einfach als menschliche Wesen, als Mechanismus, der automatisch in uns angelegt ist.

239
00:41:40,000 --> 00:41:56,000
Lacour geht eben davon aus, dass wir uns ein Bild von uns selbst machen und auch nach außen hin präsentieren, das im Widerspruch zu unserer eigentlichen Zerrissenheit und Gespaltenheit und der Komplexität und dem unbestimmten Chaos, das in unserem Inneren herrscht.

240
00:41:56,000 --> 00:42:03,000
Das Bild, das wir nach außen projizieren, ist die Suggestion von Einheit und Homogenität, von Struktur und Ordnung.

241
00:42:03,000 --> 00:42:15,000
Wir halten uns an Regeln, Normen und Gesetze, wollen als nett, freundlich, erfolgreich wahrgenommen werden und nutzen zur Darstellung unseres Selbst die Bilder und Zeichen des symbolischen und imaginären Vorrats unserer Gesellschaft.

242
00:42:15,000 --> 00:42:22,000
Die Sprache ist, wir sind ein Bandkreis, in dem wir uns selbst beschwören oder konstituieren, obwohl wir wissen, dass Bandkreise eine Fiktion sind.

243
00:42:22,000 --> 00:42:30,000
Das Imaginäre ist in Lacour's Theorie eben der bildliche und metaphorische Bildervorrat, der uns Möglichkeiten zur Identifikation gibt.

244
00:42:30,000 --> 00:42:37,000
Wie wir es auch mit dem Bild im Spiegel identifizieren, so sind unsere Mitmenschen Spiegel, in dem wir uns selbst zu betrachten lernen.

245
00:42:37,000 --> 00:42:49,000
Wir können uns das so vorstellen, als hätte jeder andere Mensch ein Spiegel statt seinem Gesicht und jeder Spiegel des Bildes, das es euch zurückwirft, entweder staucht oder verzerrt.

246
00:42:49,000 --> 00:42:53,000
Den manchen Gegenüber erkennen wir uns wieder, vielleicht als bessere Version von uns selbst.

247
00:42:53,000 --> 00:42:58,000
Den anderen Spiegelbildern erkennen wir nun mal karbere und abstoßende Versionen unseres Selbst.

248
00:42:58,000 --> 00:43:08,000
Dadurch, dass wir uns als Menschen, unter anderen Menschen kennenlernen, sehen wir uns auch täglich mit den Möglichkeiten konfrontiert, wie wir sein könnten, wie wir sein wollen.

249
00:43:08,000 --> 00:43:20,000
In unserem Gegenüber, vielleicht in seinem Kleidungsstil, in seinen Werten, die er vertritt, in seinem Beruf, in seinen Hobbys, erkennen wir uns in gewisser Weise wieder und identifizieren uns vielleicht damit.

250
00:43:20,000 --> 00:43:28,000
Dieses Bild, das wir dann innerlich in uns schaffen, lässt uns selbst in diesem Beruf, mit diesem Erfolg, mit dieser Kleidung vorzustellen.

251
00:43:28,000 --> 00:43:31,000
Diese Identifikation, die wir vornehmen, ist eben eine imaginäre.

252
00:43:31,000 --> 00:43:39,000
Die Werbung funktioniert nach dem gleichen Prinzip, also die Versprechungen zu machen, gut auszusehen und unser wahres Ich zum Scheinen zu bringen.

253
00:43:39,000 --> 00:43:44,000
Jedes Hobby macht nicht nur Spaß, sondern dient auch zur Transformation unserer Selbst.

254
00:43:44,000 --> 00:43:59,000
Krafttraining soll dich stärker machen, wenn du dich zu deinem wahren und starken Ich fühlst. Und die ganze Zeit hat man das Bild von sich vor Augen, wie man sein könnte, mit gestellten Muskeln oder mit dem neuen Wintermann, von North Face oder mit dem neuen Auto.

255
00:43:59,000 --> 00:44:08,000
Diese Diskrepanz zwischen dem Ideal-Ich, dass wir begehren zu sein und das, was wir als gegenwärtige Realität wahrnehmen, ist eben nicht einzuholen.

256
00:44:08,000 --> 00:44:12,000
Und das Versprechen, zu unserem wahren Ich irgendwann zu gelangen, kann nicht eingenüßt werden.

257
00:44:12,000 --> 00:44:21,000
Wir sehen uns in den anderen immer als glücklicheren, anerkannten, erfolgreicheren Menschen, wie beispielsweise auch in dem Spiegel Nahe Gap in Harry Potter.

258
00:44:21,000 --> 00:44:32,000
Der stellt ja auch dieses Begehren dar. Und dieses Bild, das wir dort sehen, treibt uns an, unsere Identität eventuell neu auszurichten und unsere Suche nach unserem Ich, wie es sein soll und sein könnte, nie aufzugeben.

259
00:44:32,000 --> 00:44:36,000
Vielleicht ist es die Idee, einen neuen Beruf zu starten.

260
00:44:36,000 --> 00:44:45,000
Das Bild, das man vor Augen hat, ist man selbst in diesem Beruf als glücklicher Mensch, als mehr mit sich im Reinen, als irgendwie angekommen irgendwo.

261
00:44:45,000 --> 00:44:55,000
Das sind ja auch so Beschreibungen von diesem Zustand oder von dem Begehren eigentlich, weil letzten Endes kann man nach Lakon zumindest nie ankommen.

262
00:44:55,000 --> 00:45:01,000
Es ist der ewige Aufschub eines Begehrens, die ewige Suche nach einer Antwort, wer wir sind, wer wir sein wollen.

263
00:45:01,000 --> 00:45:11,000
Aber dieses Begehren ist unstillbar. Sobald wir das, was wir kurze Zeit begehrt haben, erreicht haben, richtet sich unser Begehren auf einen neuen Gegenstand, auf ein neues Ideal.

264
00:45:11,000 --> 00:45:19,000
Deswegen kommt es ja auch so oft vor, dass sich Popstars, Sängerschriftsteller oder Politiker selbst mal begehen.

265
00:45:19,000 --> 00:45:26,000
Und das ist eben genau die Krux des Begehrens. Das Begehren kann nur aufgeschoben werden und kann nie wirklich befriedigt werden.

266
00:45:26,000 --> 00:45:33,000
Und wir begehren eigentlich nur zu Begehren. Und wenn wir unsere Ziele neben erreicht haben, sehen wir uns nach dem nächsten.

267
00:45:33,000 --> 00:45:45,000
Und wenn beispielsweise sich ein Sänger sich sein Leben lang wünschte, mit einer Band bekannt zu werden, Turnes auf der ganzen Welt zu spielen, Fans zu haben, die mit ihm jederzeit schlafen wollen und er von allen Männern beleidet wird.

268
00:45:45,000 --> 00:45:55,000
Und wenn dies alles erreicht und merkt, dass er dann nicht glücklich ist, obwohl alle Menschen genau begehren, was er hat, was er sich vor seinem Leben vorgenommen hat, das er ein Ziel erreicht hat.

269
00:45:55,000 --> 00:46:01,000
Also alle Versprechungen, die jemals gemacht wurden, wurden eingelöst.

270
00:46:01,000 --> 00:46:06,000
Genau dort wird dann eben die Paradoxie des Begehrens und unseres Lebens offensichtlich.

271
00:46:06,000 --> 00:46:17,000
Richtlose Begehren immer auf etwas Neues aus, was uns verspricht, diesen ursprünglichen Mangel, diese ursprüngliche Differenz zwischen der Realität und dem, wie wir sie ausdrücken, einzuholen.

272
00:46:17,000 --> 00:46:34,000
Wir versuchen zwar mit der Sprache auszudrücken, wer wir sind, und wir können uns einreden, dass wir eine ausgebildete Identität haben, dass wir stepp auch über ausreichenden, ausreichend sprachlichen Ausdruck verfügen, um uns verständlich für andere auszudrücken.

273
00:46:34,000 --> 00:46:47,000
Aber eigentlich ist in uns riesengroßes Chaos und eigentlich reden wir uns mit der Sprache ein, wir wüssten, was in der Welt vorliege und bereiten uns darauf vor, auf alle Eventualitäten.

274
00:46:47,000 --> 00:46:57,000
Aber es zeigt sich bei Kriegen, bei Terroranschlägen, bei Krankheiten wie Corona, wie wenig wir da vorbereitet sind auf neue Formen, erst mal unbekannte Formen.

275
00:46:57,000 --> 00:47:05,000
Das Reale, das sich zeigt und das unsere gesellschaftliche Ordnung zum Erliegen oder zum Stillstand bringt.

276
00:47:05,000 --> 00:47:12,000
Corona war erst mal auch das unbekannte Virus, über das wir noch kein Wissen hatten.

277
00:47:12,000 --> 00:47:26,000
Er hat es geschafft, eine ganze Gesellschaft, eine ganze Welt stillzulegen, weil die symbolische und imaginäre Welt noch nicht darauf vorbereitet war und an ausreichend Zeichenmaterial in Form von Wissen, in Form von Darstellungen, auch Bildern verfügte,

278
00:47:26,000 --> 00:47:30,000
um den Menschen eine Vorstellung davon zu vermitteln, was gerade auf dieser Welt geschieht.

279
00:47:30,000 --> 00:47:38,000
Also der komplette Lockdown ist letzten Endes darauf zurückzuführen, dass wir einfach nicht wussten, was da gerade auf uns zukommt.

280
00:47:38,000 --> 00:47:43,000
Das war traumatisch in gewisser Weise, unter dem Begriff hier zu inflationär verwenden zu wollen.

281
00:47:43,000 --> 00:47:53,000
Aber sofort haben die Nachrichten extrem detailliert darüber berichtet, obwohl wir noch nichts wussten, obwohl eigentlich noch gar nicht klar war.

282
00:47:53,000 --> 00:48:04,000
Es wurden Theorien geäußert, die wildesten Theorien von irgendwie chinesisches, chinesisches Labor bis hin zu das waren die Rothschild, George Soros und Bill Gates.

283
00:48:04,000 --> 00:48:08,000
Wobei die chinesische Labor Theorie noch nicht ganz so groß ist.

284
00:48:08,000 --> 00:48:23,000
Aber von Anfang an, als dieses verjahe, das aufgetaucht ist, dieses neuartige, unbekannte, unverständliche, haben wir nichts anderes gemacht, als zu sprechen, als zu schreiben, als bildlich darzustellen, als uns zu informieren.

285
00:48:23,000 --> 00:48:31,000
Also das stimmt schon, es gab ein enormes Bedürfnis nach Information, obwohl es keine Information gaben und das Bedürfnis wurde natürlich trotzdem gefüllt.

286
00:48:31,000 --> 00:48:39,000
Aber alle wollten Wissen haben und keiner konnte es ihnen in dem Moment so schnell geben, wie sie es gerne gehabt hätten.

287
00:48:39,000 --> 00:48:56,000
Und die Lücke ist ja auch sonst in so einem sehr kurzen Newscycle heutzutage ja auch so, dass teilweise 24 Stunden das sehr große Interesse mit 48 Stunden an einem Thema herrscht und sich dann schon wieder verläuft und das nächste spannend wird.

288
00:48:56,000 --> 00:49:01,000
Wir leben da auf jeden Fall auch in kurzlebigeren Zeiten, als Lacan es noch getan hat, schätze ich.

289
00:49:01,000 --> 00:49:15,000
Ist ja erst mal relativ deprimierend, wenn wir uns um die ganze Zeit unseren Begehren, als wenn so Subjekte mit so einer großen Lücke im Ich-Nach eifern, nachrennen und quasi immer sobald wir was erreichen, müssen wir das nächste begehren, weil wir nie ankommen können.

290
00:49:15,000 --> 00:49:27,000
Ja, er ist weniger optimistisch als Camus, der jeden Tag Sisyphus den Stein, den Berg hinaufrollen lässt und am Ende sagt, wir müssen uns Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen.

291
00:49:27,000 --> 00:49:34,000
Lacan ist da deutlich pessimistischer und es ist ja letzten Endes so eine Form von nihilismus, die er da auch prädigt.

292
00:49:34,000 --> 00:49:45,000
Eine Philosophie, eine Betrachtung, die darauf ausgelegt ist, dass es eine Grenze des menschlichen Wissens gibt und genau diese Grenze eigentlich die ganze Zeit einem vor Augen geführt wird.

293
00:49:45,000 --> 00:50:02,000
Aber indem wir durch unsere Sprache und durch unsere Gesellschaft und auf unsere Kultur Wege finden, die Realität hervorzubringen, eine geteilte Realität, in der wir leben können, müssen wir nicht die ganze Zeit diesem Abgrund, diesem Schrecken, dieser Ungewissheit entgegenblicken.

294
00:50:02,000 --> 00:50:12,000
Und das ist konstitutiv eben für eine Gesellschaft. Eine Gesellschaft ist nichts anderes als eine geteilte Realitätserfahrung, die uns Menschen das Gefühl von Sicherheit geben kann.

295
00:50:12,000 --> 00:50:27,000
Alle unsere gesellschaftlichen Gepflogenheiten, alle unsere gesellschaftlichen Dinge, die wir tun, unsere Kultur basiert letzten Endes auch darauf, dass sie uns verspricht, einen Grund für unsere Existenz zu geben.

296
00:50:27,000 --> 00:50:36,000
Anders wäre das ja gar nicht möglich. Unsere Gesellschaft existieren verschiedene Artikulationsformen, was es bedeuten könnte, ein gutes Leben zu führen.

297
00:50:36,000 --> 00:50:46,000
Es geht von Selbsthilferadgebern bis hin zu auch politischer Philosophie oder Konzepten wie Menschenrechten, Demokratie, Gleichheit.

298
00:50:46,000 --> 00:50:53,000
Das sind alles Versuche auszudrücken in einem gesellschaftlichen Rahmen, was uns als Menschen wichtig ist.

299
00:50:53,000 --> 00:51:05,000
Aber der Bezugspunkt ist eben nur die Gesellschaft, die die Begriffe vorbringt, die zuvor noch nicht existierten und die keinen direkten Bezug zu einer Realität haben, sondern einfach nur menschliche Konstrukte.

300
00:51:05,000 --> 00:51:22,000
Und daher sind alle Ziele, die wir versuchen zu artikulieren, alle Versuche, unser Selbst darzustellen, nur so eine Art Schattenspiele, die wir aufführen können, aber wir nie hinter die Birne blicken können, die die Schattenspiele an die Wand wirft.

301
00:51:22,000 --> 00:51:37,000
Dann wäre es immer an diese Grenze des menschlichen Wissens. Und weil dieses unglaublich schwer auszuhalten ist und unglaublich schwer zu ertragen ist und unglaublich schwer zu ertragen wäre, schaffen wir eben diese Realität, die wir uns überspülpen,

302
00:51:37,000 --> 00:51:56,000
wie so eine Sanddecke, die wir darüber legen, über dieses Real, um uns zu beruhigen und uns nicht zeitlich die Frage stellen zu müssen, ob die anderen Menschen um mich herum in der gleichen Realität leben und die gleichen Regeln befolgen und da mich auch dafür sorgen, dass ich als Mensch leben kann.

303
00:51:56,000 --> 00:52:16,000
Aber gleichzeitig stelle ich mir trotzdem die Frage, wo ich mit meinem Leben hin will und imaginiere mich in verschiedenen Lebenslagen, ob ich jetzt eine neue Gitarre kaufen will und mir die einzelnen Gitarren, wenn ich sie sehe, vorstelle, wie ich sie spiele oder ob ich den Marlboro Cowboy beneide und mir ein Päckchen Zigaretten kaufe.

304
00:52:16,000 --> 00:52:31,000
Dahinter steht immer, dass wir uns imaginieren als Version unserer selbst, die glücklicher ist, die besser ist, die mehr im Einklang mit uns selbst ist. Jeder Lebenswandel, jede Entscheidung für oder dagegen das Rauchen beispielsweise oder die Entscheidung, ein neues Hobby anzufangen,

305
00:52:31,000 --> 00:52:51,000
jeder Berufswechsel, jede Neuausrichtung, jedes Studium, jeder Spaziergang. Das ist letzten Endes der Versuch einer Lösungsfindung, wie wir mit uns im Einklang merken, dass wir unsere Berufsbezeichnung alleine nicht aufgehen oder unser Beruf uns alleine nicht zufrieden stellt, weil es da mehr gibt, nach wie im Leben streben.

306
00:52:51,000 --> 00:53:17,000
Ich finde seine Gedanken immer sehr anregend. Ich weiß immer am Ende nicht, ob ich jetzt das, meine gesamte Kindererziehung, Kinderpädagogik auf Lackon aufbauen würde. Aber ich denke, dass er schon viel begriffen hat, wie wir Menschen ticken und Freud auf eine Ebene verstanden hat, die dem 21. Jahrhundert wahrscheinlich angemessener ist, wie der reine Freud in Deutschland.

307
00:53:17,000 --> 00:53:32,000
In Deutschland wird sich ja in der Psychoanalyse sehr viel auf Freud bezogen und Freud immer noch sehr viel rezipiert. In Frankreich deutlich mehr Lackon als Freud. Und die Deutschen interessieren sich hier eigentlich erst seit den 90ern und den frühen 2000ern wirklich für Lackon.

308
00:53:32,000 --> 00:53:49,000
Da gibt er auf jeden Fall so einen französischen und so einen deutschen Weg. Und deswegen ist Lackon in der Psychoanalyse, soweit ich das weiß, jetzt auch in Deutschland umstrittener, wie er das in Frankreich ist zum Beispiel. Gleichzeitig ist es absolut lesenswert.

309
00:53:49,000 --> 00:54:03,000
Und auch wenn man wahrscheinlich mehr Spaß hat, wenn man gute Werke über ihn liest, wie seine Originalschriften, weil die tatsächlich also doch sehr schwer zugänglich sind.

310
00:54:03,000 --> 00:54:28,000
Auf der anderen Seite hat er auf jeden Fall viele Leute beeinflusst, die danach noch einflussreiche Denker des 20. Jahrhunderts wurden. Also der Rieder zum Beispiel, wie du schon gesagt hast, Foucault, Shishak, viele Leute, die darauf auf der Basis weiter Kulturkritik betrieben haben und das weiterhin tun sollten.

311
00:54:28,000 --> 00:54:42,000
Also wir brauchen mehr solche Stimmen vielleicht, weil ich denke, eine tiefe, grundlegende Hinterfragung hinter, warum ist unsere Gesellschaft so, wie sie ist, auch auf einer psychoanalytischen, philosophischen Ebene, schadet eigentlich keiner Gesellschaft.

312
00:54:42,000 --> 00:54:56,000
Und das wird viel zu wenig gemacht, weil das Rütteln an Grundfesten eben nicht sehr beliebt ist. Ist das ja eine Erklärung dafür, warum wir so ticken, wie wir ticken? Also ist ja nicht zwingend der Anstoß für eine Veränderung, sondern eher eine Analyse.

313
00:54:56,000 --> 00:55:10,000
Das ist ja genauso der Versuch, diese Frage zu beantworten, weshalb wir auf der Welt sind und eine zufriedenstellende Antwort vielleicht für den Moment zu finden. Das ist ja auch die Antwort, die Lacor damit seiner Theorie gibt. Ja, du kannst es nicht wissen.

314
00:55:10,000 --> 00:55:26,000
So, es gibt eine Realität, die du nicht erfahren kannst. Das ist etwas erleichterndes. Also das ist tatsächlich eine erleichternde Botschaft für das Individuum am Ende, weil man das den Druck von einem nimmt, zu sagen, warum bin ich, fühle ich mich dann noch nicht angekommen. Das gehört nicht dazu.

315
00:55:26,000 --> 00:55:41,000
Die Menschen, die zufrieden und sich angekommen gefühlt haben, wurden wahrscheinlich jetzt sehr biologisch gesagt als erste gegessen. Es ist auf jeden Fall durchaus die Stärke des Menschen, dass wir diesen Trieb in uns haben nach ständiger Veränderung, nach ständigem Neuen.

316
00:55:41,000 --> 00:55:58,000
Und dadurch die ganze Zeit dumme Dinge probieren, die manchmal funktionieren. Das ist ja schon auch ein bisschen unser Erfolgsrezept als Spezies und gleichzeitig wahrscheinlich der Schlüssel zu unserem Untergang. Hinter jedem Begehrensaufschub kann ein neues Abenteuer beginnen.

317
00:55:58,000 --> 00:56:19,000
Man kann auch mit einem interessierten Blick darauf blicken und sehen, gut, wenn sich mein Begehren nach diesem oder jenem befriedigt hat, ich bin mal gespannt, was mich danach wohl noch begeistern kann. Und auch wenn es mir keine endgültige Antwort geben kann, kann es mir doch ein gutes Leben bescheren, weil dieses Begehren mich auch antreiben kann, mich wohlzufühlen.

318
00:56:19,000 --> 00:56:37,000
Es kann mich dazu antreiben, mich physiologisch einfach wohlzufühlen, ob ich jetzt eine Spannung mache oder in die Sauna gehe, eine heiße Tasse Tee trinke oder so. Selbst wenn mir das jetzt alles keine Antwort auf die Frage gibt, weshalb ich existiere, beruhigt es mich trotzdem in dem Moment und lenkt mich auch von der Frage ab.

319
00:56:37,000 --> 00:56:50,000
Ich kann mich gut fühlen, kann mich auf meine Tasse Tee konzentrieren und einfach auch mal im Moment glücklich sein, ohne mir diese Frage im Hintergrund zu stellen. Und bei vielen, vielen Menschen gelingt es auch extrem gut, sich diese Frage nicht zu stellen.

320
00:56:50,000 --> 00:57:06,000
Ich bewundere Leute, die glücklich sein können, in ihrem Nichtstun, die den ganzen Tag auch zu Hause glücklich rumhergehen. Ich beneide diese Leute, ich würde das auch gerne tun, aber irgendwas im Gegensatz mir, dass ich was machen muss, dass ich was tun soll, dass ich irgendwas auch erkennbar für andere tun soll,

321
00:57:06,000 --> 00:57:19,000
dass von der Gesellschaft anerkannt wird und dass mir dann wieder Selbstbestätigung gibt. Es gibt auf jeden Fall weniger wahrscheinlich diesen Zustand, den die existenzielle Krise soweit abzuwenden, dass man doch mit sich einigermaßen im Einklang sein kann.

322
00:57:19,000 --> 00:57:35,000
Zumindest für den Moment. Das hat draußen Chaos, herrscht in unserer Gesellschaft und wir wissen, dass unsere gesellschaftlichen Sinnkonstruktionen, unsere Gesetze, unsere Politik, unser Bildungssystem und unsere Art in Gesellschaft zu leben seine Schwächen hat.

323
00:57:35,000 --> 00:57:44,000
Funktioniert es in vielen Fällen und es gibt uns eine Möglichkeit, uns auch zu erfalten und in gewisser Weise unsere Freiheit zu erfahren. Das ist natürlich ein extrem großes Privileg.

324
00:57:44,000 --> 00:57:54,000
In anderen Gesellschaften wird der Wert eines Menschen anders konstruiert. Vielleicht kommt eben auch Rassismus oder Voreingenommenheit gegenüber Menschen aus anderen Ländern.

325
00:57:54,000 --> 00:58:07,000
Daher, dass diese Sprafe eben unglaublich bedeutend ist für die gemeinsame geteilte Realitätserfahrung und dass Menschen anders über die Welt sprechen, andere Wörter dafür verwenden und vielleicht andere Konzepte haben.

326
00:58:07,000 --> 00:58:21,000
Das heißt dann ja jemand, der kennt das ja gar nicht. Die Menschenrechte oder so kennt er ja gar nicht. So als rassistisches Argument, dass man sich eben nicht in einer gemeinsamen geteilten Realität bewegt, sondern dass die symbolischen Universen zu unterschiedlich sind und unvereinbar.

327
00:58:21,000 --> 00:58:36,000
Und das ist nur eine eigene subjektive Ordnung der einzelnen Elemente. Ob eben du es gut findest, dass wir eine große Heterogenität haben oder ob du findest, dass Menschen aus anderen Ländern die Deutschen nicht richtig sprechen,

328
00:58:36,000 --> 00:58:46,000
da daher auch nicht in der Lage sind, die in einer gemeinsamen Realität zu leben und du vielleicht misstrauisch wirst, wenn du mit jemandem sprichst, der aus einem anderen Land kommt und eine andere Spar verpasst.

329
00:58:46,000 --> 00:58:51,000
Weil ihr euch nicht verständigen könnt über die gleiche Realität, über die gleichen Werte, über die gleichen Normen, die ihr vielleicht zeigt.

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Also Sprache ist unglaublich bedeutend auch für eben dann auch in der Politik. Die Art und Weise, wie über etwas gesprochen wird, wie etwas geframed wird, entscheidet ja auch, wie es von uns wahrgenommen wird, wie es eingeordnet wird in unser symbolisches Universum.

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Also diese analytische Ebene von Lacroix ist unglaublich interessant und diese Zurückführung von allen Menschlichen eigentlich auch auf die Sprache und unser Umvermögen, die Sprache jetzt wieder loszuwerden und zu überwinden.

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Und dass letztlich alles, jedes kulturelle Produkt, sei es ein Gemälde, sei es die Wissenschaft, sei es die Religion, alles Sinnkonstruktionen sind, die uns darüber hinweg täuschen sollen, dass wir gar nichts wissen.

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Und die uns insofern zufriedenstellen können, dass sie uns ablenken von diesem Schrecken, dass wir diesen ausblenden können und zu tun könnten, als würden wir in einer Realität leben, in der wir wüssten, was abgeht.

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Wir sind heillos überfordert. Wir haben keine Ahnung, was abgeht. Aber wir tun jetzt mal so, als würde die Wissenschaft ausreichend Erklärungen dafür geben, was auf der Welt geht oder eine Vernikion oder die Politik.

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Das ist doch jetzt nicht in der richtigen… das klingt immer so ein bisschen verschwörerisch, wenn ich sowas sage, aber letzten Endes sind auch Verschwörungstheorien oder auch Politik, Wissenschaft, Religion, alles einfach nur Erklärungsversuche, Geschichten, die erklären sollen,

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weshalb ich in diesem Moment, auf diesem Ort des Planeten auf eine gewisse Weise mich positionieren muss und handeln muss oder das ist eine Selbstordnung der Welt. Ob das jetzt nach wissenschaftlichen Maßstäben geschieht oder eben nach verschwörungstheoretischen Maßstäben.

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Es wird eine Welt geordnet, sortiert, erkennbar gemacht, kartografiert, sodass wir uns irgendwie dadurch navigieren können und das eine im einen Fall verläuft reibungslos in Form anerkannter Wege wie der Wissenschaft.

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In anderen Fällen gerät man dann immer an Grenzen der Legalität oder dann auch der Pathologie. Es werden Leute in Kliniken eingewiesen, weil ihre Form der Sinnkonstruktion zu sehr abweicht von der Sinnkonstruktion des Staates.

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Und das könnte Probleme verursachen, das verursacht ganz klar Probleme, weil damit auch der Staat und unsere Gesellschaft damit konfrontiert ist, dass sie eigentlich auch keine Rechenschaft darüber ablegen kann, weshalb wir so handeln, weshalb diese Gesetze an die wir glauben, so existieren.

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Wir haben wir haben irgendwie am Spotify Rückblick stand wir haben 1972 Minuten bis bis zum Rückblick jetzt rausgebracht. Das sind jetzt 120 extra. Abonniert uns gerne.

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Wir haben 1000 Abonnenten auf Spotify und auf YouTube, was uns beides sehr freut. Folgt uns wo auch immer auf Twitter oder bis jetzt auch bei Blue Sky. Jonas hat einen Account eröffnet und kommentiert gerne.

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Was haltet ihr von Lacor? Habt ihr schon mal was von ihm gehört oder war das hier euer erster Kontakt damit? Warum hört ihr euch das hier an? Also lasst uns gerne wissen.

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Und sollen wir in Zukunft mal öfter solche Denker behandeln? Machen wir sowieso. Also ob ihr wollt oder nicht, wir werden sowieso mal wieder zu jemandem. Also das ist eigentlich vollkommen irrelevant.

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Der Anstrich von Demokratie und ja, ansonsten fünf Sterne dalassen. Auf Patreon kann man uns unterstützen, wenn man uns unterstützen will mit mit mit PaBias und mit dem Gegenwert von PaBias.

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Und ja, ansonsten bis nächste Woche. Bis zum nächsten Mal.

